Burglengenfeld: Zweifel an dritter Kandidatur von Thomas Gesche wachsen

Von Thomas Rieke · 3. Mai 2024 um 05:00

Auch Thomas Gesche (CSU) kann heuer ein kleines Jubiläum feiern: Vor zehn Jahren hat er den Chefposten im Burglengenfelder Rathaus erobert, um in mancherlei Hinsicht einen Kurswechsel einzuläuten. Ob er mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden ist? Der MZ stand Gesche einmal mehr Rede und Antwort.

Herr Bürgermeister – vor zehn Jahren haben Sie Ihr Amt angetreten. Erinnern Sie sich noch an die Nacht des Triumphs?

Thomas Gesche:Natürlich. Ich war nach der Schließung der Wahllokale im Rathaus, wie auch Noch-Amtsinhaber Heinz Karg. Ich glaube, er konnte das Ergebnis zunächst gar nicht fassen, kam dann aber doch zu mir, um zu gratulieren. Später bin ich in Cheikho’s Lounge, um mit Thomas Ebeling zu feiern, der gerade die Landratswahl gewonnen hatte.

Die Bekanntgabe Ihrer Kandidatur 2013 war für uns eine Überraschung. Hat Ihr Erfolg Sie dann nicht auch selbst überrascht? Immerhin hatten Sie mit Bernhard Krebs (SPD) und Gerhard Schneeberger (BWG) zwei starke Konkurrenten.

Gesche: Ich hatte mir von Anfang an gute Chancen ausgerechnet. Und ich wusste um meine Stärken und war schon seit 2002 politisch aktiv. Insofern: Total unerwartet kam der Sieg für mich nicht.

Sie waren damals erst 28 Jahre alt. Der Rucksack, den ein Bürgermeisteramt darstellt, dürfte in diesem Alter doch etwas schwer gewesen sein?

Gesche: Dass das eine Riesenherausforderung für mich war, will ich nicht leugnen. Aber in erster Linie war es eine Ehre. Was gibt es Schöneres, als die Geschicke seiner Heimatstadt mit lenken zu dürfen?

Mit 28 Jahren sind Sie vom Verwaltungsfachangestellten zum Rathauschef aufgestiegen, waren also über Nacht Vorgesetzter zahlreicher Mitarbeiter, die mindestens auf derselben Stufe gestanden waren wie Sie und die Sie geduzt hatten. War das nicht auch ein Handicap?

Gesche: Natürlich ist so ein Wechsel in der Hierarchie nie leicht. Aber wir haben es ganz gut hingekriegt. Ich denke, es funktioniert.

2020 wollte Sie mit Michael Hitzek einer Ihrer engsten Mitarbeiter verdrängen. Er galt als Hoffnungsträger der SPD und zwang Sie in die Stichwahl. War der Sieg gegen ihn noch schöner, noch wertvoller als der 2014?

Gesche: Jeder Sieg hat etwas Eigenes. Wenn man es schwarz auf weiß liest, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter einem steht, ist das immer ein tolles Gefühl.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit gab es die Akten-Affäre. Sie erstatteten gegen ihren Vorgänger Anzeige, weil er massenweise Unterlagen vernichtet haben soll. Heinz Karg sprach von einer Schmierenkomödie und warf Ihnen vor, Sie wollten sein Lebenswerk in den Schmutz ziehen. Am Ende wurden die Ermittlungen eingestellt. – Ein Sieg für Karg?

Gesche: Das Ermittlungsergebnis halte ich noch immer für fragwürdig. Fakt ist, dass ich hier ins Büro gekommen bin und Schränke leer geräumt waren. Ich musste handeln. Die Klage war alternativlos, schon um zu verhindern, dass die Sache später mir auf die Füße gefallen wäre.

Die Akten-Affäre ist nur ein Beispiel für Unerfreuliches in der ersten Legislatur. Ebenfalls für Aufsehen sorgte 2017 die Schadenersatzklage gegen Sie, weil das Gutachten, das für den Kassensturz erstellt worden war, teurer wurde als gedacht.

Gesche: Die Klage war purer Irrsinn und politisch motiviert. Sie hat nur Zeit und Geld gekostet. Mir war klar, dass sie keinen Erfolg haben würde.

2020 schien es so, als würde sich das Klima im Stadtrat verbessern. Heute ist davon, wenn man an die jüngsten Kontroversen denkt, nichts mehr zu spüren.

Gesche: Das sehe ich anders. Ich finde, dass die Stimmung nach wie vor deutlich sachlicher ist als vor 2020. Das liegt daran, dass die Krawalltruppe der BWG auf zwei Räte geschrumpft ist.

Krawalltruppe?

Gesche: Ja, ich mein’s schon so.

BWG-Sprecher Gregor Glötzl hat Ihnen in der Haushaltssitzung vorgeworfen, Sie hätten einen Förderschaden vorsätzlich herbeigeführt. Eine Woche später haben Sie ihn dafür zur Rede gestellt und von ihm eine Entschuldigung eingefordert.

Gesche: Was Herr Glötzl gesagt hat, war nicht nur eine Frechheit, sondern falsch. Er hat damit eine rote Linie übertreten. Deshalb musste ich handeln.

Rechnen Sie damit, dass er sich entschuldigen wird?

Gesche: Wenn er etwas Vernunft und Anstand hat, wird er es tun.

Falls nicht?

Gesche: Dann gibt es eine Anzeige – mindestens wegen übler Nachrede.

Die Ermittlungen der Landesanwaltschaft wegen der Förderschäden laufen noch. Was passiert, wenn sich Glötzl am Ende bestätigt sehen darf?

Gesche: Dieser Fall wird nicht eintreten. Man wird mir keinen Vorsatz nachweisen können, da es von mir kein vorsätzliches, förderschädliches Handeln gab.

Zehn Jahre in diesem Knochenjob Bürgermeister gehen an keinem spurlos vorüber. Hat Sie das Amt menschlich verändert?

Gesche: Ich glaube, bestimmte Charakterzüge sind unverändert geblieben. Ich würde mich nach wie vor als meist gut gelaunt, freundlich und hilfsbereit beschreiben. Auf der anderen Seite ist es aber vermutlich schon so, dass dieser lange Lebensabschnitt einen prägt. Ich würde sagen, dass mich die Herausforderungen weitergebracht und gestärkt haben.

Wie hat sich das Verhältnis zu bestimmten Personen verändert, etwa zu Bernhard Krebs?

Gesche: Wir haben uns besser kennengelernt und schätzen uns. Ich würde sagen, unser Umgang ist ein positives Beispiel.

Wie sieht das Verhältnis zu Sebastian Bösl (SPD), Ihrem ehemaligen Schach-Gegner, aus?

Gesche: Wir haben einen kurzen Draht zueinander. Politisch vertreten wir natürlich sehr unterschiedliche Positionen.

Und zu Hans Glatzl (BFB)?

Gesche: Er hat ein Problem, aus der Rolle des Oppositionellen rauszukommen. Deshalb macht er bisweilen Klamauk und ist auch populistisch unterwegs. Trotzdem mag ich ihn eigentlich.

In der Haushaltssitzung war Sebastian Bösl nicht anwesend. Nun hat er eine Stellungnahme als Sprecher seiner Fraktion nachgereicht, in der er einen Problemstau und eine Schieflage des Etats beklagt.

Gesche: Das wundert mich nicht. Das ist typische Oppositionsarbeit. Das muss er so machen.

Wenn Sie eine 10-Jahres-Bilanz ziehen: Was würden Sie als größte Erfolge anführen?

Gesche: Für das Bulmare ist es uns gelungen, eine umfangreiche Sanierung auf Kosten des Generalunternehmers durchzusetzen und das Finanzchaos zu beenden. Außerdem haben wir den Schuldenberg der Stadt um acht Millionen Euro verringert.

Wer als hauptamtlicher Bürgermeister zehn Jahre durchgehalten hat, hat Anspruch auf ein Ruhegehalt. Haben Sie sich angesichts Ihrer gesundheitlichen Probleme (Stichwort: Beinahe-Erblindung) mit diesem Thema schon befasst?

Gesche: Ich habe davon gehört, mich aber nicht näher damit beschäftigt. Es gilt, was ich schon im Januar betont habe: Ich bin sehr gern Bürgermeister von Burglengenfeld und möchte vieles zu Ende bringen. Ob ich ein weiteres Mal kandidieren werde, steht aber nicht fest. Das wird sich spätestens 2025 entscheiden – und hängt natürlich maßgeblich von der Gesundheit ab.

Das Gespräch führte Thomas Rieke.

Im Herbst 2015 ging die Sanierung des Bulmare in die Endphase. Damit wurden Schäden behoben, die beim Bau zehn Jahre zuvor durch unsachgemäßes Verlegen von Folien und Bitumenbahnen entstanden waren. Foto: André Baumgarten, Archiv