Steinbruch-Ausbau in Burglengenfeld: Konzern kontert Vorwürfe der Bürgerinitiative

Von Thomas Rieke · 8. November 2024 um 19:00

Welche Auswirkungen hat eine erneute Vergrößerung des Burglengenfelder Steinbruchs (Landkreis Schwandorf)? Die Bürgerinitiative, die sich dagegen formiert hat, befürchtet Schlimmstes. Der Leiter des Zementwerks, Bernhard Reindl, und Projektleiter Stefan Ventur sind indes mit der Kritik nicht einverstanden. Im MZ-Gespräch gingen sie in die Gegenoffensive.

Wie berichtet, beabsichtigt der Baustoff-Produzent Heidelberg Materials (HM), seine bereits genehmigte Abbaufläche im Steinbruch um rund 45 Hektar auszudehnen. Dadurch würde der Fortbestand der Klinkerproduktion in Burglengenfeld um weitere 26 Jahre, also bis 2066 gesichert. Die Antragsunterlagen wurden Mitte April beim Landratsamt eingereicht, wo sie aktuell auf Vollständigkeit geprüft werden. Als nächster Schritt ist die öffentliche Auslegung zu erwarten; den Termin dafür legt ebenfalls die Kreisverwaltung fest.

Seit der ersten Präsentation des Vorhabens im Herbst 2023 hat sich auch Widerstand formiert. Mitglieder einer Bürgerinitiative halten die Pläne für zu ehrgeizig und die damit verbundenen Folgen insbesondere für die nächsten Nachbarn des Abbaugebiets für unzumutbar. Führende Köpfe der BI sind mit Thomas Hofmann (CSU) und Josef Schießl (FWL) zwei Mitglieder des Stadtrats.

Pfarrer sprach sogar von einem Wortbruch

Kürzlich outete sich auch der evangelische Pfarrer Gottfried Tröbs als Anhänger. In einer längeren Stellungnahme geißelte er das Konzept von HM als „brutalen Eingriff“ in die Landschaft – und als Wortbruch gegenüber der Bevölkerung. Schließlich sei ihr vor über 20 Jahren, als es um eine Vertiefung der Abbausohle ging, suggeriert worden, dass damit eine Ausdehnung in der Fläche nicht mehr nötig sein würde.

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Genau solche Thesen sind es, die Bernhard Reindl und Stefan Ventur nicht unwidersprochen stehen lassen wollen. Eine Zusage, den Steinbruch nie mehr zu vergrößern, habe es seinerzeit nämlich nicht gegeben, wie Unterlagen bestätigen würden.

Es gibt viele weitere Thesen, mit denen Reindl und Ventur nicht einverstanden sind. In den zurückliegenden Monaten sei durch die BI nachgerade der Eindruck entstanden, als setze der Konzern rücksichtslos das Eigentum von Bewohnern aufs Spiel oder riskiere gar Menschenleben. Beides sei nicht der Fall. Im Folgenden nimmt Reindl zu konkreten Themen Stellung:

1. Art der Sprengungen: Der Gesetzgeber habe klare Regeln für kontrolliertes Vorgehen aufgestellt, und Sachverständige beurteilten die Methode. Zur Wand- und Bohrlochvermessung sowie zur Lademengenkontrolle würden modernste Techniken genutzt. Darüber hinaus seien Erschütterungsmessungen Bestandteil der Überwachungen.

2. Reduzierter Sprengradius: Die angestrebte Reduzierung des halben Durchmessers auf 150 (bisher 300) Meter sei durch technische Maßnahmen bedingt (wie etwa Lademengenbegrenzung). So würden Steinflug und Erschütterungen minimiert. In diesem Bereich dürften sich während der Sprengung keine Personen aufhalten. Die Termine würden aber rechtzeitig bekanntgeben – und beschränkten sich für die benachbarten Orte Saaß, Bubenhof und Dirnau auf jeweils zwei Mal die Woche.

3. Gebäudeschäden: Durch geringere Lademengen sollen sie „sicher vermieden“ werden. Eine Beweissicherung zum Zwecke der Feststellung des Status quo durch Anbringung von Gipsmarken sei Teil nachbarschaftlicher Vereinbarungen. Der Zustand der Häuser hänge freilich auch von Bauart und Untergrund ab.

4. Straßensperrungen: Solche kommen laut Reindl überhaupt erst zum Tragen, wenn der Abbaufortschritt nahe genug an die Straße heranrückt, und dauern „maximal rund zehn Minuten“. Im Notfall werde einem Rettungswagen natürlich Vorrang eingeräumt. Die Kontrolleure seien „Menschen und keine Roboter“.

5. Pferdehof in Dirnau: Um zu beurteilen, wie sich die von der Steinbrucherweiterung ausgehenden Emissionen (Erschütterungen, Staub, Lärm) auswirkten, sei nachträglich das Gutachten eines vereidigten Sachverständigen eingeholt worden. Das Ergebnis: Eine Tierwohlgefährdung sei „unter keinem Aspekt zu erwarten“, auch nicht in unmittelbarer Nachbarschaft in Dirnau. Zweifel an der Seriosität des Gutachters versucht Reindl im Keim zu ersticken: „Alle unsere Gutachter sind vertrauenswürdig. Sie sind öffentlich bestellt und somit unabhängig.“

6. Transparenz und Aufklärung: Schon 2019 seien laut Reindl die fünf nächstgelegenen Anwohner über das Vorhaben vorinformiert worden. Es folgten das Informationsforum am 6. Dezember 2023 und die Vorstellung des Projekts im Stadtrat sowie weitere persönliche Gespräche mit den Anwohnern. Noch heuer seien drei weitere Infoveranstaltungen auf dem Betriebsgelände geplant.

7. Zeithorizont: Es wurde eine Erweiterung für zusätzliche 26 Jahre beantragt. Dies sei „normal“, sagt Reindl. 2002 seien 20 Jahre genehmigt worden. Verfahren für ähnliche Vorhaben würden sich ebenfalls auf Zeiträume von 20 bis 25 Jahren beziehen. Der Eindruck, es gehe um eine Entscheidung über mehrere Generationen hinweg, sei also unzutreffend.

8. Der Schwerlastverkehr: Die Anzahl der Lastwagen werde sich nicht verändern, versichert Reindl. Eine Erhöhung der Produktionsmenge sei nämlich nicht vorgesehen.

Standort Burglengenfeld ist für HM sehr attraktiv

Im Übrigen betonen Reindl und Ventur im MZ-Gespräch einmal mehr die Bedeutung des Vorhabens für das Zementwerk in Burglengenfeld, aber auch für den Konzern insgesamt. Der Standort Burglengenfeld liege zwischen diversen Ballungsräumen und damit in einer „guten Marktposition“. Daher wolle ihn das Unternehmen gerne weiterentwickeln, womit verschiedene Großinvestitionen gemeint sind. Diese sollten laut Reindl auch dazu dienen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Eines von mehreren Projekten sei eine Abscheideanlage für Kohlendioxid, die rund 500 Millionen Euro kosten dürfte. Solche Ausgaben würden freilich nur getätigt, wenn es ein Garantie dafür gebe, dass es auch über den bereits genehmigten Zeitraum hinaus weitergeht. Ziel sei es daher auch, alle Einwände so abzuarbeiten, dass letztlich niemand gegen den Genehmigungsbescheid klagt.

Zum Stand des Verfahrens

12. April 2024: Für das erforderliche wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren hat HM beim Landratsamt die Antragsunterlagen eingereicht. Laut Werkleitung gab es einige Nachforderungen – zum Beispiel ein Gutachten zu den Auswirkungen für die Pferdehaltung in Dirnau. Insgesamt umfassen die Unterlagen, würden sie ausgedruckt, nun drei Aktenordner.

November: Aktuell prüft die Behörde, ob die Unterlagen vollständig sind. Bis Ende des Monats erhofft sich HM die Bestätigung. Dann folgt die vierwöchige öffentliche Auslegung. Den Termin setzt das Landratsamt fest. Er dürfte noch heuer bekannt gegeben werden. Damit verbunden ist die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben.