Steinbruch-Pläne: Burglengenfelder Pfarrer warnt vor „brutalem Eingriff“

Pfarrer Gottfried Tröbs von der evangelischen Kirchengemeinde hat sich noch nie gescheut, auch zu heiklen Angelegenheiten offen Position zu beziehen. Jüngstes Beispiel: Die Pläne von Heidelberg-Materials (HM), den Steinbruch in Burglengenfeld noch einmal deutlich zu erweitern.
Tröbs hält eine Expansion um 45 Hektar für maßlos übertrieben – und die damit verbundenen Folgen für unzumutbar. Um die Konsequenzen abzufedern, ist er Mitglied der Bürgerinitiative (BI) geworden, die sich gegen die Pläne wehrt. Kürzlich bereicherte er einen informativen Spaziergang interessierter Bürger durch das Plangebiet, den die BI organisiert hatte, mit einer Andacht.
Damit nicht genug: Jetzt wandte sich der Pastor mit einer öffentlichen Stellungnahme an die Redaktion, um die Burglengenfelder „wachzurütteln“ und sie als Unterstützer der BI zu gewinnen.
Der Geistliche skizziert, was den von der Steinbruch-Erweiterung Betroffenen in den Ortsteilen Pottenstetten, Saaß, Dirnau, Bubenhof und Richthof nach seinem Kenntnisstand alles blühen würde: Zum Beispiel die Reduzierung des Sprengradius und, während der Sprengungen, Straßensperrungen sowie die Aufforderung, im Haus Schutz zu suchen, und das unter Umständen mehrmals am Tag.
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Kurzum: Den Menschen in den genannten Ortsteilen drohe ein „brutaler Eingriff“ in ihre Lebensqualität. In Notfällen komme die Rettung eventuell nicht mehr rechtzeitig, Landwirten würden massive Behinderungen ihrer Betriebsabläufe zugemutet. Und nicht zuletzt würden die Immobilien der Dorfbewohner massiv an Wert verlieren. Tröbs spricht von „kalter Enteignung“.
„Wortbruch“ gegenüber der Bevölkerung?
Der evangelische Pfarrer erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Tieferlegung des Steinbruchs vor etlichen Jahren. Damals habe der Konzern versprochen, eine zusätzliche Erweiterung werde es nicht mehr geben. Vor diesem Hintergrund sei das aktuelle Ansinnen nichts anderes als ein Wortbruch.
Aus all diesen Gründen fordert Tröbs die Bürger auf, sich gegen „die Ausbeutung unserer Heimat“ zu wehren und die BI zu unterstützen. Gemeinsam müsse man darauf bestehen, dass auch künftig zu Wohnbebauung und Verbindungsstraßen ein Abstand von 300 Metern gewahrt bleibe.
Pfarrer Michael Hirmer hält sich zurück
Während sich also der evangelische Seelsorger zur Stimme jener macht, die eine größere Steinbruch-Erweiterung ablehnen, hält sich sein Kollege von der katholischen Stadtkirche weitgehend zurück. „Die Kirche darf auch mal schweigen“, erklärte Michael Hirmer auf Anfrage. Er verfolge das Thema zwar aufmerksam und habe sich informiert, eine abschließende Meinung habe er sich aber noch nicht gebildet. Anders vielleicht als Pfarrgemeinderatsmitglied Markus Bäuml, der im Sachausschuss Umwelt und Schöpfung seit Jahren wertvolle Arbeit leiste.
Bäuml ist auch Mitglied der CSU-Stadtratsfraktion und äußerte sich differenziert. Einerseits habe er durchaus Verständnis für die Interessen von HM. Und auch in Zukunft werde der Baustoff Zement sicher benötigt werden. Andererseits könne er die Sorgen und Ängste der Bürger nachvollziehen, die am Rande des Plangebiets lebten, beteuerte Bäuml. Ziel müsse es daher sein, einen Kompromiss zu erzielen, mit dem beide Seiten gut leben könnten.
HM-Werkleiter Bernhard Reindl kündigte indes an, sich Anfang November ausführlich bei einem Pressetermin zu den Erweiterungsplänen für den Steinbruch und zum Stand des Genehmigungsverfahrens äußern zu wollen. Der BI wirft er vor, in einem aktuell kursierendem Flugblatt nicht in allen Punkten die Wahrheit zu verbreiten.