Pläne des Zementwerks: Der Steinbruch in Burglengenfeld soll um 45 Hektar wachsen

Von Thomas Rieke · 9. November 2023 um 15:15

Im Sommer hatte es sich schon angedeutet, nun wird es langsam ernst: Heidelberg Materials plant eine massive Ausdehnung der Abbaufläche im Burglengenfelder Steinbruch. Die Rede ist von rund 45 Hektar. Vertreter des Unternehmens informierten am Mittwoch den Stadtrat. Aus dessen Reihen waren viele kritische Töne zu vernehmen.

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) gab indes in seiner Einleitung zu verstehen, dass er das Vorhaben des Konzerns begrüßt. Das Zementwerk sei ein wichtiger Arbeitgeber und wolle sich für die Zukunft aufstellen. Das sei grundsätzlich positiv zu bewerten, meinte er, und gab das Wort sogleich an Werkleiter Bernhard Reindl und Projektleiter Stefan Ventur weiter.

Werkleiter spricht von „existenziellem Thema“

Reindl sagte, die Steinbruch-Erweiterung sei ein „Thema von existenzieller Natur“, um den Betrieb fortführen zu können. Sie sei erforderlich, weil man fast überall schon an die bisher geltenden Grenzen stoße. Laut Vorlagebericht der Verwaltung geht es um 45 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Das Abbauende sei 2066 vorgesehen. Dann werde der Steinbruch geflutet, so dass ein 15Meter tiefer See entstehe.

Stefan Ventur erläuterte Details. Seinen Worten zufolge stammt die bisherige Abbaugenehmigung von 1990. Der Plan solle nun geändert werden. Vorgesehen sei es, den Abbau stufenweise in Richtung Nordosten und Westen voranzutreiben. Betroffen seien die Ortsteile Bubenhof, Dirnau und Saaß, aber auch Kastenhof.

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Um die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt auszuloten, sei ein Gutachten erstellt worden. Dasselbe gelte für die Themenbereiche Lärm, Erschütterungen und Staub sowie Naturschutz. Um zum Beispiel der Feldlerche Lebensraum zurückzugeben, werde am Mühlberg eine zehn Hektar große Ausgleichsfläche ausgewiesen.

SPD-Rat fühlt sich verschaukelt

Für mehrere Stadträte drängten sich mit der Präsentation zahlreiche Fragen auf. Hans Deml (SPD) gab zu bedenken, dass der Landwirtschaft unterm Strich mindestens 50 Hektar Land entzogen würden. Bei Photovoltaikanlagen würden oft schon viel kleinere Flächen kritisch beurteilt, „und hier wird ein Vielfaches vernichtet“.

Außerdem erinnerte Deml an das Jahr 2022, als die sogenannte Tieferlegung des Steinbruchs kontrovers diskutiert wurde. Damals sei das Vorhaben so dargestellt worden, als würde der Hunger des Konzerns damit ein für alle mal gestillt. Nun dränge sich die Frage auf, ob die Leute damals für dumm verkauft worden seien.

CSU-Fraktionschef mit Bauchschmerzen

CSU-Fraktionssprecher Michael Schaller sagte, die ins Auge gefasste Laufzeit des Kalkabbaus bis 2066 bereite ihm „extreme Bauchschmerzen“. Das bedeute nämlich, dass der amtierende Stadtrat über etwas entscheiden solle, was für die übernächste Generation von Bedeutung sein werde. Ein etappenweises Vorgehen wäre Schaller lieber. Dass dies nicht im Sinne des Unternehmens sei, könne er nachvollziehen, „wir haben aber die Interessen der Bevölkerung zu schützen“.

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Auch zeigte sich Schaller mit der beabsichtigten Flutung nicht einverstanden. Aus seiner Sicht wäre eine teilweise Verfüllung des Steinbruchs zugunsten heimischer Tiere besser. Ähnlich argumentierte CSU-Rat und Ortsvorsitzender Peter Singerer: „Ich sehe das nicht als Renaturierung. Seen haben wir schon genug.“ Norbert Wein (Grüne) plädierte für den Bau einer PV-Anlage – was laut Ventur nicht völlig ausgeschlossen wäre.

Was wird aus der Fabrik im Jahr 2066?

Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion und selbst in einem betroffenen Ortsteil zuhause, konfrontierte Ventur mit einer ganzen Reihe drängender Fragen. Unter anderem wollte er wissen, ob mit dem Ende des Kalkabbaus 2066 auch die Fabrik zugesperrt werde.

Ventur erklärte, aktuell ließe sich diese Frage nicht seriös beantworten. Sie sei unter anderem davon abhängig, wie in 50 Jahren gebaut werde. Kalkvorkommen gebe es tatsächlich noch bei Pottenstetten. Werkleiter Reindl brachte es so auf den Punkt: „Wenn der Bedarf nach Zement noch da ist, wird es auch das Werk noch geben.“

Laut Reindl ist am 6. Dezember im Pfarrheim St. Michael (VAZ) eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Bürger vorgesehen. Dann würden auch die Ergebnisse sämtlicher bereits existierender Gutachten erläutert.