Heizen: Zementwerk Burglengenfeld bietet Lieferung von Wärme an

Von Thomas Rieke · 26. Juli 2023 um 05:00

Sommerliche Hitze hin, Badefreuden her: Die Frage, wie die eigenen vier Wände möglichst umweltfreundlich geheizt werden könnten, treibt die Burglengenfeld auch Monate vor der kühleren Jahreszeit um. Eine mögliche Quelle: das Zementwerk, das bei der Produktion seiner Baustoffe Unmengen an Gasen und Wärme freisetzt.

Der Aufbau eines Wärmenetzes in der Vorstadt drängt sich, wie es auch im Klimaschutzkonzept der Stadt steht, auf. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) von Bürgerforum (BFB) und Junger Union (JU) hatten genau aus dem Grund um eine Termin gebeten.

Werkleiter Bernhard Reindl nahm sich persönlich drei Stunden Zeit, um den überschaubaren Besucherkreis von acht Interessierten willkommen zu heißen. Zum Auftakt fütterte er die Gäste mit einer Fülle von Informationen, zum Beispiel über die bewegte Geschichte des Zementwerks in Burglengenfeld, wesentliche Investitionen und die Bedeutung des Mutter-Konzerns Heidelberg Materials für die Bauwirtschaft weltweit.

Nur noch 150 Mitarbeiter sind an Bord

Laut Reindl hat die Produktion am Standort Burglengenfeld in den vergangenen zwei Jahren um rund 20 Prozent abgenommen. Das sei der Tatsache geschuldet, dass krisenbedingt hierzulande weniger gebaut werde. Bedrohlich sei die Situation für die Fabrik, in der nur noch rund 150 Mitarbeiter beschäftigt sind, aber nicht. Die Öfen liefen nicht mehr rund um die Uhr auf Volllast, sagte Reindl. Man habe Luft, Prozesse zu optimieren.

Standortleiter Bernhard Reindl nimmt auch zu heiklen Themen immer wieder offen Stellung. Lesen Sie dazu: Das Burglengenfelder Zementwerk trotzt der Energiekrise

Zum Beispiel durch Digitalisierung. Sie soll laut Reindl soweit wie möglich vorangetrieben werden. Außerdem konzentriere man sich konzernweit auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Großes Vorbild in Europa sei der Standort im norwegischen Brevik, wo demnächst damit begonnen werde, jährlich 400000 Tonnen Kohlendioxid abzuscheiden und unterirdisch zu lagern. Sinnigerweise sei für diesen Job ein Mann ausgewählt worden, der auch in Burglengenfeld schon Großes bewegt habe: Ex-Werkleiter Henrik Wesseling.

Abbaugebiet soll erneut vergrößert werden

Sodann ging es auf einen Abstecher in den Steinbruch, wo neben Reindl auch Stefan Ventur, Leiter Qualität, Rede und Antwort stand. Dabei staunten die Besucher nicht nur über die Ziegen, die gezielt für die Beweidung eingesetzt werden, sie erfuhren auch, dass sich das Unternehmen aktuell darum bemüht, die Weichen für eine Erweiterung des Abbaugebiets zu stellen. Zu gegebener Zeit werde es dazu natürlich auch Informationen an die Bevölkerung geben.

Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt auf die Plattform des 114 Meter hohen Wärmetauscherturms. Doch ehe die Besucher den grandiosen Rundum-Blick auf das abendliche Burglengenfeld genießen konnten, durften sie sich für ein paar Minuten wie im sprichwörtlichen Glutofen fühlen. Der Weg zum Lift führte nämlich zwischen Anlagen hindurch, auf deren Außenhaut noch rund 200 Grad Celsius zu messen sind. Selbst am Gipfel angekommen, war von einem frischen Lüftchen nichts zu spüren. Stattdessen sorgte aufsteigende Wärme für ein Gefühl, wie es Asphaltarbeitern und Dachdeckern im Hochsommer bekannt sein dürfte.

Es gibt bereits eine 1,6 Kilometer lange Leitung

Zurück im Empfangsraum, war eine gewisse Erschöpfung nicht zu leugnen. Eine kalte Platte und Erfrischungsgetränke sorgten für Erholung, und doch schien es kurzzeitig so, als wäre das Thema, für das BFB-Rat Hans-Edmund Glatzl die Betriebsbesichtigung angeleiert hatte, in Vergessenheit geraten – die Nutzung von Wärme für das Heizen von Häusern in Burglengenfeld.

Glatzl selbst brachte es dann aber doch zur Sprache. Eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Zementwerk wäre seinen Worten zufolge „ein Traum“. Gemeinsam ließe sich die Herausforderung meistern, immerhin verfüge das Unternehmen ja seit Jahrzehnten über Erfahrung auf dem Gebiet.

Das Zementwerk war einmal der größte Arbeitgeber Burglengenfelds. Das ist längst vorbei. Ein anderer Betrieb hat ihm den Rang abgelaufen. Lesen Sie dazu: Labor Kneißler: Wachstum nicht nur in der Petrischale

Reindl bestätigte die Existenz einer rund 1,6 Kilometer langen Leitung für genau diesen Zweck. Ihr Zustand sei gut, aktuell würden aber nur knapp 20 Häuser, die meisten werkseigene, durch sie versorgt. Reindl bestätigte auch, dass es die grundsätzliche Bereitschaft geben würde, Wärme für deutlich mehr Objekte abzugeben. Für Netze, an die mindestens 100 Wohneinheiten angeschlossen werden, gebe es sogar eine staatliche Förderung.

Ob das Projekt der Bayern-Heim und der Firma Donhauser, das unlängst im Stadtrat vorgestellt wurde, angebunden wird, scheint noch nicht festzustehen. Reindl deutete an, dass es ein Handicap geben könnte: den „zu niedrigen Energieverbrauch“. Die Häuser seien „zu gut gedämmt“. Das Bulmare lohnte es sich eher anzuschließen, meinte Reindl – wenn es nicht so weit entfernt wäre.

Heute Thema im Burglengenfelder Stadtrat

Möglichkeiten, Wärme aus dem Betrieb abzuzweigen, nannte der Werkleiter gleich mehrere. Zwei ließen sich relativ schnell realisieren, eine benötige Zeit. Für die von ihm favorisierte Lösung sei der Bau eines größeren Wärmetauschers nötig. Auch über einen Speicher gelte es nachzudenken. Finanzierbar sei das nur, wenn es Unterstützung gebe.

Umgekehrt schloss es Reindl aus, dass sich das Zementwerk am Ausbau der Leitung beteiligen würde. Auch der Vertrieb müsse von anderer Stelle übernommen werden, denn „das ist nicht unser Geschäft“.

Das Thema Fernwärme steht auch auf der Tagesordnung der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause. Beginn ist heute um 18 Uhr.