Das Burglengenfelder Zementwerk trotzt der Energiekrise

Von Thomas Rieke · 21. März 2023 um 05:00

Das Zementwerk benötigt so viel Strom wie eine Kleinstadt. Kein Wunder, dass die Energiepreise auch den Managern des Baustoffriesen Sorgen bereiten. Für deutsche Standorte wurde laut über Produktionsstopps nachgedacht. „In Burglengenfeld aber nicht“, sagt Werkleiter Bernhard Reindl.

Bekanntlich hat der Baustoffproduzent vor wenigen Jahren mehr als 100 Millionen Euro in die Hand genommen, um den Betrieb in Burglengenfeld zu modernisieren. Nicht der Ausbau der Produktionskapazitäten, sondern die Reduzierung von Emissionen sowie die Steigerung der Effizienz waren das Ziel. Vor allem Letzteres scheint sich nun früher auszuzahlen als gedacht.

Die Stromkosten seien aktuell rund dreimal so hoch als vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, berichtet Reindl. Da sei der verbesserte Wirkungsgrad der Anlagen Gold wert. Elektrische Energie werde vor allem für das Mahlen des Klinkers zu Zement und das Mahlen von Rohmaterial benötigt. Den eingangs erwähnten Vergleich mit einer Kleinstadt bestätigt der Werkleiter grundsätzlich, eine Kilowattstunden-Zahl nennt er jedoch nicht.

Auch Biomasse wird Brennstoffen beigemischt

Auch die Preise für die Materialien, die zum Befeuern des Wärmetauscherofens benötigt werden, sind seinen Worten zufolge steil nach oben geklettert.In Burglengenfeld setze das Unternehmen zwar mehr und mehr auf Sekundärbrennstoffe.Doch weil sich diese auch in anderen Branchen wachsender Beliebtheit erfreuten, hätten sich auch für sie die Ausgaben erhöht. Bei Sekundärbrennstoffen handelt es sich laut Reindl um extra aufbereitete Abfälle aus der Industrie, denen bis zu 25 Prozent Biomasse (Holzreste, Papier) beigemengt wird.

Der Braunkohleanteil am Brennstoffbedarf ist laut Reindl in Burglengenfeld auf 20 Prozent gesunken. Trotzdem seien 2022 noch immer rund 30000Tonnen Kohle benötigt worden. Die Lieferungen stammten aus dem Rheinland, also jener Region, wo Klimaaktivisten bis vor zwei Monaten gegen die Ausweitung des Kohleabbaus gekämpft haben.

Preisdruck durch die ausländische Konkurrenz

Der Einsatz von Kohle im Zementwerk soll weiter verringert werden, versichert Reindl. Ziel sei es, irgendwann komplett auf sie zu verzichten. Das Material, das in den nächsten Jahren gebraucht werde, werde eventuell aus Tschechien importiert.

Unterm Strich wirkten sich die Energiekosten auch auf die Preise des Endprodukts aus, berichtet Reindl. Doch angesichts ausländischer Konkurrenz, zum Beispiel aus Australien, könne Heidelberg-Cement in Deutschland nicht beliebig an der Schraube drehen. Der Markt sei „angespannt und hochdynamisch“. Gleichzeitig, so der Manager, mache sich bemerkbar, dass wegen hoher Materialkosten und Zinsen im privaten Bereich weniger gebaut werde. Der Zementabsatz sei um 15 Prozent gesunken.

Reindl sieht darin auch Positives. Zuletzt seien die Anlagen immer am Limit gelaufen. Etwas weniger Druck schade nicht. Die Phase könne genutzt werden, um die Prozesse zu optimieren. Außerdem sei die Nachfrage durch die Industrie und staatliche Institutionen weiter stabil.

Jedes Jahr hat das Unternehmen die Öffentlichkeit über seine Emissionen zu unterrichten. In der aktuellen Auswertung der Ergebnisse von 2022 fällt als Erstes auf, dass seltener gemessen wurde. Das Minus von zehn Prozent erklärt Reindl mit mehr Stillständen. Diese seien planmäßig gewesen, hätten aber länger als üblich gedauert. Einer habe sich von Dezember 2022 bis weit ins neue Jahr erstreckt, so dass erst Anfang März wieder hochgefahren werden konnte.

Stickstoffoxide: Ein Pumpensystem war defekt

Was die Schadstoffe angeht, so hat das Unternehmen dasQuecksilberproblem, das 2022 beunruhigte, in den Griff bekommen.Der Lieferant der Sekundärbrennstoffe achtet laut Reindl noch besser darauf, dass sein Material keine Altbatterien enthält.

Den Anstieg bei den Stickstoffoxid-Überschreitungen (36 gegenüber 19 in 2021) erklärt der Werkleiter mit einem defekten Pumpensystem. Das habe sich auch auf die Ammoniakmessungen negativ ausgewirkt. Das technische Problem sei nun aber behoben.

Zugenommen haben ferner die Überschreitungen des Kohlenstoffgrenzwerts. Ursächlich dürfte der Biomasseanteil im Brennstoff sein, den Reindl weiter anheben möchte, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Pro Tonne Zement werden beim Brand rund 600 Kilo Kohlendioxid freigesetzt.

Noch mehr interessante Zahlen

Die Bundesimmissionsschutzverordnung verpflichtet Heidelberg-Cement zur regelmäßigen Information der Öffentlichkeit. Die Auswertung der kontinuierlichen Emissionen in 2022 ist noch bis 18. April im Internet unter www.heidelbergcement.de/de/burglengenfeld abrufbar.