Irritationen um neue Heizungen für das Burglengenfelder Gymnasium und die Fronfeste

Selten hat ein Konzept so hohe Wellen geschlagen wie 2023 das Gebäudeenergiegesetz, das in seiner ursprünglichen Form das schnelle Aus für neue Öl- und Gasheizungen bedeutet hätte. Nun stellt sich heraus: Selbst die öffentliche Hand nimmt es mit der Umstellung auf Erneuerbare Energien nicht immer so genau. In Burglengenfeld wurden binnen weniger Wochen zwei Beispiele dafür bekannt.
Beispiel eins: der Erweiterungsbau für das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium. Der Schwandorfer Architekt Alfred Popp präsentierte dafür Ende September dem zuständigen Ausschuss des Landkreises drei Konzepte. Zwei sahen den Anschluss an die bestehende Gasversorgung vor, eines den Einsatz einer Wärmepumpe. Der Preisunterschied: bis zu 556 000 Euro.
Diese krasse Diskrepanz veranlasste den Planer, eine Variante ohne Wärmepumpe als sinnvollste zu bezeichnen. Den Einwand von SPD-Kreisrat Karl Bley, auf lange Sicht könne die günstige Lösung vielleicht zur teuersten werden, konterte Popp mit der Anmerkung, wie sich die Energiepreise entwickeln würden, wisse heute niemand. Und eine „Leistung auf Hellsehen“ sei in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht vorgesehen.
Schließlich schloss sich die große Mehrheit des Ausschusses der Empfehlung Popps an. Nur einer stimmte dagegen: Rudi Sommer von den Grünen.
Marmorplatten mit Heizleiter
Beispiel zwei: Die Fronfeste, die derzeit saniert wird. Das von Stadtbaumeister Franz Haneder kürzlich dem Stadtrat vorgelegte Ausschreibungsergebnis für die Elektroinstallationsarbeiten umfasst auch eine Heizung. Nein, keine Wärmepumpe, sondern 24 Marmorplatten, in die Heizleiter integriert sind, die elektrische Energie in thermische verwandeln.
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So erklärt sich auch, dass das günstigste Angebot, das abgegeben worden war, die stolze Summe von 146 000 Euro umfasst. Bei drei Gegenstimmen wurde es akzeptiert. Debatte gab es keine.
Eine strombetrieben Marmorheizung, deren Wirkungsgrad deutlich schlechter ist als der einer Wärmepumpe, für ein historisches Gemäuer aus Naturstein? Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) ist davon überzeugt, dass genau dies „die beste und vernünftigste Lösung“ ist. Das lasse sich aus den Erfahrungen ableiten, die die Stadt mit früheren Sanierungsprojekten wie dem Örtl- oder dem Wehrturm gesammelt habe.
Bürgermeister verweist auf „punktuelle Nutzung“
Außerdem verweist der Rathauschef auf die vorgesehene Nutzung der Fronfeste, die nur „punktuell“ sein werde. Mal werde für ein paar Stunden Musikunterricht erteilt, mal werde anlässlich einer Ausstellung oder für das Nachbarschaftscafé geöffnet sein. Mithin reiche es völlig aus, die Heizung zu gegebener Zeit zu aktivieren. Die Marmorplattenheizungen würden die Räume bei Bedarf schnell auf wohlige Temperaturen bringen.
Während dieser Fall relativ klar, weil auch unstrittig zu sein scheint, könnte es im beim Erweiterungsbau des Gymnasiums ein Nachspiel geben. Grünen-Kreisrat Rudi Sommer hat nämlich nachgehakt.
Der Mandatsträger aus Bruck ist enttäuscht, dass es für die Heizung der Schule keine klimafreundlichere Lösung gegeben soll. Der Beschluss verstoße mithin gegen das bayerische Klimaschutzgesetz, welches vorsieht, bis 2030 den CO2-Ausstoß um mindestens 65 Prozent zu reduzieren. Wie aber, so fragt Sommer, „soll das zu erreichen sein, wenn im Landkreis vollkommen ignorant weiterhin unökologisch gebaut und zudem die Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen geplant wird?“
In falscher Reihenfolge abgestimmt?
Damit nicht genug: Aus Sommers Sicht unterliefen zwei handwerkliche Fehler: Zum einen sei es von der Verwaltung versäumt worden, den Räten vorab umfangreichere Unterlagen bereitzustellen. Eine „vernünftige Vorbereitung“ sei daher unmöglich gewesen. Zum anderen sei über die Variante, die mit dem geringsten Aufwand verbunden sei, als erstes abgestimmt worden, über die mit der größten Tragweite gar nicht. Damit liege ein klarer Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Landkreises vor, meint Sommer.
Er informierte die Rechtsaufsicht, die bei der der Regierung der Oberpfalz angesiedelt ist. Sie solle die Abstimmung für ungültig erklären. Ferner soll sie darauf dringen, dass die Räte vor der nächsten Runde mehr Informationen an die Hand bekämen.
Das Landratsamt reagierte auf die Vorwürfe zurückhaltend. Pressesprecher Manuel Lischka erklärte: „Es ist uns bekannt, dass sich Kreisrat Sommer an die Regierung gewandt hat. Zu laufenden Verfahren äußern wir uns grundsätzlich nicht.“
