Fronfeste Burglengenfeld: Stadt opfert architektonische Besonderheit

„Sanierung des Gefängnisturms, Fronfestgasse 5 – Informationen über die Kostensteigerungen“. Diese Themenbeschreibung, die in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses auf der Agenda stand, ließ bei so manchem Beobachter die Alarmglocken schrillen. Läuft das Projekt im westlichen Teil der historischen Altstadt nun doch aus dem Ruder? Kritiker hatten dies schon lange befürchtet. Stadtbaumeister Franz Haneder konnte aber weitgehend beruhigen.
Wie berichtet, ist die Sanierung der Fronfeste seit jeher umstritten. Letztlich war es Haneder jedoch gelungen, dafür eine Mehrheit zu gewinnen. Ein wesentlicher Grund war, dass er mit einer ungewöhnlich hohen Bezuschussung locken konnte. 63Prozent der förderfähigen Kosten erhält die Stadt von verschiedenen Stellen erstattet – mehr als je zuvor.
400.000 Euro Mehrkosten – bisher
Doch seit die ersten Gewerke in Angriff genommen wurden, hat sich viel ereignet, was das Finanzierungskonzept gefährden könnte. An vorderster Stelle stehen enorme Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs sowie der Verlust von Fördermitteln für andere Projekte, was die Stadt zum Sparen zwingt.
Trotzdem ist es der Verwaltung bei dem Projekt offenbar gelungen, auf Kurs zu bleiben. Haneder bezifferte die Gesamtkosten, die bisher beantragt worden seien, auf 1,811 Millionen Euro, was gegenüber der Berechnung von 2018 einem Plus von 22 Prozent oder 401.712 Euro entspricht. Das sei in Anbetracht des Klimas, das allgemein in der Branche geherrscht habe, eine vergleichsweise milde Verteuerung. Außerdem dürfe die Stadt damit rechnen, dass die Förderung – anders als beim Schulerweiterungsbau – entsprechend angepasst werde.
Abstriche bei Gestaltung, die Widerspruch auslösen
Die Kostensteigerungen beziehen sich nur auf die Maßnahmen bis einschließlich 2023, betonte Haneder. Welche bis zur Fertigstellung in 2025 noch hinzukommen, ließe sich derzeit nicht sagen. Doch die Stadt sei bemüht, die Ausgaben durch Abweichungen von den Plänen zu drosseln. Verzichtet werde auf die kunstvolle Vergitterung der südlichen Giebelfassade sowie auf die Einfriedung im Vorgarten. Damit komme man auch einem Wunsch der Regierung der Oberpfalz als wichtigstem Zuschussgeber entgegen.
Zuletzt hatte die MZ in Sachen Fronfeste vor rund einem Jahr ausführlicher Zwischenbilanz gezogen. Lesen Sie dazu auch: Fronfeste Burglengenfeld: Alles läuft nach Plan – fast
Prompt meldete sich dazu SPD-Stadtrat Michael Hitzek zu Wort. Er fragte: „Wir verzichten also auf genau das, was ursprünglich als architektonisches Highlight gepriesen worden war?“ Haneder erklärte, das Gebäude werde auch ohne Vergitterung eindrucksvoll genug aussehen. Aber wenn der Rat an dem Detail unbedingt festhalten wolle, werde man es wieder ins Programm aufnehmen. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sprach von einem „Nice- to-have“-Element. Notwendig sei es nicht.
Laut Haneder bereitet die Verwaltung nun die Ausschreibung der nächsten Gewerke vor. 2024 würden die neuen Fenster gesetzt, dann folgten die Haustechnik und der Innenputz. Erst zum Schluss werde das Gebäude nach historischem Vorbild außen verputzt. Weil die Fertigstellung in 2025 liege, habe man das Baugerüst vorübergehend entfernt. So spare sich die Stadt zigtausende von Euro.
CSU-Rat hofft auf Senkung der Preise am Bau
Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, gab zu verstehen, dass er die Maßnahme am liebsten noch weiter strecken würde. Denn die Baukosten würden sicher deutlich fallen. Daher solle die Verwaltung „nichts übers Knie brechen“. Gesche erwiderte, theoretisch wäre es zwar möglich, langsamer vorzugehen, ohne Zuschüsse zu riskieren. Dem Spareffekt beim Material stünden aber vermutlich Lohnsteigerungen gegenüber.
Die Sanierung des historischen Gebäudes war von Anfang an umstritten. Kritische Stimmen gibt es dazu bis heute. MZ-Redakteur Thomas Rieke vertritt die Ansicht, dass die Stadt für das Projekt mehr Lob als Tadel verdient. Lesen Sie dazu seinen Kommentar.
Genutzt werden soll die Fronfeste auf vielfältige Weise, zum Beispiel als Reparaturcafé oder für Musikunterricht. Auch eine Art Mini-Museum ist vorgesehen, um an den Widerstand gegen die WAA zu erinnern. In den eingangs erwähnten Gesamtkosten sind bereits knapp 50000 Euro für die Ausstattung enthalten.
