Klimaschutz: Verzweiflung von Wissenschaftlern trieb Burglengenfelderin zum ersten Roman

Von Thomas Rieke · 6. Oktober 2024 um 19:00

Klimawissenschaftler haben es schwer: Zwar wissen sie, wie der Klimawandel noch gebremst werden könnte. Doch müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass eher immer weniger denn mehr Menschen bereit sind, auf ihre Vorschläge einzugehen. Das soll so manche Koryphäe in die Depression getrieben haben. Eine Burglengenfelderin hat den Konflikt zum Thema ihres ersten Romans gemacht.

Die Rede ist von Melanie Glötzl. Die 41-Jährige ist nicht nur zweifache Mutter, sondern auch Diplom-Geografin. Als solche ist sie seit einiger Zeit bei der Regierung der Oberpfalz beschäftigt. Im Sachgebiet für Landes- und Regionalplanung arbeitet sie mit einer Reihe von Kollegen aktuell an der Ermittlung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen in der Region – steckt also mitten drin in einem Thema, das für die Energiewende elementar ist.

Die Aufgabe beschreibt Glötzl als ebenso anstrengend wie sinnstiftend. Einerseits sei sie immer wieder mit Enttäuschungen verbunden, andererseits sei nicht daran zu rütteln, „dass der Job gemacht werden muss“. Außerdem sei er ja nicht schlecht bezahlt, merkt sie augenzwinkernd an. Resümee: Jammern sei unangebracht, Rückschläge müsse man aushalten.

Das Thema fesselte sie

Gleichwohl hat Melanie Glötzl ein Feature in der Zeit, in dem es um das eingangs skizzierte Dilemma geht, tief berührt: Viele Wissenschaftler werben seit Jahren mit zunehmender Verzweiflung für mehr Klimaschutz. Aus verschiedenen Gründen, deren Erörterung den Rahmen hier sprengen würde, ziehen aber zu wenig Menschen mit.

Zwar wird der Klimawandel an sich von den wenigsten Zeitgenossen geleugnet, aber in vielen scheint sich die Haltung zu manifestieren, wonach ihr persönliches Verhalten oder auch der Kurs eines einzelnen Landes irrelevant sei. Was bleibt dem Wissenschaftler, der die wachsende Zahl von Katastrophen eben dem Klimawandel zuschreibt? Laut Reportage droht er zu zerbrechen. Manch einer soll sich keinen anderen Ausweg als den Suizid gewusst haben.

Mit einer wahnwitzigen Idee zum Erfolg?

Melanie Glötzl empfindet die Situation zwar (noch) nicht als so unerträglich, aber das Thema hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Zur inneren Bewältigung sie für sich einen eigenen Weg gefunden: Sie hat ein Buch geschrieben. Es heißt Spacecycling und handelt von vier jungen Klimaschützern, die, jeder für sich, einen Weg aus der Verzweiflung suchen. Einer wählt den Gang ins Rampenlicht und setzt alles auf ein wahnwitziges Projekt: eine Rakete, gebaut aus recycelbarem Material...

Bereits vor vier Jahren, so berichtet Glötzl, hatte sie die Idee zu dieser Geschichte. Zwei Jahre arbeitete sie neben dem Hauptberuf an der Umsetzung. Immer wenn sie Zeit und Muße fand, setzte sie sich an den Laptop und fügte ihrem Werk wieder ein paar Absätze hinzu. Unterm Strich wurden es 378 Seiten.

Als E-Book, aber auch als Taschenbuch zu haben

Der Erste, der das Werk gelesen hat, war nicht etwa Glötzls Mann Gregor (bekannt als BWG-Stadtrat), sondern die Mutter der Autorin. Sie war von dem Roman so angetan, dass sie ihre Tochter ermunterte, ihn unbedingt zu veröffentlichen. Tatsächlich hat Melanie Glötzl daraufhin mehrere größere Verlage angeschrieben; Interesse bekundete letztlich nur United p.c., ein Verlag, der ein Konzept für Selfpublisher entwickelt hat, um Bücher kostenlos, schnell und einfach veröffentlichen zu können. Seit kurzem ist Spacecycling als e-Book abrufbar, aber es wurden auch 2000 Exemplare im klassischen Taschenbuchformat gedruckt.

Melanie Glötzl ist eine gebürtige Maxhütterin. Das heißt, im Ortsteil Rappenbügl ging sie in die Grundschule, um dann in Burglengenfeld das Abitur zu machen. Das Thema Umwelt hatte in ihrer Familie schon immer einen hohen Stellenwert. Selbstverständlich unterstützten Melanies Eltern den Widerstand gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage für Kernbrennstäbe (WAA); Melanie war damals vier Jahre alt.

Auch Tschernobyl prägte sie

Auch Tschernobyl fiel in die frühe Kindheit der heute 42-Jährigen. Sie wunderte sich damals, „wie der Mensch so unvernünftig sein kann, auf eine Technik zu setzen, die offensichtlich nicht völlig zu beherrschen ist und im Unglücksfall solch katastrophale Folgen haben kann“.

Nach dem Abitur absolvierte Glötzl ein freiwilliges ökologisches Jahr, in dem es um den Umbau des Waldes ging, um ihn für die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Und genau vor 20 Jahren begann Glötzl in Regensburg ein Geographie-Studium. Ausschlaggebend war, dass die Fakultät die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt ins Zentrum gerückt hatte. Doch als der Lehrstuhl geschlossen wurde, sah sich Glötzl zum Wechsel gezwungen. Die Wahl fiel auf die Uni Bamberg, wo sie auch ihre Diplomprüfung ablegte.

Von Straubing nach Regensburg

Ihre erste feste Anstellung fand Melanie Glötzl im Centralen Agrar-Rohstoff-, Marketing- und Energie-Netzwerk C.A.R.M.E.N in Straubing. Rund zehn Jahre war sie dort für die Beratung von Landwirten und Kommunen in Sachen Biogas und Wärmenetze zuständig. Die Arbeit bereitete ihr Freude, auch wenn die Stelle doch 80 Kilometer von der Heimat entfernt war. Der Job-Wechsel nach Regensburg brachte neben neuen Aufgaben den Vorteil, dem Städtedreieck wieder näher zu sein.

Mit Spacecycling hat sich Melanie Glötzl nicht nur als Buchautorin versucht, sondern auch ein Ventil verschafft. Die Kernbotschaft ist: Lass dich von Rückschlägen nie unterkriegen, bleibe mutig. Angst zu haben, bringt nichts, weiß Glötzl, denn Angst nimmt nicht nur Lebensfreude, sondern lähmt. Manchmal, so das Gefühl der 42-Jährigen, sei im Lande auch die Neigung zum Perfektionismus dabei hinderlich, Ziele zu erreichen. Manches Scheitern habe möglicherweise genau im Streben, alles besonders gut zu machen, seine Ursache.