Stadt Burglengenfeld verlegt Standort für neue Kita – Anlieger finden das gar nicht gut

Seit Jahren warten Burglengenfelder Eltern, aber auch Beschäftigte der Johanniter sehnsüchtig darauf, dass das Kinderhaus in der Ludwig-Erhard-Straße durch einen Neubau ersetzt wird. Jetzt hat sich die Stadt angeschickt, die Weichen dafür zu stellen – doch schon gibt es Widerspruch.
Zur Erinnerung: Als der Bebauungsplan für den Hussitenweg IV erstellt wurde, war in dem rund 106 000 Quadratmeter großen Geltungsbereich von vornherein eine Betreuungseinrichtung für Kinder vorgesehen. Im südöstlichen Teil des Areals wurde dafür eine 3666 Quadratmeter große Fläche reserviert. Sie liegt an der Marie-Juchacz-Straße, unweit der Ortsumfahrung.
Bald wuchsen im Hussitenweg IV die ersten Wohngebäude aus dem Boden, doch für das Kinderhaus wählte die Stadt eine Übergangslösung: In der Ludwig-Erhard-Straße entstand eine Einrichtung in Modulbauweise, von manchen Bürgern auch Containerburg genannt. In ihr gibt es jeweils zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen. Als Betreiber konnten die Johanniter verpflichtet werden.
Jahrelang tat sich dann zunächst einmal nichts, bis heuer im Sommer entschieden wurde, gleich zwei Kindertagesstätten zu bauen: Zum einen einen Ersatzbau für den in die Jahre gekommenen Don-Bosco-Kindergarten an der Kallmünzer Straße, zum anderen für die Container in der Ludwig-Erhard-Straße. In beiden Fällen soll die Stadtbau als Bauherr agieren.
Stadtbau: Mehr Spielraum ist nötig
Doch hinter den Kulissen liefen Gespräche, die die Situation für den Hussitenweg spürbar verändert haben: Statt an der Marie-Juchacz-Straße soll die neue Kita nun südlich des Regenrückhaltebeckens an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße entstehen. Dort, so heißt es, werde der Bring- und Holverkehr weniger Probleme verursachen. Außerdem biete das Grundstück deutlich mehr Spielraum, was nötig sei, denn auch die Kita werde nun größer konzipiert als ursprünglich gedacht. Laut Bedarfsplan soll sie nun sechs Gruppen statt vier beherbergen.
Kürzlich sorgte ein anderes Baugebiet für eine Schlagzeile: Straßäcker II in Dietldorf. Die Stadtbau starteten Anfang August die Vermarktung. Diese verlief bisher offenbar nicht ganz so, wie gewünscht. Denn die Frist wurde bis Ende Oktober verlängert. Mehr dazu lesen Sie hier.
Doch die Änderungsabsichten finden nicht alle Bewohner des Hussitenwegs toll. 16 Anlieger der Helmut-Schmidt- und der Willy-Brandt-Straße wandten sich mit einer Stellungnahme an Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sowie die Mitglieder des Stadtrats und des Aufsichtsrats der Stadtbau. Darin erklären sie, dass sie der Kurswechsel für die Kita überrascht habe – und dass sie damit nicht einverstanden seien.
Denn: Zumindest ein Teil der Anlieger habe bei der Auswahl der Grundstücke auf eine gewisse Distanz zum geplanten Kinderhaus geachtet. Besonders sensible Bauherrn hätten dadurch gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den zu erwartenden Kinderlärm ausschließen wollen. Mit der getroffenen Entscheidung habe man sich auf der sicheren Seite gewähnt, denn auf die Festsetzungen eines Bebauungsplan müsse man sich doch verlassen können.
Kindergarten als Risiko für Gesundheit?
Nun aber, so die Anlieger weiter, sei alles anders: Plötzlich müsse man damit rechnen, den Kindergarten „direkt vor die Nase“ gesetzt zu bekommen. Das erfülle die Lärmempfindlichen nicht nur mit Sorge um ihre Gesundheit, sondern lasse auch eine Minderung des Verkehrswerts der angrenzenden Immobilien befürchten. Letztere stellten für die Betroffenen ein „finanzielles Lebenswerk“ dar.
Die Unterzeichner der Stellungnahme bitten die Mandatsträger, die Bedenken in ihre weiteren Entscheidungen einfließen zu lassen. Man sei nicht nur für ein Gespräch offen, sondern wolle auch konstruktive Vorschläge zur Lösung des Problems liefern.
Im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss, der am Mittwoch tagte, zeigte Bürgermeister Gesche nur bedingt Verständnis für die Einwände – und verteidigte die Umplanung.
So argumentiert der Bürgermeister
Der Vorschlag, den Standort zu wechseln und die Kita nun an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße zu bauen, sei unter anderem aus verkehrstechnischen Gründen vernünftig, sagte er. Außerdem sei das Gebäude nie konkreter Gegenstand des Bauungsplans Hussitenweg IV gewesen. Daher hätten die Grundstückskäufer auch nie fest davon ausgehen können, dass die Kita auf der markierten Fläche errichtet werde.
Auf Anfrage der MZ hatte das Stadtoberhaupt vorab erklärt, es sei ein grundlegender Irrtum, wenn der Eindruck entstanden sei, dass die Kommune den Bebauungsplan Hussitenweg IV ändern wolle. Das sei nicht der Fall, vielmehr habe man die Absicht, einen weiteren Bebauungsplan aufzustellen, genannt „Sondergebiet Gemeindebedarfsfläche – soziale Zwecke Kindertagesstätte Hasellohe“. Diskussion gab es dazu im Ausschuss keine. Die Mandatsträger billigten einstimmig den Beschlussvorschlag der Verwaltung.
Ebenso einstimmig beschlossen sie, dass auch für das zweite geplante Kinderhaus am westlichen Ortseingang ein qualifizierter Bebauungsplan aufgestellt werden soll . Er trägt den Titel „Sondergebiet Gemeindebedarfsfläche – soziale Zwecke Kindertagesstätte Ausblick Königsbergweg – BA I“.
Ist der Pfarrer der Stadtkirche nun glücklich?
In beiden Fällen ist die Stadtbau optimistisch, dass die Grundstücksverhandlungen alsbald erfolgreich abgeschlossen werden können. Das weitere Vorgehen sieht für beide Projekte eine Beteiligung der Öffentlichkeit vor.
Hinsichtlich des Ersatzbaus für den Don-Bosco-Kindergarten, erkundigte sich CSU-Rat Thomas Hofmann, ob der Pfarrer der katholischen Stadtkirche, Michael Hirmer, nun „glücklich und zufrieden“ sei. Gesche antwortete, er stehe mit ihm in ständigem Austausch, Hirmer sei mit der Planung einverstanden.