Grundstücke in Dietldorf: Stadtbau startet nach Flop in die Vermarktung, hält aber Teil zurück

Stell dir vor, es gibt Baugrundstücke und kaum einer will sie haben. – Unsinn? Nicht ganz. Am Baugebiet Straßäcker II in Dietldorf ist zu sehen, dass die Vermarktung von Parzellen derzeit durchaus eine Herausforderung sein kann. Die Stadtbau GmbH hat Anfang dieses Monats für einen Teil des Gebiets ein Bieterverfahren eröffnet.
Doch der Reihe nach: Dietldorf hat zwar nur ein paar Hundert Einwohner, nimmt aber unter den rund 50 Ortsteilen der Stadt eine Sonderstellung ein. Das liegt nicht nur an der wunderbaren Natur außen herum und auch nicht nur an prägenden Gebäuden wie dem Schloss oder der Kirche St. Pankratius. Es liegt auch an einer Metzgerei, die berühmt ist für ihre Würste und an den Dorfbewohnern selbst. Erst heuer, beim Jubiläum der Feuerwehr, bewiesen sie wieder eindrucksvoll, wie sehr sie sich mit ihrem Heimatort insgesamt identifizieren.
In Burglengenfeld wird trotz Krise an verschiedenen Stellen gebaut. In der Johann-Sebastian-Bach-Straße wurde beispielsweise erst kürzlich ein Projekt in Angriff genommen, das von Anfang an umstritten war. Mehr dazu lesen Sie hier.
Kurzum: Der Dietldorfer ist stolz, ein Dietldorfer zu sein, und daher wurde vor wenigen Jahren der Wunsch geäußert, wieder ein Baugebiet auszuweisen. Insbesondere der jüngeren Generation unter den Einheimischen sollte damit die Chance eröffnet werden, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.
Und so fasste der Stadtrat Ende 2020 den Beschluss, für ein rund 5600 Quadratmeter großes Areal, das im Osten des Dorfes direkt an ein Wohnviertel anschließt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Er sollte neun Parzellen vorsehen. Das Prozedere lief weitgehend störungsfrei. Im Februar vergangenen Jahres begannen die Erschließungsarbeiten.
Nachfrage im Dorf hat wegen hoher Zinsen nachgelassen
Doch wer nun glaubte, spätestens im Frühjahr 2024 würden die ersten Gruben ausgehoben werden, irrt. Kein einziger Spatenstich wurde bisher gesetzt.
Stadtwerke-Vorstand und Stadtbau-Geschäftsführer Johannes Ortner erklärte dazu auf Anfrage, dass für die Vermarktung ein zweigleisiger Weg beschritten werde. Zunächst habe man versucht, den Bedürfnissen der Dietldorfer gerecht zu werden und drei Parzellen im klassischen Einheimischenmodell an den Mann zu bringen. Wegen aktuell hoher Zinsen für Kredite und der Baukosten habe sich die Zahl der Bewerber allerdings, trotz vergünstigter Konditionen, sehr in Grenzen gehalten – und die habe man nicht berücksichtigen können. Sie hätten die Vergabe-Kriterien nicht erfüllt, auf die die Europäische Union großen Einfluss habe. Diese sehe die Bevorzugung von Einheimischen nämlich sehr kritisch.
Drei Parzellen werden zurückgehalten
Deshalb hat sich die Stadtbau laut Ortner entschlossen, drei Grundstücke vorerst zurückzuhalten, bis die Nachfrage wieder steigt. Für das Gros des Baugebiets fiel aber Anfang August der Startschuss für den Verkauf an Jedermann.
Ausgeschrieben sind bis einschließlich 30. September sechs Grundstücke mit einer Größe zwischen 422 und 740Quadratmetern. Ausgehend von einem Quadratmeterpreis von rund 210Euro, wurde für jede Parzelle ein Mindestgebot errechnet. Eine der größeren Flächen wäre demnach für circa 150000Euro zu haben – aber nur theoretisch. Den Zuschlag erhält, der Höchstbietende.
Stadtbauchef bleibt optimistisch, dass Rechnung aufgeht
Der Käufer verpflichtet sich, es binnen viereinhalb Jahren nach Unterzeichnung des notariellen Vertrags zu bebauen. Für jede einzelne Parzelle wurde ein Exposé erstellt, das auf der städtischen Homepage abgerufen werden kann.
Mit dem Erwerb des Areals und der Erschließung ist die Stadtbau erheblich in Vorausleistung gegangen. Kann sie es sich angesichts dessen überhaupt erlauben, drei Grundstück bis auf Weiteres zurückzuhalten? Geschäftsführer Ortner betrachtet die Angelegenheit entspannt. Seinen Angaben zufolge konnte die Erschließung konjunkturbedingt relativ günstig realisiert werden. Und die Verkaufspreise seien natürlich so kalkuliert, dass die Rechnung für die Stadtbau auf jeden Fall aufgehen werde. Allerdings, so räumte Ortner ein, könnte es sein, dass das Projekt erst mit Abgabe der achten Parzelle rentierlich wird.
Stadtrat des Bürgerforums war von Beginn an skeptisch
Stadtrat Hans-Edmund Glatzl (Bürgerforum) sieht sich damit in seiner bereits 2021 getroffenen Einschätzung bestätigt, dass es mit der Baugebietsausweisung in Dietldorf kaum gelinge werde, nennenswerten Gewinn zu erwirtschaften. Genau das aber sollte nach seiner Auffassung das vorrangige Ziel des städtischen Tochterunternehmens sein. Denn nur so könnten neue ehrgeizige Projekte in Angriff genommen und die Kommune gegebenenfalls unterstützt werden.
Angesichts solcher Thesen kann sich Ortner eine launige Bemerkung nicht verkneifen: „Heißen wir Geldbeschaffungs-GmbH?“ Kernaufgabe der Stadtbau sei es, Bauland bereitzustellen und dabei mindestens auskömmlich zu wirtschaften, klärt Ortner auf. Beide Kriterien würden auch im Falle Dietldorf klar erfüllt.