Investor setzt in Burglengenfeld auf altes Konzept – und lässt Klage der Stadt ins Leere laufen

Nach längerer Funkstille gibt es interessante, ja entscheidende Neuigkeiten zu einem umstrittenen Vorhaben in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 1 in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf: Der Bauträger Oktagon hat losgelegt. Umgesetzt werden soll dem Vernehmen nach ein Konzept, das bereits 2018 genehmigt worden ist. Es sieht zwei Mehrfamilienhäuser mit 24 Einheiten vor.
Wie berichtet, wechselte das rund 3650 Quadratmeter große Grundstück im Stadtteil Wölland, das ursprünglich nur mit einem Siedlerhäuschen bebaut war, vor knapp zehn Jahren den Besitzer. Ein Investor aus der Marktgemeinde Bruck wollte es mit dem oben genannten Konzept nachverdichten, stieß aber von Anfang an auf Widerstand aus der Nachbarschaft.
Diverse Anleger vertreten bis heute die Auffassung, dass sich das Vorhaben so gar nicht in die Umgebung einfügt. Dem schloss sich auch die Mehrheit des Stadtrats an, obwohl die Bauverwaltung mehrfach betonte, sie sehe keinen Grund, das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern.
Nachverdichtung wird in Burglengenfeld seit Jahren kontrovers diskutiert. Mal wird sie vom Stadtrat ausdrücklich begrüßt, mal entschieden abgelehnt. Zu einem Spezialfall entwickelte sich ein Projekt am Krankenhausberg. Einen Text dazu finden Sie hier.
Dieses wurde letztlich im August 2018 vom Landratsamt ersetzt. Eine Nachbarin, die dagegen geklagt hatte, zog auch in zweiter Instanz den Kürzeren. Trotzdem hatte der Grundeigentümer offenbar die Lust an dem Projekt verloren, denn er veräußerte das Areal samt Baugenehmigung weiter. Ende 2020 übernahm die noch junge Oktagon Immobilien-GmbH, die ihren Sitz in Regensburg hat, deren Geschäftsführer aber aus dem Städtedreieck stammt.
Noch deutlich draufgesattelt, aber mit Tiefgarage
Der Firmenchef, der anonym bleiben möchte, legte im April 2021 neue Pläne vor: Nun sollten drei Blöcke mit über 30Einheiten entstehen. Die Autos der Bewohner sollten aber, anders als im ursprünglichen Plan, vorwiegend in einer Tiefgarage verschwinden, und auch die Firsthöhe der Gebäude wurde zurückgenommen.
Durch die Anordnung der Baukörper würde die Nachbarschaft bestmöglich geschützt, erklärte ein Architekt. Mit begrünten Flachdächern, Photovoltaik und Beheizung durch eine Wärmepumpe wolle man auch in punkto Umweltschutz und Nachhaltigkeit punkten.
Mandatsträger ließen sich nicht erweichen
Bei den Stadträten schien das Eis gebrochen zu sein. Mehrere Mandatsträger verschiedener Fraktionen lobten die Ideen vom Grundsatz her – schreckten am Ende aber doch vor einer Zustimmung zurück. Ende 2022 machte das Landratamt wahr, was es Monate zuvor angekündigt hatte: Es setzte sich erneut über die Entscheidung des Stadtrats hinweg. Der Burglengenfelder Widerstand war damit allerdings noch immer nicht gebrochen. Der Stadtrat erteilte der Verwaltung den Auftrag, die Genehmigung anzufechten. Das Verwaltungsgericht (VG) hat bis heute keine Entscheidung getroffen.
Die Oktagon Immobilien-GmbH hat nun vor rund zwei Wochen indirekt signalisiert, dass sie des Wartens Leid ist. Am 15. Juli rückten Maschinen an, um die Zufahrt zum Grundstück zu verbreitern, und auch eine erste Bodenplatte ist schon betoniert. Dem Vernehmen nach soll nun das ursprüngliche Konzept ohne Tiefgarage realisiert werden.
Klage verlängerte Laufzeit der Genehmigung
CSU-Rat Thomas Hofmann kommentierte dies in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses so: „Wir haben offenbar einen Fehler gemacht – und gegen die falsche Genehmigung geklagt.“ Der geschäftsleitende Beamte, Gerhard Schneeberger, widersprach nicht und erklärte, der Bauträger habe jetzt wohl losgelegt, weil er die Gefahr gesehen habe, dass die ursprüngliche Genehmigung bald ihre Gültigkeit verloren hätte. Nach MZ-Informationen wäre sie normalerweise nach vier Jahren, also bereits im August 2022 erloschen. Die Klage führte aber zu einer Fristverlängerung bis August 2024.
Was die noch anhängige Klage gegen die zweite Genehmigung betrifft, so hält es Schneeberger für denkbar, dass die Stadt demnächst vom VG Regensburg gefragt wird, ob sie angesichts der Entwicklung nicht lieber einen Rückzieher macht.
Wird im Hintergrund schon an Planänderung gefeilt?
Sollte der Rat aber weiter auf ein Urteil bestehen und unterliegen, so ist nach Recherchen der MZ nicht davon auszugehen, dass der Bauträger sein Konzept automatisch nachträglich verdichten darf. Landratsamtssprecher Manuel Lischka erklärte, die Gebäude, die jetzt zur Ausführung kämen, seien anders angeordnet, als die im jüngeren Plan. Somit wäre es „nicht einfach möglich“, ein drittes Haus dazuzubauen. Schneeberger wiederum deutete im Ausschuss an, es könnte bereits eine Tektur, also eine nachträgliche Änderung der Pläne, im Busch sein.
Der Bauträger hält sein Konzept für vorbildlich
Der Geschäftsführer von Oktagon wollte dies weder bestätigen, noch dementieren. Im Gespräch mit der MZ brachte er aber sein Unverständnis für das Verhalten der Anlieger zum Ausdruck. Fakt sei, dass Oktagon kein fragwürdiges Ziel verfolge, sondern, ganz im Gegenteil, nach Empfehlungen der höheren Politik handle: Man schaffe Wohnraum, ohne dass dafür neues Bauland ausgewiesen werden müsse. Man setze also auf Nachverdichtung und biete Menschen, denen das Hausbauen zu teuer geworden sei, die Chance, immerhin eine Eigentumswohnung zu erwerben.
Art und Umfang der Bebauung, so der Unternehmer weiter, richteten sich unter anderem nach der Grundstücksgröße. Diesbezüglich würden alle Vorschriften eingehalten. Die Fachstellen hätten sogar, um im Umfeld Akzeptanz herzustellen, am Konzept mitgefeilt. Die Stadträte aber hätten sich trotzdem von Kritikern zu sehr unter Druck setzen lassen. So sei die groteske Situation entstanden, dass letztlich gegen eine Empfehlung der eigenen Verwaltung geklagt werde.
Die Nachbarn der Johann-Sebastian-Bach-Straße1 müssten eine Änderung ihres gewohnten Umfelds hinnehmen, meint der Unternehmer. Angst davor sei aber übertrieben. Es entstünden keine unzumutbaren Verhältnisse, im Gegenteil, gebaut werde eine hochwertige Anlage, in die viele nette Leute einziehen würden.
