Don-Bosco-Kindergarten Burglengenfeld: Stadtrat fällt wegweisende Beschlüsse für den Ersatzbau

Wo und von wem sollte der Ersatzbau für den in die Jahre gekommenen Don-Bosco-Kindergarten an der Kallmünzer Straße errichtet werden? Monatelang haben diese Fragen nicht nur die Stadträte umgetrieben. In ihrer Sitzung am Mittwoch (3. Juli) wurden vor rund 30Zuhörern überraschend neue Vorschläge präsentiert – und nach relativ kurzer Debatte fast einstimmig beschlossen.
Wie berichtet, hatte Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) Mitte April mit dem Bauausschuss eine Exkursion unternommen, um in der Vorstadt zwei Standorte zur Diskussion zu stellen: ein Grundstück auf der Köblitzplatte und eines in der Schmidmühlener Straße, unweit der Zementfabrik.
Beide Varianten wurden grundsätzlich für geeignet erklärt, auf eine festlegen wollte man sich nicht. Unterschiedlicher Meinung war man auch darüber, ob die Betreuungsstätte, welche drei Kindergarten-, zwei Krippen- sowie eine Flexgruppe beherbergen soll, von einem privaten Investor zu erstellen sei oder nicht. Manche sahen dies als praktische Lösung, andere lehnten sie kategorisch ab. Denn die Schaffung von Kita-Plätzen sei Pflichtaufgabe der Kommune.
Intensive Verhandlungen hinter den Kulissen
In den folgenden Wochen muss hinter den Kulissen viel debattiert und verhandelt worden sein. Nur so ist zu erklären, dass jetzt völlig neue Ideen aufgetischt wurden, die nach Informationen der MZ auch den Gefallen der katholischen Stadtkirche Burglengenfeld finden (siehe letzten Absatz dieses Textes!).
Als klarer Standort-Favorit gilt nun eine Fläche am Kreuzberg, also am westlichen Ortseingang, im unmittelbaren Anschluss an die Wohnbebauung – und, wie der bisherige Kindergarten, ebenfalls an der Kallmünzer Straße gelegen.
Im Burglengenfelder Stadtrat ist meist für interessante Debatten gesorgt. Ein spannendes Thema folgt dem nächsten. Kürzlich ging es beispielsweise um eine Investition, die deutschlandweit bisher einmalig sein dürfte: ein Batteriespeicherwerk, kombiniert mit Freizeiteinrichtungen.
Vor Jahren schon hatte ein Projektentwickler darauf gedrängt, hier ein weiteres Baugebiet auszuweisen. Wegen der Nähe zum damals noch existierenden Hansa-Werk war das Verfahren gestoppt worden. Mit dem Aus des Industriebetriebs ist das Risiko zu hoher Emissionen verschwunden, so dass jetzt auch ein Kindergarten genehmigungsfähig erscheint. Die Chance, den benötigten Teil der Flurnummer 1875 zu erwerben, soll groß sein, heißt es.
Es gibt vorsorglich auch einen Plan B
Sollten die Verhandlungen wider Erwarten scheitern, gibt es einen Plan B. Das alternative Grundstück befände sich im Gewerbegebiet Am Brunnfeld, wenige Meter vom Bauhof und dem Labor Kneißler entfernt. Wegen der Nähe zu wichtigen Arbeitgebern soll diese Parzelle noch vor zehn Tagen als Vorzugsvariante gegolten haben. Nach einer fraktionsübergreifenden Besprechung änderte sich das.
Was den Bauherrn betrifft, so ist der private Investor, der angeblich schon in den Startlöchern saß, aus dem Rennen. Die Stadtbau GmbH, die im Hussitenweg die Folgeeinrichtung für das Johanniter-Kinderhaus erstellen wird, ist nun auch für den Ersatzbau des Don-Bosco-Kindergartens der Favorit.
Langfristig soll sich Investition für Stadtbau rechnen
Bei der Finanzierung darf das städtische Tochterunternehmen nicht nur mit einer staatlichen Finanzspritze von 70 Prozent der förderfähigen Kosten rechnen. Auch die Kommune müsste sich beteiligen. Die Stadtbau soll das Gebäude am Kreuzberg planen und errichten und dann an einen kirchlichen Träger, dem Vernehmen nach eine Gesellschaft der Caritas, vermieten, so dass sich das Modell auf lange Sicht für den Investor rechnen dürfte.
Wenn der neue Kindergarten eingeweiht wird, ist Bürgermeister Thomas Gesche nicht mehr im Amt. Vor wenigen Wochen erklärte er seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur. Den Text dazu lesen Sie hier.
Die Vergabe hängt freilich von einer Bedingung ab und wurde deshalb noch nicht beschlossen: Zuvor müssen die Grundstücksverhandlungen erfolgreich zu Ende geführt werden. Denn erst wenn ein Investor rechtlichen Zugriff auf das Grundstück hat, kann der Auftrag ohne vorherige öffentliche Ausschreibung erteilt werden, heißt es in den Unterlagen der Verwaltung.
Bürgermeister Gesche erklärte, weshalb nun plötzlich das Grundstück am Kreuzberg die bevorzugte Lösung darstellt: Ein wesentlicher Punkt sei die „Beziehung zu den Wohngebieten“. Ferner gebe es große Planungssicherheit für die Stadt, aber auch für die Kirche und ihre Beschäftigten sowie die Eltern, die ihre Kinder betreuen lassen. Ein nahtloser Übergang von der alten in die neue Einrichtung sei das große Ziel.
Seltene Einigkeit zwischen den meisten Fraktionen
Die Sprecher fast aller Fraktionen waren sich einig wie selten, dass der Beschlussvorschlag zu begrüßen sei. CSU-Fraktionschef Michael Schaller und 3.Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) betonten in diesem Zusammenhang auch, wie wichtig es ihnen sei, dass die Kirche als Träger erhalten bleibe.
BWG-Sprecher Gregor Glötzl sagte, er sei glücklich, dass als Bauherr die Stadtbau zum Zuge komme. Andererseits warnte er davor, mit der Errichtung eines Kinderhauses am Kreuzberg den Startschuss für noch mehr Bebauung an diesem Standort zu geben.
Glatzl (BFB) glaubt nicht an schnellen Fortschritt
Einzig Hans-Edmund Glatzl (BFB) äußerte sich grundsätzlich skeptisch. Ihm war der Sinneswandel „weg von der Vorstadt“ und „Nein zum privaten Investor“ zu schnell gegangen. Das nun ins Auge gefasste Areal sei für ein Kinderhaus viel zu groß. Insofern stelle sich die Frage, „wer das alles bezahlt“. Auch bezweifelte er, ob das Projekt am favorisierten Platz wirklich so schnell errichtet werden kann, wie es sich die Mehrheit wünschte.
Gesche erwiderte, wesentliche Punkte wie die Erschließung seien bereits geklärt. Er gehe fest davon aus, dass das neue Kinderhaus in vier Jahren in Betrieb gehen könne. Glatzls Konter „Dein Wort in Gottes Ohr!“ löste allgemeine Heiterkeit aus.
Das sagt Pfarrer Hirmer zu der Entwicklung
Seit über einem Jahr hat Stadtpfarrer Michael Hirmer nach eigener Aussage mit der Stadt und anderen Partnern Gespräche geführt, um den Fortbestand des Kindergartens Don Bosco und dessen Erweiterung um zwei Krippengruppen zu ermöglichen. Welche Bedeutung das habe, sei in der starken Präsenz engagierter Angehöriger der katholischen Stadtkirche in der Ratssitzung am Mittwoch zu sehen gewesen. Rund 30Mitglieder waren erschienen.
Auch die Beiträge der Räte, die betonten, wie wichtig ihnen die Zukunft katholischer Kinderbetreuung für Burglengenfeld sei, sind für Hirmer Bestätigung. Im Blick auf die Kinder, das Personal und den Elternbeirat hofft er nun, „dass den Worten bald auch Taten folgen werden“.
Vom nun priorisierten Standort ist der Pfarrer überzeugt, auch wenn er davon überrascht wurde. Er sei „sehr kurzfristig kommuniziert worden“. Die nun beschlossenen Kitas werden laut Hirmer durch Tauschgeschäfte mit Kirchengrundstücken ermöglicht. Die katholische Kirche stehe also unverändert für eine moderne und bedarfsgerechte Kinderbetreuung.
