Trotz offener Fragen: Batteriespeicher-Projekt elektrisiert den Burglengenfelder Bauausschuss

Es ist ein Projekt, dessen Beschreibung fantastisch klingt: das Energy Lab der Leimener suncorona Green Tech GmbH auf einem Gelände in der Burglengenfelder Vorstadt. Herzstück soll ein gewaltiger Batteriespeicher sein, doch außen herum wird mit viel Spielraum für Nutzungen der verschiedensten Art geworben. Am Mittwoch war das 230-Millionen-Euro-Projekt erstmals Thema im Bauausschuss.
Wie berichtet, gibt es bei Heidelberg Materials (HM), also dem Betreiber des Zementwerks, schon länger Überlegungen für die Errichtung eines Batteriespeichers. Als Partner hat man dafür jetzt die suncorona Green Tech gewonnen.
Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Projekten spezialisiert, die als zentraler Baustein für die Energiewende zu verstehen sind. Denn mit leistungsstarken Batteriespeichern können Stromüberschüsse aufgefangen werden, bis sie benötigt werden. Damit lässt sich, wie Geschäftsführer Oliver Schlink nicht verhehlte, auch Geld verdienen. Im Fall des Energy Lab Burglengenfeld wird eine Rendite von fast zwölf Prozent prognostiziert.
Kurze Zeitreise ins Jahr 2027
Ehe die Ausschussmitglieder Gelegenheit hatten, mit Schlink zu sprechen, wurden sie in einem Video zum Popsong „AWalk In The Park“ auf eine Zeitreise in den Spätsommer 2027 geschickt. Dann nämlich soll das Energy Lab auf einem 20000 Quadratmeter großen Areal an der Ecke Schmidmühlener Straße/Oberer Mühlweg bereits realisiert sein – im Idealfall.
MZ-Redakteur Thomas Rieke hat die Debatte im Ausschuss aufmerksam verfolgt – und sieht sich zu einem Kommentar veranlasst. Auf diesen haben Sie hier Zugriff.
Vision des Entwicklers ist es, dass Batteriespeicherwerk so auszugestalten, dass die Bevölkerung etwas davon hat – und künftig gern in die Vorstadt fährt, um dort Sport zu treiben, ein Eis zu genießen oder frische landwirtschaftliche Produkte einzukaufen. Die Zeit, bis das E-Auto des Besuchers aufgeladen ist, soll wie im Flug vergehen. Unterm Strich werde die überplante Fläche nicht versiegelt und sogar fünffach genutzt, heißt es. Das Grün werde sich verdoppeln.
CSU-Stadtrat: Wo ist der Mehrwert für die Stadt?
Thomas Hofmann (CSU), erklärte, das Projekte habe in seiner Fraktion teils Begeisterung ausgelöst. Trotzdem würden sich Fragen aufdrängen – zum Beispiel in punkto Sicherheit. Außerdem wollte er erfahren, „was die Stadt davon hat“. Sport- und Freizeitangebote reichten nicht.
Schlink versicherte, es gebe ein ausgeklügeltes Konzept, dass bei einem technischen Defekts ein Überspringen von Funken von einem auf den nächsten Akku ausschließe. Zum Löschen würde Gas eingesetzt. Grundsätzlich aber enthielten die Batterien kein brennbares Material.
Keine 24 Stunden nachdem er den Verzicht auf eine dritte Kandidatur erklärt hatte, leitete Bürgermeister Thomas Gesche die Ausschusssitzung, als wäre nie was gewesen. Den Bericht über die CSU-Versammlung, in der er seinen weitreichenden Beschluss bekannt gab, lesen Sie hier.
Was den Mehrwert für die Stadt angeht, so erklärte Schlink, er sei für Vorschläge offen. Man wolle Räume schaffen, für die es tatsächlich auch Bedarf gebe. Burglengenfelder könnten sie pachten und beispielsweise eigenverantwortlich ein Café führen oder einen Hofladen.
Auf Nachhaken von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) bestätigte der Planer, dass der Investor als Betreiber des Energy Lab seinen Sitz in Burglengenfeld haben werde, womit die Kommune mit Gewerbesteuereinnahmen rechnen dürfte.
BWG-Rat bohrt bei der Nachhaltigkeit nach
Gregor Glötzl (BWG) zeigte sich hoch erfreut, dass in Burglengenfeld in ein Vorhaben dieser Art investiert werde. Allerdings bezweifelte er, ob das Rahmenkonzept für die Vorstadt geeignet ist. Ferner erkundigte er sich nach der Nachhaltigkeit: „Wie langlebig ist das Modell?“
Schlink sagte, der Pachtvertrag für das Grundstück habe eine Laufzeit von 20Jahren mit Option auf Verlängerung um zweimal fünf Jahre. Für die Akkus gebe es eine Garantie, dass sie nach 15 Jahren noch 96Prozent Leistung bringen würden. In 20 Jahren stünden aber sowieso ganz andere Systeme zur Verfügung. Der Energiespeichermarkt stehe vor einer Revolution. Dementsprechend würde zu gegebener Zeit umgebaut.
2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) lobte den Ansatz von suncorona, einen wunden Punkt in der Energieversorgung schließen zu wollen. Aber es müsse gewährleistet sein, dass die Stadt im Falle einer Insolvenz des Betreibers nicht auf Altlasten sitzen bleibe. Rückbau und Entsorgung müssten garantiert werden. Schlink meinte, die für die Genehmigung zuständige Bundesnetzagentur werde den Investor in die Pflicht nehmen.
Frage nach dem Investor blieb ungeklärt
Bernhard Krebs (SPD) betonte, für eine Akzeptanz wäre eine Form der Beteiligung nicht verkehrt. Der gezeigte Film habe ihn zunächst skeptisch gestimmt, im Gespräch habe der Projektentwickler aber gepunktet. Daher ist Krebs’ Fazit, „dass wir offen an die sehr tolle Sache rangehen sollten“. Auf die Frage, wer denn nun der Investor sei, bekam Krebs keine konkrete Antwort. Heidelberg Materials sei es aber nicht.
Angesichts der Dimension des Projekts regte Thomas Hofmann zunächst eine Vertagung des Aufstellungsbeschlusses für ein Sondergebiet an. Das Thema sei außerdem besser im Stadtrat aufgehoben. Wenig später ruderte er zurück und gab sein Ok. Einzig Hans-Edmund Glatzl (BFB) wollte der Beschlussvorlage nicht zustimmen. Die Idee sei „toll“, zu viele Details habe er „noch nicht erfasst“, sagte er.
