Stadt Burglengenfeld will zwei neue Kinderhäuser – mehrere Standorte stehen im Fokus

Von Thomas Rieke · 18. April 2024 um 17:00

Seit wenigen Wochen ist es sozusagen auch amtlich. Die Stadt Burglengenfeld benötigt ein weiteres Kinderhaus. Damit aber nicht genug: Zusätzlich soll der Don-Bosco-Kindergarten der katholischen Stadtkirche durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt werden. Dazu gab es am Mittwoch im Finanzausschuss interessante Informationen.

Wie Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) berichtete, wurde der Bedarf für ein neues Kinderhaus kürzlich vom Landratsamt bestätigt. Es soll die seit Jahren in Containern untergebrachte Tagesstätte an der Ludwig-Erhard-Straße ablösen. Das Konzept sieht vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen vor. Die Stadtbau GmbH soll das Gebäude auf einem Flurstück der Kommune beim Hussitenweg hochziehen.

Darüber hinaus geht es um eine Alternative für den Don-Bosco-Kindergarten. Pfarrer Michael Hirmer möchte die Einrichtung an der Kallmünzer Straße verlagern, um das Gelände des Pfarrheims St. Michael (VAZ) komplett vermarkten zu können. Das zweite neue Kinderhaus soll ebenfalls sechs Gruppen beherbergen: drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen sowie eine sogenannte Flexgruppe. Hierfür gilt es jedoch noch einen Standort festzulegen.

Beide Orte haben Vor- und Nachteile

Um die Betreuungsstätten nicht zu sehr in bestimmten Stadtgebieten zu konzentrieren, streckte die Verwaltung ihre Fühler in Richtung Norden aus. Die Besichtigungstour führte am Mittwoch zuerst auf die Köblitzplatte, wo bis vor rund 20 Jahren eine Ferienstätte für Familien betrieben wurde. Als Vorteil wird hier das „viele Grün“ gesehen. Andererseits ist die Nähe zum Zementwerk nicht zu leugnen, und auch ein Sendemast stach Stadtrat Michael Schaller (CSU) ins Auge. Stadtbaumeister Franz Haneder sieht darin kein Problem. Wegen des Abstrahlwinkels sei die Belastung direkt neben Mobilfunkanlagen am geringsten.

Burglengenfeld denkt intensiv über den Bau weiterer Kinderbetreuungseinrichtungen nach. Die Erfahrungen damit waren zuletzt eher unerfreulich. Der sogenannte Förderschaden in zwei Fällen sorgt bis heute für Diskussionen. Mehr dazu lesen sie hier.

Als Nachteile wurden ferner die Erschließung und die Lage im Außenbereich genannt. Den zu erwartenden Verkehrszuwachs hält Thomas Hofmann, stellvertretender Chef der CSU-Fraktion, für die Anlieger für zumutbar, schließlich habe die erwähnte Ferieneinrichtung seinerzeit auch Menschen angezogen.

Arbeitnehmer eines nahen Betriebs könnten profitieren

Nächste Station war die Schmidmühlener Straße in der Vorstadt, wo die Stadt Zugriff auf einen 110 Meter langen und 30 Meter breiten Grundstücksstreifen hätte. Das Stadtbauamt hat hierfür nach eigenen Erfahrungswerten versucht, einen passenden Grundriss zu entwickeln, der die Aneinanderreihung mehrerer Gebäude vorsieht. Eine zweigeschossige Bebauung wäre ebenso denkbar, hieß es. So würde der Garten nicht zu sehr beschnitten.

Der Standort sei vor allem für die Eltern aus den nördlichen Umlandgemeinden prima erreichbar, betonte der Bürgermeister. Auch Beschäftigte eines größeren Arbeitgebers in der Vorstadt würden sich über ein Kinderhaus in ihrer Nähe freuen.

Darüber hinaus erinnerte Gesche an die Pläne der Bayern-Heim, die an der Schmidmühlener Straße ein größeres Wohnprojekt errichten möchte. Damit und mit dem erwähnten Kinderhaus würde die Vorstadt deutlich an Attraktivität gewinnen. Kritisch gesehen wurde indes wegen des Lärms die Nähe zu den Gewerbe- und Industriebetrieben und zum Verkehr.

Verwaltung wollte Auftrag für weitere Prüfung

Unterm Strich sollten die Ausschussmitglieder keine Entscheidung treffen, welchen Ort sie favorisierten. Die Verwaltung erwartete sich lediglich die Order, im Zusammenspiel mit dem Landratsamt zu klären, ob hier wie dort Baurecht erreicht werden kann. Die Mandatsträger erteilten für das Grundstück an der Schmidmühlener Straße den Auftrag einstimmig. Für das Grundstück auf der Köblitzplatte fiel der Beschluss bei zwei Gegenstimmen.

Stadtbaumeister Haneder ließ durchblicken, dass die Standortsuche ein dynamischer Prozess ist. Mittlerweile habe die Verwaltung ein drittes Grundstück im Auge. Der geschäftsführende Beamte Gerhard Schneeberger sei mit der Sache „intensiv befasst“. CSU-Rat Peter Singerer wollte wissen, weshalb die Stadt zeitgleich zwei Häuser auf den Weg bringen solle und nicht nach einer großen Lösung strebe. Schließlich sei, als es um die Erweiterung der Schule ging, auch auf einen zentralen Standort gedrängt worden. Gesche erklärte, bei Kinderhäusern seien sechs Gruppen die Obergrenze, mehr würden nicht genehmigt.

Gesche nennt Teublitzer Modell als Vorbild

Blieben noch die Fragen nach dem weiteren Vorgehen und der Bauträgerschaft. Bekanntlich hat die Stadt im Haushalt für 2024 kein Geld für neue Kinderbetreuungseinrichtungen eingeplant. Gesche erklärte nun, dies sei auch gar nicht nötig, denn ihm schwebe eine Partnerschaft mit einem privaten Investor vor, so wie es Teublitz unlängst vorgemacht hat. Gregor Glötzl (BWG) sieht dies allerdings kritisch. Erstens sei das Projekt in der Nachbarstadt nach seinem Kenntnisstand „nicht wie Butter gelaufen“, zweitens zähle der Bau eines Kinderhauses zu den Pflichten einer Kommune. Drittens sei es „ungewöhnlich“, dass die Stadt die Voranfrage stellen solle, obwohl sie nicht Bauherr wird.

Mit einem schnellen Spatenstich ist so oder so nicht zu rechnen. Für 8. Mai ist laut Gesche ein Kick-off-Gespräch bei der Regierung vorgesehen. Und angesichts des Förderschadens, der der Stadt durch vorschnelles Handeln bei den Projekten neben St. Josef und im Naabtalpark entstanden ist, ist damit zu rechnen, dass die Verwaltung keinen Schritt tut, ohne sich vorher vergewissert zu haben, ob er auch gemacht werden darf.

Auch hier im Grünen auf der Köblitzplatte könnte eventuell ein Kinderhaus entstehen. Die Stadt hätte auf die Fläche Zugriff, heißt es. Eigentümer ist nach MZ-Informationen Heidelberg Materials. Foto: Thomas Rieke