Windpark: Stadt Burglengenfeld zieht mit – trotz Protesten aus dem Umland

Von Thomas Rieke · 21. November 2024 um 19:00

Sind die Bürger in dem Teil des Umlands, in dem Windkraftanlagen errichtet werden sollen, weniger Wert als die Bürger, die sich gegen die Pläne für die Steinbrucherweiterung stemmen? Dieser Eindruck hatte sich dem Ortssprecher von Büchheim, Jürgen Ehrnsperger, aufgedrängt, nachdem er am Mittwoch die Debatten im Stadtrat geduldig verfolgt hatte.

Zu Beginn der Zusammenkunft im Rathaussaal hatten Mandatsträger aller Couleur erneut heftige Kritik am Vorhaben von Heidelberg-Materials geübt, das die Abbaufläche um 45 Hektar ausdehnen möchte. Die Räte reagierten damit auf Ausführungen von Zementwerkleiter Bernhard Reindl, der in einem Vortrag noch einmal die Bedeutung des Projekts für den Fortbestand des HM-Standorts hervorgehoben hatte.

Wenige Tagesordnungspunkte später sollten die Räte für die ebenfalls umstrittenen Windparkpläne das gemeindliche Einvernehmen erteilen. Als sich abzeichnete, dass dies ohne jeden Einwand geschehen würde, meldete sich Ehrnsperger zu Wort. Sichtlich erregt stellte er interessante Vergleiche an:

Genau wie die Nachbarn des Steinbruchs hätten auch die Anlieger der Windräder Wertminderungen ihrer Immobilien zu befürchten; genau wie sie forderten sie entsprechende Gutachten; und genau wie die Mitglieder des Pferdehofs in Dirnau fühlten sie sich den Projektbetreibern schutzlos ausgeliefert. Doch während sich die Stadträte in Sachen Steinbruch klar auf die Seite der Betroffenen gestellt hätten und sie unterstützten, gebe es für die Windpark-Gegner keine Rückendeckung, konstatierte der Ortssprecher.

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„Du bist also mehr Wert als ich!“, warf Ehrnsperger dem CSU-Rat Thomas Hofmann an den Kopf, dessen Familie von den Steinbruch-Plänen betroffen ist und der Werkleiter Reindl zu verstehen gegeben hatte, dass er für die Steinbruch-Nachbarn Ausgleichszahlungen erwarte. Hofmann konterte: „Was wir fordern, ist das eine, was wir bekommen, das andere. Wahrscheinlich kriegen wir nicht mehr als das Schwarze unter den Fingernägeln.“

3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) beteuerte, für ihn sei jeder gleich viel Wert. Aber nach reiflicher Überlegung sei er beim Windpark zu der Überzeugung gekommen, dass der Wertverlust für die Nachbarn „nicht so groß“ sein könne. Auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sprach von einer „anderen Art der Beeinträchtigung“ als beim Steinbruch. Den Vorwurf, das Thema unzureichend mit Betroffenen diskutiert zu haben, wies er von sich. Immerhin habe es drei Bürgerversammlungen gegeben.

Das gemeindliche Einvernehmen wurde letztlich bei einer Gegenstimme (Josef Schießl, FWL) erteilt.

Bereits im Februar hatte Ortssprecher Ehrnsperger die Pläne für den Windpark kritisiert. Nun beklagte er fehlende Rückendeckung für die Gegner durch den Stadtrat. Foto: Rieke, Archiv