Bald starten neue Verhandlungen zwischen Chamer Sana Kliniken und Verdi

Von Christoph Klöckner · 27. November 2024 um 05:00

Nach nicht einmal einem halben Jahr der Einigung auf einen neuen Haustarifvertrag mit den ersten Streiks bei den Sana Kliniken im Landkreis Cham überhaupt steht bereits die nächste Tarifauseinandersetzung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor der Türe. Schon Ende des Dezember endet die Friedenspflicht.

Und das, obwohl der Tarifvertrag, der im Sommer signiert wurde, noch bis Ende Januar 2025 laufe, erläuterte Gewerkschaftssekretär Sven Czekal von ver.di. Der Tarifvertrag mit den Sana Kliniken im Landkreis Cham sei fristgerecht zum 31. Oktober gekündigt worden. Am Donnerstag habe die Tarifkommission getagt, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Der Haustarif für die über 600 Beschäftigten sei zuerst bis 31. Dezember vereinbart gewesen, so Czekal. Doch da der zweite Lohnzuschlag von 125 Euro monatlich erst ab Januar 2025 zahlbar gewesen sei, habe die ver.di-Zentrale in Berlin klar gemacht, dass der Tarifvertrag nicht am 31. Dezember enden könne, wenn Vereinbarungen über dieses Datum hinaus laufen. Somit ende der Vertrag erst am 31. Januar, die Friedenspflicht jedoch einen Monat früher.

Tarifvertrag kam nicht bei allen gut an

Der im Sommer vereinbarte Tarifvertrag sei bei den Beschäftigten unterschiedlich angekommen. Zwei Varianten habe es gegeben, die jeweils Befürworter gefunden hätten. „Wir konnten es nicht allen recht machen“, sagte Czekal. Als danach die vereinbarte Auszahlung des Inflationsausgleichs wegen Sana und auch wegen der ver.di-Leitung in Berlin länger gedauert habe als erwartet, sei das auch nicht gut angekommen. Mittlerweile habe sich alles wieder geglättet.

Dass Sana in Cham 2023 keine schwarzen Zahlen geschrieben hat und unterm Strich gut fünf Millionen Euro Defizit erwirtschaftet hat und auch 2024 kein gutes Jahr für Krankenhäuser ist, weiß auch Czekal. Doch sieht er auch den Gesamtkonzern, der positive Zahlen in Millionenhöhe schreibt. Es sei choreographisch so, dass Sana die Zahlen immer schlimmer und schlimmer darstelle, so dass es am Ende so aussehe, als müssten die Beschäftigten dem Konzern Geld geben. Um solchem Vorgeplänkel entgegenzuwirken, habe man schon überlegt, vor der eigentlichen ersten Verhandlungsrunde bereits Sondierungsgespräche anzubieten.

Gleichzeitig mit TVöD

Das Besondere am 31. Dezember sei auch, dass zeitgleich neue Tarifverhandlungen um den TVöD starten würden. Und da die Beschäftigten der Sana Kliniken eine Annäherung ihres Lohns und damit ihres Haustarifvertrags an den des TVöD wollten, seien Parallelverhandlungen durchaus interessant, sagte Czekal. Bislang hätten die sich immer im Zweijahresturnus abgewechselt, doch da die jüngsten Haustarifverhandlungen erst ein halbes Jahr her seien, komme es nun zur Parallelität. Das könne hilfreich sein. Im Januar finde jedenfalls die erste Verhandlungsrunde für die Chamer Sana-Beschäftigten statt.

Beim ersten Streik überhaupt in der Geschichte der Chamer Krankenhäuser hatten die Sana-Mitarbeiter eine Angleichung an den TVöD gefordert. Der Unterschied betrage mittlerweile mehrere Hundert Euro, hatten ver.di-Gewerkschafter und die Sana-Betriebsrätin Andrea Höpfl betont. Hier gebe es einen deutlichen Nachholbedarf – auch, um die Fachkräfte vor Ort zu halten und neue anzuwerben.

Die Sana Kliniken des Landkreises bezahlen seit Jahren nach einem mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelten Haustarifvertrag. Dieser orientiert sich zwar am TVöD, das Lohngefüge war mit kleinen Unterschieden meist knapp unter dem des TVöD. Doch die großen Tarifbewegungen des Jahres 2023, nach denen in vielen Kliniken, gerade im Umfeld der Sana Kliniken des Landkreises Cham gezahlt wird, haben diesen Lohnabstand beträchtlich wachsen lassen. Die Steigerungen seien nicht ohne Grund geschehen, denn seit dem Jahr 2022 seien die Kosten für Wohnen, Mobilität, Energie und Nahrungsmittel immens in die Höhe gegangen – die Menschen seien auf entsprechende Tariferhöhungen angewiesen, so ver.di. Daher hatte die Tarifkommission für Cham 13,5 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 500 Euro monatlich mehr gefordert, dazu den die Inflationsausgleichsprämie von 3000€, mindestens zehn Tage Zusatzurlaub für die Wechselschicht-Arbeitenden und eine Treuezulage für langjährig Beschäftigte – das alles bei einjährige Laufzeit.

Mehr Lohn im Blick

Nach mehreren Verhandlungsrunden – begleitet vom ersten Streik am 8. Mai mit über 300 Sana-Beschäftigten – einigten sich die Tarifparteien auf die Auszahlung des Inflationsausgleichs und zweimal je 125 Euro monatlich mehr Lohn ab Dezember 2024 und dann ab Januar 2025.

Das Ergebnis war bei den Beschäftigten auf ein unterschiedliches Echo getroffen – den einen war es zu wenig, den anderen reichte es. Letzteren reichte es auch, weil es nun ein halbes Jahr später bereits wieder vermutlich um ein deutliches Plus beim Lohn gehen wird. Um wie viel an Einkommenssteigerungen es dieses Mal geht, steht dabei noch nicht fest.