Sana-Kliniken im Landkreis Cham wollen schon 2025 zurück in schwarzen Zahlen sein

Von Christoph Klöckner · 1. August 2024 um 05:00

Der Rasenmäher rast momentan durch die Krankenhauslandschaft, bringt hier einen Kahlschlag, verursacht hier Unsicherheit – angetrieben durch Kostensteigerungen, Personalmangel und politische Reformen. Ob Ruhpolding, Schweinfurt, Schongau oder Selb – auch in Bayern sterben die Krankenhäuser. Mehr als die Hälfte der verbliebenen Häuser macht Defizite. Wie sieht es da bei den Sana-Kliniken im Landkreis aus?

Sowohl die Folgen der Corona-Pandemie als auch die hohen Energiekosten und die Inflation würden massiv auf die Zahlen drücken, so Konstanze Kumpf, Leitung der Unternehmenskommunikation bei Sana: „Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft bewerten nur sechs von hundert Kliniken ihre wirtschaftliche Lage als gut. Die Sana Kliniken des Landkreises Cham bleiben von dieser deutschlandweiten Entwicklung nicht verschont.“

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Doch es gibt laut Sana Licht am Ende des Tunnels: Das aktuelle Geschäftsjahr in Cham verlaufe deutlich besser als das Jahr 2023: „Nach aktueller Planung werden wir bereits in 2025 wieder operativ schwarze Zahlen schreiben“, so Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Sana Kliniken des Landkreises Cham. Zudem habe man ein Konzept zur Leistungsanpassung erstellt, dass den Landkreis-Kliniken ab 2027 auch ein positives Gesamtergebnis ermöglichen könne.

„Der Konzern unterstützt uns in der Zwischenzeit finanziell, aber auch die Gesellschafter stehen weiterhin zur Klinik. Deshalb ist die Gesamtsituation für alle drei Standorte aus meiner Sicht gesichert“, betont Koch. Es gelte nun, dran zu bleiben, und die Phase der Neuordnung des deutschen Krankenhauswesens durchzustehen.

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„Es geht nicht darum, Löcher zu stopfen, sondern sinnvolle Investitionen zu tätigen, um die Versorgung nach und nach auszubauen. Und in diesem Prozess befinden wir uns gerade“, sagt Dr. Koch.

Geringer Spielraum

Die schwierige finanzielle Sachlage werde zum einen durch die herausfordernde Erlössituation und steigende Fixkosten verursacht. Zum anderen resultiere sie aus der Finanzierung von zwingend erforderlichen Investitionen für eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung: „So ist eine wirtschaftliche Auslastung der Bettenkapazitäten aufgrund der Pandemieauswirkungen und des bestehenden Fachkräftemangels nicht mehr möglich, gleichwohl bleiben die Fixkosten bestehen.“ Dazu sei der starke Anstieg der Aufwendungen im Jahr 2023 ebenfalls ausschlaggebend für Defizite gewesen: „Preissteigerungen in Verbindung mit gestörten Lieferketten treiben die Preise nach oben.“

„Der Spielraum für uns, um auf die starken Kostensteigerungen und den gleichzeitigen Leistungsrückgang zu reagieren, ist eng begrenzt“, erläutert der Geschäftsführer. Und ergänzt: „Aber natürlich sind ebenfalls die Kosten im Personalbereich gestiegen. Die politisch immer wieder gehörte Refinanzierung der Pflege sehen wir nicht vollständig, auch die angekündigten Reformen werden eine Unterfinanzierung nach sich ziehen.“

Personalentwicklungen bei der Ärzteschaft seien auch völlig unterfinanziert.

Am Patientenaufkommen liege die schwierige Lage nicht. Die Anzahl der Patienten sei zwar zurückgegangen, „dafür konnten wir den durchschnittlichen Schweregrad um zehn Prozent steigern.“ Die Fokussierung auf jene Patienten, die wirklich eine stationäre Behandlung benötigen, sei hier das Konzept, sodass nicht die Anzahl der Patienten im Vordergrund steht, sondern die Behandlungsschwere.

Um wieder in schwarze Zahlen zu kommen, habe man für jede der zehn Abteilungen eine klare Entwicklungsstrategie erstellt, wie man sich weiterentwickeln wolle. Bereits umgesetzt sei das etwa schon mit einer Hauptabteilung Neurologie, bei der man vielleicht zum Jahresende ein neues, stationäres Angebot im Bereich der Behandlung von Parkinson schaffen könne. „Der nächste Meilenstein wird sich sicher im Bereich der Notfallversorgung ergeben, hierzu laufen Gespräche mit den Kostenträgern, die uns dazu ermuntern, auch hier in die nächste Versorgungsstufe voranzuschreiten“, kündigte Dr. Koch an.

Für Zukunft gerüstet

Die Kliniken des Landkreises bekämen einen Zuschlag vom Staat, weil sie sich in einer Region mit geringer Einwohnerdichte befänden, so Koch. Die neue Notaufnahme sei jedoch ohne Fördermittel finanziert worden. „Wären wir den Antragsweg gegangen, dann hätten wir heute vermutlich erst mit den Bauarbeiten begonnen“, begründete der Geschäftsführer: „Doch ohne die neue Notaufnahme wären wir heute sicher nicht so gut für die Zukunft gerüstet.“

Der Sana-Geschäftsführer sieht durchaus die Notwendigkeit einer Neuordnung: „Eine Krankenhausreform ist aus unserer Sicht überfällig und sinnvoll.“ Jedoch sei ein zentralistischer Ansatz mit der Rasenmähermethode über alle Regionen und Standorte hinweg, wie sie die Regierungskommission vorsehe, nicht der richtige Weg. „Mir erscheint es, als würde schlicht der Geldhahn so weit zugedreht, dass dann zu Beginn der eigentlichen Reform 2027 nur noch die notwendigen Krankenhäuser existieren“, beschriebt Koch.

Der Landkreis Cham verdiene aufrichtige Anerkennung, den Weg der örtlichen Spezialisierung schon vor vielen Jahren eingeschlagen zu haben. Damit das ehemalige Krankenhaus Roding künftig als Gesundheitscampus neu aufblühen könne, hätten mutige Entscheidungen getroffen werden müssen. Dies stehe vielen Regionen noch bevor. „Tatsächlich befinden wir uns mit den drei Standorten mitten in der Umstrukturierung, weshalb ich sehr zuversichtlich sein kann.“

Sana: Wo investiert werden soll

Der Sana-Geschäftsführer Dr. Koch denkt auch an weitere umfangreiche Baumaßnahmen, die nur mit Fördermitteln realisiert werden könnten. So habe man aktuell beispielsweise mit allen Luftrettern über den Hubschrauberlandeplatz am Krankenhaus gesprochen. Inzwischen würden regelmäßig auch Patienten per Hubschrauber nach Cham gebracht, was ein gutes Zeichen sei. „Unser aktueller Landeplatz ist durch die Bebauung der Umgebung und durch die Hanglage nicht optimal“, erklärte Koch. Die Anforderungen seien dabei klar formuliert worden: ein Landeplatz direkt auf dem Dach der Notaufnahme oder des Parkhauses mit einer Zuwegung durch einen Lift wäre ideal. „Auch eine grundlegende Sanierung der Zimmer ist auf unserer Umsetzungsliste“, so Dr. Thomas Koch.