Premiere für Sana-Beschäftigte in Cham: Warnstreik für mehr Wertschätzung und Lohn

Für die meisten an diesem frühen Mittwochmorgen im Haus am Regenbogen ist es der erste Streik überhaupt in ihrem Leben. Daher sieht man in Cham immer wieder Gruppen, die sich zusammenstellen, um ein Selfie zu machen. Gleichzeitig gehen Verdi die Trillerpfeifen aus – es seien doch deutlich mehr gekommen als erwartet, sagt Verdi-Mann Sven Czekal. Das alles zeigt: Die Beschäftigten haben die Nase voll und sind bereit, für eine faire Bezahlung zu kämpfen.
Knapp 400 Sana-Beschäftigte wollten die Premiere des ersten Warnstreiks nicht verpassen. Manches müsse noch geübt werden, wie die Organisatoren von Verdi feststellten – etwa sich in die Streikliste einzutragen, um Streikgeld zu bekommen, oder seine Forderungen lauter kundzutun, damit man gehört wird.
Doch da es bis zur nächsten Verhandlungsrunde zwischen den Sana-Vertretern und der Tarifkommission der Beschäftigten am 6. Juni durchaus möglich ist, dass weitere Warnstreiks folgen, haben die Sana-Beschäftigten noch einige Chancen, um zu üben.
Und so, wie die Anmeldeformulare für die Gewerkschaft am Mittwoch weggingen, dürfte eines nach den Verhandlungsrunden sicher sein: Die Mitarbeiter der Kliniken des Landkreises Cham sind nach diesem Arbeitskampf durchaus besser organisiert als vorher. Und, wie von vielen Beschäftigten zu hören war, durchaus weiter streikbereit.
Notdienst vor Gericht
Martin Schmalzbauer von der Verdi-Landesvertretung, der auch bei den Tarifverhandlungen um den neuen Haustarifvertrag für die Sana Kliniken in Cham mit am Tisch saß, sieht nach der jüngsten, der dritten Verhandlungsrunde keine andere Möglichkeit als den Streik.
„Das war eine Beleidigung“, ordnet er das Sana-Angebot ein. Er habe schon viele Verhandlungsrunden mitgemacht, doch noch nie habe es das gegeben, was der Sana-Konzern am Dienstag veranstaltet habe.
Trotz Vereinbarung eines Notdienstes habe Sana das Ergebnis noch vor Gericht gebracht, sagt er im Gespräch im vollen Saal des Hotels am Regenbogen. Wenig später erläutert er den Streikneulingen per Mikro, wie man Klatschpappen als „sehr wirksames Musikinstrument“ verwendet.
„Heute ist Streiktag!“
Dann zieht der Demo-Zug los, durchs Biertor Richtung Krankenhaus. „Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag“, skandieren die Protestierer, die als Hauptforderung 12,5 Prozent mehr Lohn – und damit eine beinahe Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes fordern, den viele Kliniken im Umfeld längst für ihre Beschäftigten haben. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut“, schallt es am Krankenhaus, wo die Kollegen im Notdienst die Demo mit Beifall und Winken begrüßen.
Und nicht nur die treten vor die Türe und an die Fenster – auch Kliniken-Geschäftsführer Dr. Thomas Koch tritt auf die Straße und lässt den Demonstrationszug an sich vorbeiziehen, was manche Beschäftigte durchaus als Provokation begreifen. Er wolle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur begrüßen, beschwichtigt er. Die halten ihm entgegen, dass sie nicht wertgeschätzt würden und eine qualitativ hochwertige Pflege einen fairen Lohn verdiene.
Das war auch am Marktplatz zu hören, wo etwa Bernhard Burger, 40 Jahre bei Sana, an die Verantwortung des Landkreises erinnerte, der Mitbesitzer der Kliniken sei. Man kämpfe hier auch für die Landkreis-Bürger und deren Gesundheit . „Das muss es dem Landrat wert sein!“, so Burger. Und Betriebsratschefin Andrea Höpfl appellierte, sich von Drohungen und Angstmache nicht einschüchtern zu lassen. Dies hier werde sicher nicht der letzte Streik sein, versprach sie.







