Brodeln bei Sana in Cham: Es geht um den Sparkurs und 3000 Euro, auf die alle warten

Von Johannes Schiedermeier · 24. September 2024 um 19:00

Ist das die berühmte Geschichte von dem übervollen Wasserfass und dem Spülmitteltropfen? Auf jeden Fall läuft es gerade über. Das hat Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Sana Kliniken im Landkreis Cham, eine turbulente Betriebsversammlung beschert und im Nachgang heftige Debatten: Wieso gibt es seit Juni die 3000 Euro Inflationsausgleich nicht? Wo sind die Kaffeelöffel? Wieso spart man bei Kugelschreibern und Hagebuttentee? Gibt es zu wenig Essen?

Das sind alles Fragen, deren Antworten überraschend vielschichtig sind. „Ja, wir segeln hart am Wind“, sagt sagt der Chamer Sana-Geschäftsführer Dr. Thomas Koch. Nun muss er zeigen, ob er auch hart am Gegenwind segeln kann.

Fluktuation und Früchtetee

Seine rund 800 Mitarbeiter – was rund 600 Vollzeitstellen entspricht – beklagen beispielsweise zu viele Kollegen mit mangelhaften Deutschkenntnissen und eine hohe Fluktuation. Bei den jungen Kollegen werden sogar „Fluchttendenzen“ attestiert?

Jeder Mitarbeiter müsse eine Sprachprüfung machen, sagt Koch in einem Pressegespräch mit unserer Zeitung. Die Unterrichtssprache in der Pflegeschule sei ausschließlich Deutsch. Aber natürlich seien ausländische Praktikanten aus der Pflegeschule eine zusätzliche Belastung. Und wer Deutsch könne, der verstehe auch, wenn ein Patient über Rückenprobleme klagt. „Aber nicht, wenn der sagt: Mir duat da Bugl weh! Deswegen kommt bei uns auch Dialekt in der Pflegeschule vor.“

Im Regensburger Klinikum St. Josef habe er acht bis zehn Prozent Fluktuation erlebt. In Cham seien es vier. „Das sind die Fakten. Alles andere ist gefühlt“, sagt Koch. „Wir ehren hier immer noch viele langjährige Mitarbeiter. Aber mit Personal aus der Oberpfalz könnte ich die Kliniken nicht mehr betreiben“, macht er klar. Das habe er gemeint mit hart am Wind segeln. Da müssten die Mitarbeiter mitziehen, wenn man die Probleme nicht am Patienten auslassen wollen.

Die Argumentation kennt die Belegschaft seit Jahren. Sie kritisiert Überlastung und Einsparungen. Das führt direkt zum Thema Essen. Was also ist so teuer am Hagebuttentee, dass man den aus dem Sortiment genommen hat? „Nichts“, sagt Koch. „Aber als es darum ging, was man sich sparen könnte, hat der Küchenchef gesagt: Wir haben den roten Früchtetee. Der reicht.“

Etwas mehr ans Eingemachte geht es dann, wenn das Personal kritisiert, dass die Essensrationen gespart werden und Patienten manchmal an mehreren Tagen auf das Frühstück verzichten müssen, weil sie nüchtern bleiben, dann aber nicht operiert werden. Koch erklärt die Problematik aus seiner Sicht: „Wir haben früher viel Essen weggeworfen und versuchen, das abzustellen. Das kostet ja auch. Wenn dann mehr Notfälle reinkommen, als geplant, kann das zu Engpässen führen. Es führt aber auch dazu, dass die Notfälle vorgezogen werden und OP’s sich verschieben. Das versuchen wir zu vermeiden, schaffen es aber nicht immer.“

Sparen beim Kugelschreiber?

Und die Kugelschreiber? Und das Büromaterial? Wieso wird da gespart? Koch versichert, dass nur an den einfarbigen Kugelschreibern gespart wird, weil die vierfarbigen für die Dokumentationen der Pflegekräfte notwendig seien. „Wir bestellen das Notwendige, aber wir schränken uns ein. Das will der Konzern so“, sagt Koch. Er sagt aber auch: „Bei manchen Einsparungsversuchen merkt man irgendwann, dass es nichts bringt. Dann verschwinden sie von selber wieder.“

Und weswegen werden die 3000 Euro Inflationsausgleich seit Juni nicht bezahlt? Da weist der Sana-Geschäftsführer jegliche Schuld weit von sich. „Das ist nicht so, dass wir das Geld nicht hätten. Überhaupt nicht. Der Vorgang liegt bei der Gewerkschaft. Da gab es noch ein paar redaktionelle Änderungen und dann ging das von der lokalen Gewerkschaftsebene auf die Landesebene und nun liegt es auf der Bundesebene in Berlin. Dafür können wir nichts.“

Gewerkschaftssekretär Sven Czekal will das auf ver.di nicht sitzen lassen: „Die redaktionellen Änderungen kamen vom Sana-Konzern!“ Sana habe schon bei der Betriebsversammlung versucht, der Gewerkschaft alles in die Schuhe zu schieben. Allerdings räumt Czekal ein, dass die Tarifeinigung noch in Berlin festhängt: „Da wurde noch ein Abstimmungsbedarf festgestellt.“

Grünes Licht für 3000 Euro

Das zieht sich nun seit Ende Juni hin und überfordert die Geduld der Sana-Belegschaft. Wann also werden die 3000 Euro überwiesen? Geschäftsführer Koch sagt: „Mir reicht eine Mail, dass alles passt. Das Geld ist da.“ Noch am Montag liefen die Gewerkschafts-Telefone heiß. Am Dienstag hieß es dann: Grünes Licht!

Gewerkschaftssekretär Czekal teilte der Redaktion mit: „Ich habe alles gestern Abend abgesprochen und werde noch heute eine Mail an Dr. Koch schicken, dass von unserer Seite her alles in Ordnung ist und der Auszahlung also nichts mehr im Wege stehen sollte.“ Czekal weist zwar darauf hin, dass es noch Gesprächsbedarf mit Sana gebe, aber dabei gehe es um einen anderen Tarifvertrag, nicht um den Inflationsausgleich.