Hitzige Debatte im Tarifstreit: Beschäftigte der Sana-Klinik in Cham sind in Streik-Laune

Vorerst soll es am Chamer Sana-Klinikum keine weiteren Streikmaßnahmen geben. Nach der vierten Verhandlungsrunde im Tarifstreit zwischen dem Krankenhauskonzern und seinen Beschäftigten am Donnerstag steht aber auch fest: Die Zündschnur vieler Mitarbeiter ist bereits sehr kurz.
Nachdem das neue Angebot von Sana noch immer deutlich von den Forderungen der Mitarbeiter entfernt ist, plädierten viele bereits jetzt für eine zeitnahe Arbeitsniederlegung. Verdi-Vertreter überzeugten die Beschäftigten aber, sich bis zur nächsten Gesprächsrunde zu gedulden. Diese wurde für 1. Juli angekündigt.
Mehrere Dealbreaker für Sana-Mitarbeiter
Die Stimmung am Donnerstagabend im Kolpinghaus, wo Verdi-Vertreter und Mitglieder der Tarifkommission die Sana-Beschäftigten über die Ergebnisse des Nachmittags informierten, war von Anfang an hitzig. „Viele waren sehr aufgebracht, da war viel Feuer in der Diskussion“, sagt Gewerkschaftssekretär Sven Czekal am Freitagmorgen. „Etliche Kollegen sind sauer, weil jetzt schon so lange verhandelt wird“, sagt eine langjährige Sana-Krankenschwester. Ein Pfleger meint: „Sana zögert die Verhandlungen hinaus.“ Andere nehmen es dem Konzern übel, dass er mit dem letzten Angebot offenbar eine Spaltung innerhalb der Belegschaft hervorrufen wollte. „Einige würden durch das letzte Angebot profitieren, aber eben nicht alle.“ Im Kolpinghaus wurde auch deshalb lange heftig diskutiert. „Die Angestellten in Verwaltung und im Labor haben ja gar keine Schicht und Pflegezulagen – die hätten durch das Angebot kaum mehr in der Tasche“, erläutert eine Beschäftigte.
Über zwei Stunden lang dauerte es dementsprechend, bis klar war: Erst einmal will man das nächste Angebot der Arbeitgeberseite abwarten. Klar kommuniziert Czekal aber auch: „Sollte es am 1. Juli wieder zu keiner Einigung kommen, wird sofort zum Streik aufgerufen. Dann wird 48 Stunden lang nicht gearbeitet.“
63 Sana-Mitarbeiter waren zu der Infoveranstaltung gekommen. Klarer Dealbreaker für sie: Das immer noch deutlich zu niedrige Angebot von fünf Prozent Gehaltserhöhung – gefordert war eine Anhebung der Gehaltsstruktur um 13 Prozent in Anlehnung an die Entlohnung nach den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Und auch die 29 Monate Laufzeit lehnten die meisten klar ab. Und den angebotenen Inflationsausgleich von 1200 Euro und 400 Euro für Auszubildende fanden die Beschäftigten zu niedrig – sie hatten die vollen 3000 Euro gefordert.
„Eigentlich wurde nur die Erhöhung des Wechselschicht-/Pflegezuschlags zum 1. Oktober um 100 Euro als akzeptabel angesehen“, macht Czekal deutlich. Dennoch: Dass die Klinikleitung sich mit dem Angebot in der vierten Verhandlungsrunde klar an den Forderungen der Beschäftigten orientiert, wertet man bei Verdi als Teilerfolg. Auch deshalb seien Arbeitskampfmaßnahmen nun das falsche Zeichen, meint man bei der Gewerkschaft. „Wir sind verhalten optimistisch“, sagt Czekal.
Verhandlungsbereitschaft „ein gutes Zeichen“
Gerade am Ende der Verhandlung habe man eine deutliche Bereitschaft der Gegenpartei für eine Einigung erkannt. Czekal zeigt sich überzeugt davon, dass Sana am 1. Juli ein noch einmal deutlich verbessertes Angebot vorlegen werde.
Bei der vorherigen Verhandlungsrunde hatte Sana bekanntlich kein neues Angebot vorgelegt, sondern schlug den Beschäftigten eine Angleichung an den Tarifvertrag des Verbands der Privatkrankenanstalten (VPKA) vor. Der Haken aus Verdi-Sicht: Viele Beschäftigte hätten sich damit schlechter gestellt als bisher. Es sei wohl auch ein Versuch gewesen, einen Keil in die Belegschaft zu treiben, so die Einschätzung der Gewerkschaft – schließlich hätte es durch einen derartigen Tarifwechsel nur für einige wenige Verbesserungen gegeben.
Der erste Streik – ein Warnschuss
Nach der ergebnislosen dritten Verhandlungsrunde hatten die Sana-Beschäftigten zum ersten Mal in der Geschichte 24 Stunden lang gestreikt – möglicherweise Grund für das verbesserte Angebot von Sana; der Konzern fürchtet, heißt es intern, ein Übergreifen der Streikstimmung auf andere Häuser.
Am 1. Juli, so Czekal, müsse „das Gesamtpaket stimmen“. Eine Besserstellung der Mitarbeiter in nur einigen wenigen Punkten werde auch dann wohl nicht akzeptiert werden.
Die Forderungen bleiben
Die Forderungen der Beschäftigten mit ihrem Haustarifvertrag: eine Annäherung an die Entlohnung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) in Form einer Lohnsteigerung um 13,5 Prozent, den vollen Inflationsausgleich von 3000 Euro, außerdem mindestens zehn Tage Zusatzurlaub für Schichtbeschäftigte, eine Treueprämie für Langzeitbeschäftigte und eine Laufzeit des Haustarifvertrags von nur zwölf Monaten.
Von Sana war bis Redaktionsschluss auf Nachfrage unseres Medienhauses keine Stellungnahme erfolgt.

