Chamer Bahnhofs-Italiener ist zu – bald will hier eine Gastrokette ganz andere Küche anbieten

Die Freude der Stammgäste währte nur kurz: Erst vor wenigen Monaten bekräftigten Hilde und Nino Orlandini, dass sie das Da Virginio in Cham weiterführen und nicht zum 30. Juni schließen werden. Aber jetzt ist Bayerns wohl schönstes Bahnhofsrestaurant doch Geschichte: Am 27. Oktober hatte der Edel-Italiener zum letzten Mal geöffnet. Wie es aussieht, werden hier aber schon bald wieder Gäste bewirtet – mit ganz anderer Küche.
Zwischen den kunstvoll geschwungenen weißen Terrassenzaun-Elementen, wo sommers große bepflanzte Tröge für südländisches Flair sorgen, sind rot-weiße Absperrketten gespannt. Das erste Indiz, dass der geplante Betriebsurlaub im November nahtlos in die endgültige Schließung übergeht. Auch wenn an der Eingangstür zum Restaurant noch ein Zettel hoffnungsvoll verkündet: „Vorübergehend geschlossen.“ Drinnen haben die Orlandinis noch alles belassen, nur persönliche Gegenstände und die liebgewonnenen Bilder des Künstlers Sebastian Roser haben die beiden mitgenommen. Noch immer hoffen sie, dass ein Nachfolger das Restaurant in ihrem Sinne weiterführt.
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Bis Februar habe alles auch danach ausgesehen, sagt Hilde Orlandini. Eine Interessentin vom Katzberg hätte mediterrane Küche anbieten wollen. Doch während hier noch Papiere zusammengetragen wurden, „ist im Sommer auf einmal ein Asiate auf der Bildfläche erschienen, der hatte schon ein komplettes Konzept ausgearbeitet, den Laptop dabei.“ Während nebendran die Gäste im Da Virginio speisten, habe der Investor am Computer seine Ideen präsentiert.
Eine Gastrokette in Cham?
Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um Investoren, die in Cham ein weiteres„Good Ci“-Restaurant eröffnen wollen, wie es sie bereits in Landshut und Regensburg gibt. Im Mittelpunkt des Angebots: Sushi aller Art, daneben Salate mit asiatischen Komponenten, ein paar Vorspeisen aus der chinesischen Küche. „Die wollen wohl auch in größerem Stil investieren“, haben die Orlandinis erfahren, besonders im Innenbereich des Restaurants, der jetzt so gar nicht asiatisch anmutet. Da käme den Investoren wohl auch gelegen, dass im Gebäude selbst schon länger zwei Wohnungen frei stehen. „Da hat früher zum Beispiel die alte Bahnhofswirtin gewohnt“, weiß Hilde Orlandini noch.
Good Ci: Kommt eine asiatische Gastrokette nach Cham?
Die Unterkünfte könnten für das Personal der asiatischen Restaurant-Kette genutzt werden. Ein Umstand, der auch der Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn AG, der das Gebäude am Chamer Bahnhof gehört, genehm sein dürfte. „Ich glaube auch, dass die Bahn sich bemühen wird, schnell jemanden zu finden, der das Restaurant übernimmt, weil es sonst ja leer steht“, sagt Orlandini.
Die Orlandinis haben ihr Gastgewerbe bei der Stadt Cham inzwischen bereits abgemeldet. Erst zu Beginn des Betriebsurlaubs habe sich recht schnell herauskristallisiert, dass sie komplett schließen werden. In den letzten Monaten sei die Personalnot immer größer geworden Eine Vollzeitkraft kündigte, weil sie sich mehr um ihre kleine Tochter kümmern will, eine andere Kraft wollte in ihrem Hauptberuf Stunden aufstocken und im Da Virginio Arbeitszeit kürzen.
Da Virginio: Am Ende gab’s keine Pizzas mehr
Am Ende stand bereits die Pizzastation still, weil zu wenig Leute da waren. „Es war am Ende viel zu viel Belastung, um es auf zwei Schultern zu tragen“, sagt die Wirtin. Selbst an den Ruhetagen sei Nino ins Restaurant, um alles für den nächsten Tag vorzubereiten. „Und ich habe an den Tagen die Buchhaltung gemacht. Richtig frei hatten wir nie.“
Nicht ganz zehn Jahre war das Ehepaar Gastgeber am Bahnhof. „Im Urlaub hat Nino gemerkt, er kann nicht mehr.“ Am Ende habe ein weiterer gesundheitlicher Rückschlag den Ausschlag gegeben. „Freilich überlegt man, wo man den einen oder anderen Gast wieder einmal sehen wird, es sind Freundschaften entstanden“, sagt Hilde Orlandini. „Wir haben wirklich liebe Leute bewirtet, ein feines Publikum hatten wir im Restaurant.“ Das sei aber auch das einzige, was schwerfalle. Insgesamt fühle sie sich, als ob ein schweres Gewicht von ihren Schultern genommen worden sei.
Besuch in Italien
„Nino war am Wochenende gleich in Italien und hat seine Onkeln und andere Verwandte besucht – und die Onkel sind schon wirklich sehr betagt. Und ich war bei meinen Schwestern. Ich habe schon lange nicht mehr so befreit lachen können. Da merkst du erst, wie lange du schon nicht mehr richtig durchgeschnauft hast.“ Auf mehr Zeit für die Familie hofft Hilde Orlandini daher besonders in ihrem Ruhestand. Und Nino hatte sich ja schon Anfang des Jahres darauf gefreut, endlich wieder mehr zu seinem Hobby, dem Malen zu kommen. Ihren Ruhestand wollen beiden in Cham verbringen, hatten sie schon vor Monaten anderslautende Gerüchte im Keim erstickt.
Anfang Dezember soll sich endgültig entscheiden, was mit dem Restaurant weiter passiert. Unterschrieben sei derzeit noch nichts, weiß Orlandini. Vielleicht, so hofft sie, kommt am Ende ja doch noch die Interessentin vom Katzberg zum Zug, und führt das Da Virginio in ihrem Sinn weiter.

