Viele hofften: Nino und Hilde Orlandini machen mit ihrem Lokal in Cham erst einmal doch weiter

Von Tanja Fenzl · 28. Juni 2024 um 19:00

Eine gute Nachricht aus der Gastro-Szene: Das Da Virginio am Chamer Bahnhof wird den Chamern vorerst erhalten bleiben. Hilde und Nino Orlandini treten vom geplanten Ruhestand zurück. Mit wem sie wegen einer Nachfolgelösung verhandeln, und was ihre weiteren Pläne sind, das haben sie unserem Medienhaus verraten.

„Guten Morgen“, lacht Nino Orlandini an diesem Freitagvormittag quer über den Parkplatz beim Da Virginio am Bahnhof. Er lädt ein paar Kartons ins Auto, dann kommt er mit seinem bekannten strahlenden Lächeln durch die Tür seines Restaurants. Nein, er ist nicht damit beschäftigt, Bayerns vielleicht schönstes Bahnhofslokal auszuräumen. Anstatt, wie beabsichtigt, Ende Juni die Pforten zu schließen, haben er und seine Frau Hilde beschlossen: Es wird nun doch weitergehen.

Kündigung bei Bahn Immobilien wurde zurückgenommen

„Wir haben die Kündigung bei der Bahn Immobilien zurückgenommen“, bestätigt Nino Orlandini. Der 73-Jährige verschiebt seine Pension und alle Pläne, die er dafür bereits in seinem Kopf gemacht hatte. Er wird in den kommenden Wochen und Monaten also nicht seine Garage ausräumen, den Nachlass seiner verstorbenen Mutter ordnen und aus den aus Italien gelieferten Kartons packen, er wird sich nicht intensiver um seinen Garten kümmern und auch nicht die alten Stühle und Tische aufmöbeln, die er bei sich zu Hause gestapelt hat. Stattdessen wird er wie immer Mittwoch bis Sonntag hinter der Theke des Da Virginio stehen und die Gäste mit ausgewählten italienischen Gerichten und humorvollen Geschichten und Anekdoten unterhalten.

Am allermeisten freuen sich seine Stammgäste über die Entscheidung des Gastronoms, die erst vor Kurzem gefallen ist. „Viele hatten Angst, was danach kommt“, erzählt Orlandini, der seit Anfang des Jahres intensive Gespräche mit Interessenten über die Übernahme des Lokals geführt hat.

Wieder mediterrane Küche?

Besonders ein Verhandlungspartner habe sich eigentlich als Favorit herauskristallisiert. „Der hätte mediterrane Küche, vielleicht ein bisschen fleischlastiger als bisher, angeboten“, verrät Hilde Orlandini. Eine Familie aus dem Kosovo, die schon lange im Landkreis lebt und ein Café in der Region betreibt, hatte sich um die Nachfolge des Chamer Bahnhofslokals beworben. Leider habe sich der Gesprächspartner im Lauf der Zeit als eher unzuverlässig erwiesen, sei zu Terminen nicht erschienen, auch die Bahn als Immobilieneigentümer habe am Schluss Bedenken gehabt. „Und die Bahn hat ja doch einiges mitzureden als Verpächter“, sagt die 63 Jahre alte Deutsche, die sich eigentlich schon sehr auf mehr Zeit mit ihrer Familie und besonders den fünf Enkeln gefreut hatte. „Doch wir suchen schon jemanden, der auch zumindest einen Teil unserer Investitionen ablöst“, bekräftigt ihr Mann, der Ende der 70er Jahre von Venetien nach Deutschland kam.

200 000 Eurohaben die Orlandinis investiert

Rund 200000 Euro habe man in den letzten zehn Jahren in das Restaurant gesteckt, allein rund 40000 Euro habe der Bau der Terrasse gekostet, die die gesamte Seite und Front des Lokals umfasst. Auch die Inneneinrichtung ist liebevoll zusammengetragen, Küche und Theken auf den neuesten technischen Stand gebracht worden. „Das werden wir natürlich nicht alles bezahlt bekommen, aber einen Teil möchten wir schon“, sagt das Paar. Mit dem Aufschub des Ruhestands haben die beiden nun Zeit gewonnen, um mit den restlichen Verhandlungspartnern in Ruhe zu sprechen, und zu schauen, ob sich vielleicht noch die perfekte Lösung für ihr Herzenslokal findet.

Einige wollten asiastische Küche anbieten

„Einige Interessenten wären schon dabei gewesen, die asiatische Küche anbieten wollten. Aber dafür müsste die Gasversorgung im Lokal verbessert werden“, sagt Hilde Orlandini. Vor einigen Jahren schon habe sich ein Interessent gemeldet, der eine Tapasbar am Chamer Bahnhof etablieren wollte – auch diese Idee habe sich am Ende zerschlagen.

Jetzt also werden die Orlandinis weiterhin wie gewohnt ihr Restaurant betreiben. „Und nicht nur ein paar Wochen länger, allein die Kündigungsfrist ist ja sechs Monate“, betonen sie. Gesundheitlich geht es beiden nach einigen Rückschlägen in den letzten Jahren derzeit gut. „Tot sind wir noch nicht, aber ein wenig müde“, sagt Nino Orlandini. Eine junge Fachkraft soll den beiden helfen, die Arbeitsbelastung auf mehrere Schultern zu verteilen. Im Sommer wird Hilde Orlandini trotzdem wie geplant mit ihren zwei Töchtern und Enkeln in den Urlaub nach Österreich fahren.

Zwei Wochen Urlaub im August

Und Nino Orlandini wird in den zwei Wochen im August auch Pause machen und die Zeit „als Strohwitwer genießen“, grinst er, und bereitet an der Kaffeemaschine einen Espresso zu. Die Gemüselieferantin bringt gerade die bestellte Ware zur Tür herein. Die ersten Gäste nehmen draußen auf der Terrasse Platz, die Bedienung richtet die Tische und Stühle her. „Wenn es nachmittags wieder regnet, haben wir wieder viel zu tun“, überlegt Nino Orlandini. „Die Leute wechseln von draußen nach drinnen und dann wieder raus.“

Freilich – ewig will Nino Orlandini nicht weitermachen. „Ich will schon irgendwann wieder mehr Zeit für Hobbies haben“, grinst er und fügt nach kurzer Überlegung an: „Obwohl, die Gastronomie ist ja irgendwie auch mein Hobby.“

Von wegen Ruhestand: Erst einmal betreiben Hilde und Nino Orlandini das Da Virginio am Chamer Bahnhof weiter.
Ruhe-Oase: Für die Terrasse hätten die Orlandinis sogar schon einen Abnehmer, wenn der künftige Betreiber sie nicht übernehmen wollte.