Gerüchte um das Da Virginio werden wahr: Nino und Hilde Orlandini erzählen von ihren Plänen

„Heute habe ich erfahren, dass ich schon tot bin“, kommt Nino Orlandini mit seinem bekannten breiten Grinsen aus der Küche hinter die Theke. Er schüttelt den Kopf: „Schaue ich tot aus?“
In der Chamer Gerüchteküche brodeln schon seit zwei Jahren die verrücktesten Geschichten rund um das Da Virginio und seine Inhaber. Das Ehepaar sei todkrank, Hilde und Nino Orlandini zögen nach Italien, das Da Virginio schließe. Eine dieser Geschichten wird sich nun in den kommenden Wochen bewahrheiten.
Bis in ein, zwei Monaten, so meinen und hoffen Hilde Orlandini und ihr Mann, mit potenziellen Nachfolgern zu einer Einigung zu kommen. Es geht noch um die Ablöse für die Dinge, die die Orlandinis in eines der schönsten Bahnhofslokale in Bayern hineingesteckt haben. „Es ist aber ein mehr als faires Angebot“, ist Hilde Orlandini überzeugt. Es gebe verschiedene Interessenten. „Spätestens Mitte März fällt eine Entscheidung.“
Rentenalter erreicht
Bei den Gründen für die Entscheidung, das beliebte italienische Restaurant in andere Hände zu geben, muss Hilde Orlandini nicht lange überlegen. „Nino ist 72 Jahre alt!“ Nach seiner inzwischen ausgeheilten Krebserkrankung und einer weiteren Erkrankung, die ihn vor drei Jahren niedergestreckt hatte, habe man begonnen, nach Nachfolgern zu suchen. Das Lokal wurde ausgeschrieben. Das Gebäude selbst gehört der Deutschen Bahn.
„Ich habe damals gesagt, wer weiß, wie lange es dauert, bis man jemanden findet“, erinnert sich Hilde Orlandini. Ihr Mann sei da eigentlich noch lange nicht bereit gewesen, aufzuhören. Heute sagt er selber: „Manche Tage werden schon lange, und man ist erschöpft.“ Beide haben seit einer Krankheit mit Nierenproblemen zu kämpfen.
Personalsituation ist schwierig
Dazu komme die schwierige Personalsituation. Es sei immer schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden, oder überhaupt jemanden, „der auch einmal selber mitdenkt und nicht nur reiner Befehlsempfänger ist“, bedauert die Chefin.
Sie hätten Gott sei Dank einige Kräfte, auf die sie sich verlassen könnten, aber auch im Da Virginio gibt es nur noch eine Vollzeitkraft. Da könne dann auch der Chef keine Pause einlegen, wenn es ihm einen Tag nicht so gut gehe. Trotzdem: „Wir haben in den Jahren so viele unglaublich tolle Menschen kennengelernt, es haben sich Freundschaften entwickelt, dafür sind wir dankbar“, sagt Hilde Orlandini, selbst 63 Jahre alt.
Wenn alles gut geht, können sich die Orlandinis schon Mitte des Jahres in ihrem Haus in Altenstadt ihren Hobbies widmen. Nino Orlandini beispielsweise liebt die Gartenarbeit – „jetzt ist dafür eigentlich kaum Zeit“ – und: die Malerei. „Nino ist ein begnadeter Künstler“, bescheinigt ihm seine Frau.
Mehr Zeit für Kunst? Von wegen!
Und tatsächlich: Als Nino 1979 seine Heimat S. Stino auf dem Festland von Venedig verließ, wollte er dadurch mehr Zeit für seine Kunst gewinnen. Hauptsächlich Öl auf Leinwand, ein bisschen Aquarell. In der elterlichen Inneneinrichtungsfirma arbeitete er sieben Tage die Woche quasi rund um die Uhr, da blieb keine Zeit fürs Malen.
„Ich habe meine Anteile verkauft und bin nach Deutschland. “ Bruder Ricardo war schon in Cham und hatte das Orlandini aufgebaut, ursprünglich in der Judenstraße, ehe ie Pizzeria nach Brunnendorf wechselte. „Da bin ich mit eingestiegen. Das Handwerk kannte ich schon von meinen Jobs in Hotels während meines Studiums“, blickt Nino Orlandini zurück. Mit Cham „war es Liebe auf den ersten Blick“. 1987 eröffnet Nino das Restaurant Vier Jahreszeiten auf der Schanze und führt es bis 1995. Danach arbeitet er als Koch in Cham, ehe er das Objekt am Bahnhof von Robert und Christine Hausladen übernimmt und zum Da Virginio ausbaut. Drinnen 60 Plätze in zwei Räumen, liebevoll dekoriert und ausgestattet, jedes Stück handverlesen und selbst ausgesucht. Dazu 40 Plätze draußen beim Gebäude, und noch einmal 40 Freisitze auf dem Bahnhofsvorplatz bei der Mosaik-Theke. Wenn Nino Orlandini von seinem Restaurant spricht, hört man die Liebe heraus. „Wir wollten ein schönes und gemütliches Ambiente.“
Cham ist die Heimat
Cham und seine Menschen wird Nino zur zweiten und neuen Heimat. Gemalt hat Nino Orlandini in den 45 Jahren in Bayern übrigens – kaum. „Zwei oder drei Bilder habe ich geschafft“, grinst der Gastronom etwas verschämt. „Weil wenn ich schon male, will ich auch genügend Zeit dafür haben.“
Das hat er während seiner Zeit als Wirt nicht geschafft. Vielleicht lassen ihm die fünf Enkel, die er sich mit Frau Hilde teilt, dafür im Ruhestand Zeit.
Und was sagen die Orlandinis zu den Gerüchten, dass sie nach Italien ziehen? „Nein hier ist unsere Heimat, Wegziehen nach Italien wollen wir beide nicht.“ Freunde, Familie und Enkel sind ja schließlich auch hier in der Region.
