Pizzeria Orlandini in Cham schließt Ende 2022

Von Tanja Fenzl · 8. Oktober 2022 um 07:30

Die Chamer Gerüchteküche brodelt schon seit einiger Zeit: Das alteingesessene Restaurant Orlandini von Riccardo Orlandini in Brunnendorf schließt. Spätestens zum 31. Dezember ist in dem historischen Gebäude-Ensemble Schluss mit Pasta und Pizza.

Das Aus für Chams älteste Pizzeria kommt voraussichtlich sogar noch etwas früher. „Wir müssen ja noch ausräumen“, sagt Juniorchefin Mimi Orlandini. „Vielleicht müssen wir deswegen schon im November schließen.“

Dabei hatte zunächst alles danach ausgesehen, als ob auch nach dem Besitzerwechsel des Gebäudes alles seinen gewohnten Gang weitergehen könnte. Wie berichtet, hatteViktoria Dankerlein 4000 Quadratmeter großes Areal in Brunnendorf gekauft, zu dem auch das Orlandini-Gebäude gehört. Modernisieren, ohne den Charme und die historische Bausubstanz zu zerstören, ist das erklärte Ziel der Unternehmerstochter und Investorin, die hier vor allem zentrumsnah und erschwinglich Wohnraum, aber auch Geschäftsräume schaffen will. Gleichzeitig, so hatte Dankerl betont, wolle sie die Gastronomie vor Ort erhalten und eventuell sogar mit einer bayerischen Gastwirtschaft ergänzen.

„Wir hatten gleich im Januar ein Gespräch mit Viktoria Dankerl“, bestätigt Mimi Orlandini. Dort sei ihnen versichert worden, dass alles beim Alten bleiben solle, zumindest vorübergehend die nächsten drei, vier Jahre, bis zum Start der Renovierungs- und Umbauarbeiten. Dankerl hatte von der Vorbesitzerin den jährlich erneuerten Pachtvertrag bis Ende 2022 übernommen.

Neuer Vertrag

Dankerl bestätigt, dass sie mit den Pächtern gerne weitergearbeitet hätte. „Aber ich wollte die Pachtverträge vereinheitlichen, es war ein Durcheinander von verschiedenen Pachtverträgen, die wollte ich zusammenführen“, erklärt sie, weshalb den Orlandinis den Angaben zufolge im Juli die Kündigung ins Haus flatterte. Mimi Orlandini bestätigt, dass damit auch ein neuer Vertrag angeboten worden wäre. „Aber da war schon die Rede davon, dass wir unser großes Lager aufgeben müssen und einen Teil des Gartens.“ Für die Orlandini-Juniorchefin ein Wortbruch, zumal das Sommergeschäft im liebevoll hergerichteten „piccola italia“ im Hinterhof die Haupteinnahmequelle des Restaurants bilde.

Jetzt sollten sie auf einmal auf einen Teil dieses Einkommens verzichten. Überdies sei in einem als Ersatz für das Lager angebotenen Raum nicht einmal ansatzweise Platz gewesen für die vielen Dinge, die außerhalb der Saison dort gelagert werden. Tische, Stühle, Bänke, Geschirr, Pflanzen und vieles mehr. „Außerdem wäre gerade der hintere Teil des Gartens weggefallen, wo wir den Spielplatz haben. Ein Außenbereich ohne Kinderspielplatz, das war für uns unvorstellbar“, betont Riccardo Orlandini. Und so resignieren sie - und bestätigen die Kündigung zum 31. Dezember, ohne neu zu unterschreiben.

Traurig blickt sich die 31-Jährige im Restaurant mit dem alten Gewölbe und den liebevoll dekorierten Wänden um. Eigentlich hatte die Tochter des Wirtspaares die Tradition fortsetzen wollen, immerhin ist sie in dem Restaurant groß geworden. „Meine Eltern haben ja angefangen, da war ich noch nicht mal auf der Welt“, sagt sie. Von Kindesbeinen an haben sie und ihr Bruder mitgeholfen, als Teenager im Restaurant bedient. Nicht umsonst hat sie eine Ausbildung im Gastgewerbe gemacht. „Das hat mir immer Spaß gemacht. Und auch, wenn ich woanders gearbeitet habe, um auch etwas anderes zu sehen, hat es mich doch immer zurückgezogen.“ So habe sie vor drei Jahren ihre Eltern beruhigt: „Macht euch keine Sorgen, ich mache schon weiter“, habe sie damals versprochen. Da war klar, ihr Bruder Tobia wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen, hat mittlerweile mit demIrish Pub am Chamer Floßhafensein eigenes Lokal. Mimi wollte das Restaurant der Eltern weiterführen.

Heute sind die Eltern 60 und 64 Jahre alt. Papa Riccardo wirkt im Gespräch sichtlich mitgenommen. 40 Jahre, sein ganzes Leben, stecken in den Räumen. „Wir haben bei der Einrichtung und Deko kein Geld gespart“, sagt der Seniorchef, der gerade noch in der Küche fürs Mittagsgeschäft Vorbereitungen getroffen hat. „Das war ja unser Lebenswerk.“

Und das soll jetzt woanders fortgeführt werden, bestätigt Mimi Orlandini. Seit Wochen suchen die Orlandinis nach einem geeigneten Platz, wo sie den weitum bekannten Namen Orlandini als italienisches Restaurant weiterführen können. „Am liebsten würden wir natürlich direkt in Cham bleiben“, sagt Riccardo Orlandini. Immerhin habe man sich hier über die Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht. „Viele heutige Stammkunden waren schon als kleine Kinder mit ihren Eltern hier bei uns im Restaurant. Und heute kommen sie mit ihren eigenen Kindern zu uns.“ Orlandinis Augen leuchten auf, als er von kleinen Begebenheiten erzählt, die ihm zeigen, dass er Generationen von Chamern verköstigt hat, die ihn und seine Küche zu schätzen wissen.

Angebote aus Straubing

„Wir hatten auch Angebote aus Straubing, aber wir möchten gerne hier bleiben, wo unsere Stammkunden uns weiterhin besuchen können“, sagt Mimi Orlandini. Ein paar Alternativen stünden derzeit zur Auswahl, unter anderem das ehemalige Cafe Dietl, ein Standort in Katzbach, das Casa Rossa an der Kreuzung Cham-Mitte. „Dort wären wir aber im zweiten Stock, kein Platz für Kinder. Wir wollen weiterhin ein Familienrestaurant sein“, macht Mimi Orlandini deutlich. Die Familie Salzberger habe ebenfalls Platz angeboten im Gebäude des Bekleidungsgeschäfts Heilingbrunner, wo derzeit noch der Ausverkauf stattfindet.

Sollte sich in der Kreisstadt selbst nichts ergeben, würden sich die Orlandinis im Landkreis nach geeigneten Objekten umsehen. „Etwas kleiner sollte es sein als das jetzige Restaurant“, sagt Mimi Orlandini, damit sie das Geschäft als zweifache Mama auch in Zeiten von allgemeiner Personalnot in der Gastrobranche stemmen könne. Und ein Außenbereich sowie ein Platz für Kinder stehen ebenfalls auf der Anforderungsliste für den künftigen „Orlandini“.

Das Personal sei bereits gekündigt. Dennoch hofft die Familie, dass es keine allzu lange Übergangszeit geben wird, bis sie in neuen Räumlichkeiten wieder Pizza und Pasta anbieten können. Mimi Orlandini ist bei aller Wehmut auch pragmatisch: „Auf zu neuen Ufern.“

Ob und wann es einen weiteren Gastrobetrieb in Brunnendorf 3 geben wird, darauf hat Investorin Viktoria Dankerl noch keine abschließende Antwort, Es gebe Interessenten, derzeit plane sie Gespräche mit möglichen Nachfolgern. Dem Vernehmen nach könnte es durchaus sein, dass ein bayerisches Gasthaus künftig dort Schweinebraten und Knödel anbietet, wo jetzt noch Bruschetta, Tris al forno und Pizza Capricciosa auf den weithin bekannten gerollten Speisekarten stehen.

Hintergrund

Investment:Im Januar hat Viktoria Dankerl vier Gebäude in Cham-Brunnendorf von einer Erbengemeinschaft gekauft, darunter auch das Gebäude in Brunnendorf 3, in dem die Familie Orlandini seit 40 Jahren Pizza und Pasta anbietet. Das Gebäude steht teilweise unter Denkmalschutz.

Pläne:Dankerl möchte mit Neubau und Sanierung erschwinglichen und notwendigen Wohnraum in der Innenstadt schaffen.