Ende einer Ära: Ingrid und Reinhard Treml haben ihr Restaurant im Schwalbenhof geschlossen

Von David Salimi · 25. November 2024 um 19:00

Die Tische sind leer, der Herd in der Küche kalt, und ein letzter Schatten liegt über dem einst lebendigen Restaurant im Hotel Schwalbenhof in Chamerau. Seit dem 1. November ist hier Schluss – eine Ära in der gastronomischen Landschaft des Landkreises Cham geht zu Ende, und mit ihr schwindet auch ein Stück Heimat für viele Gäste und Freunde des Hauses.

Reinhard und Ingrid Treml sitzen an einem trüben Donnerstagmittag inmitten von Kartons. Zwischen Tassen und Gläsern nehmen sie nicht nur Inventar auf, sondern auch Erinnerungen – flüchtige Momente und tiefe Freundschaften, die sich über 45 Jahre hinweg in den Wänden dieses Gastraums verankert haben. „Wir haben das Restaurant mit Herzblut betrieben“, sagt Ingrid Treml, während sie den Raum mit einem wehmütigen Blick streift.

Vom Rhaner Bräustüberl nach Chamerau umgesiedelt

Seit 39 Jahren führen die Tremls den Schwalbenhof, den sie 1985 von Reinhard Tremls Eltern übernommen haben. Das Hotel und Restaurant selbst besteht bereits seit 1952. Sechs Jahre lang betrieb das Ehepaar zuvor das Rhaner Bräustüberl in Cham, bevor es sich ganz dem Schwalbenhof widmete. Doch ein einschneidender Moment hat das Paar zum Umdenken gebracht: Im Juni erlitt Reinhard Treml einen Herzinfarkt. Im August schließlich fiel dann die Entscheidung, „zwei Schritte zurückzugehen“, wie sie es nennen.

„Mein Mann wird nächstes Jahr 73“, erklärt Ingrid Treml. Beide wissen, dass die tägliche Belastung mittlerweile einfach zu hoch ist. „Wir mussten diesen Schritt gehen“, sagt sie, sichtlich gerührt. „Aber wir möchten die Zeit, die wir in der Gastronomie verbringen durften, nicht missen.“

Und dennoch ist dem Wirtsehepaar die Entscheidung alles andere als leicht gefallen. Immer wieder kämpfen die Tremls während des Gesprächs mit den Tränen. „Ich selbst hatte durchaus meine Probleme mit dem Aufhören. Mein ganzes Herzblut steckt ja in der Gastronomie“, erzählt Ingrid Treml. Besonders die Gäste, die dem Restaurant über Jahrzehnte die Treue gehalten haben, machen den Abschied nicht leicht.

„Vor allem das Umland war bei uns immer stark vertreten“, berichtet sie. Doch auch aus Regensburg, Amberg oder Schwandorf kamen viele, um die bodenständige Küche des Schwalbenhofs zu genießen. Wer bodenständige Küche suchte, fand hier seit jeher ein kulinarisches Zuhause. „Besonders beliebt waren bei unseren Gästen immer die Wildgerichte“, sagt Reinhard Treml. Daneben zogen aber auch Klassiker wie Sauerbraten, Lammhaxe oder Spanferkel im Reindl die Gäste in Scharen an.

Im Sommer seien regelmäßig Rad- und Motorradgruppen, die auf der vorbeiführenden B85 unterwegs waren, einkehrten. Ganz früher sei die Wirtsstube aber auch Anlaufstelle für die Angler und Fliegenfischer im Ort gewesen. Ebenso durfte das Ehepaar im Laufe der Jahrzehnte auch so manche Volksmusikgröße, wie etwa Schlagersängerin Angela Wiedl, das Nockalm Quintett oder die Ursprungbuam, in der Wirtsstube empfangen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Vor allem die Verweildauer der Hotelgäste sei im Laufe der Jahre deutlich zurückgegangen. „Heute bleibt ein Urlaubsgast im Schnitt nur noch drei bis vier Tage“, erklärt Ingrid Treml die Entwicklung.

Mit der Entscheidung das Landhotel mit seinen 30 Betten weiterzuführen, hat das Ehepaar einen Kompromiss geschaffen, der ihnen Raum lässt, die Dinge gelassener anzugehen. Trotz der Schließung des Restaurants soll es für die verbleibenden Hotelgäste keinen Nachteil geben. Das betonen Ingrid und Reinhard Treml deutlich. So wird es für die Gäste im künftigen Hotel Garni etwa weiterhin ein Frühstücksbuffet geben. Dass sie diesen Teil ihres Lebenswerks fortführen können, hilft den Tremls, sich von der Gastronomie zu verabschieden.

Beginn eines neuen Lebensabschnitts

Dankbar blicken die Tremls nicht nur auf die vielen treuen Gäste, sondern auch auf ihr kleines Team zurück – eine Belegschaft, die über die Jahre fast zur Familie geworden war. Vier Kellnerinnen und ein Kellner gehörten zuletzt zum Team. „Einige von ihnen waren bis zu zwanzig Jahre bei uns“, sagt Ingrid Treml nicht ganz ohne Stolz.

Ein Trost in diesen Abschiedstagen ist der Blick nach vorn. „Das erste Mal Weihnachten richtig genießen“, sagt Reinhard Treml, sichtlich bewegt. „Wir waren immer im Einsatz – ob an Fasching, Ostern oder Weihnachten.“ Jetzt wollen sie sich mehr Zeit für die Familie nehmen und das Leben in ruhigere Bahnen lenken.

Durch den Fortbestand des Landhotels ist es nicht auszuschließen, dass der Schwalbenhof auch künftig neue Geschichten schreibt – doch die Leidenschaft, die Höhen und Tiefen und die Menschen, die sie prägten, so scheint es, tragen Ingrid und Reinhard Treml bereits in ihren Herzen. Ihre letzte Botschaft an ihre Restaurantgäste: „Pfiad Gott, schee wars...“

Die Tage des Restaurants sind nach 45 Jahren gezählt.