Haswar Salihi hat sich in Cham seinen langersehnten Traum vom eigenen Friseursalon erfüllt

Seit vergangenem Sommer ist die Chamer Friseurbranche um einen Neuzugang reicher. Am 5. August hat Haswar Salihi in der Ludwigstraße schräg gegenüber des ehemaligen Postamtes seinen eigenen Friseursalon eröffnet und sich damit einen lang ersehnten Lebenstraum verwirklicht. Immerhin war der Weg zum eigenen Geschäft für den gebürtigen Iraker kein einfacher, wie er im Gespräch erzählt.
Die persönliche Erfolgsgeschichte beginnt im Jahr 2018 nahe der irakischen Großstadt Kirkuk: einerseits fest gesettelt mit eigenem Haus, Frau und Kind und dennoch inmitten politischer und ethnischer Unruhen vor einer ungewissen Zukunft stehend, entscheidet sich der heute 31-Jährige, mit seiner kleinen Familie das Land zu verlassen. Salihis Ziel: ein Leben in Sicherheit und Wohlstand für seine Frau, ihn selbst und nicht zuletzt sein Kind – in Europa. „Ich wollte eine gute Zukunft für meine Tochter“, erzählt er.
Im April 2019 erreicht Salihi nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt in Griechenland schließlich Deutschland und verbringt die ersten sieben Monate im Regensburger Anker-Zentrum in der Bajuwarenstraße. Später geht es nach Furth im Wald, von wo aus Salihi erste Kontakte nach Cham knüpft. Einige Zeit pendelt er in die Kreisstadt, um dort bei einem Friseur erste berufliche Erfahrungen auf deutschem Boden zu sammeln – für ihn ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Er macht sich einen Namen als Friseur und baut sich einen Kundenstamm hier auf.
Bürokratische Hürden überwunden
Mit der Zeit wird der Wunsch nach einem eigenen Geschäft in der neuen Heimat größer: „Ich wollte einfach eigene Entscheidungen treffen“, begründet Salihi seinen Traum. Doch zunächst warten auf den jungen Familienvater einige Hürden: bürokratische Hürden verbunden mit zahlreichen Behördengängen und später die Organisation der Innenausstattung des neuen Ladens.
Eine große Hilfe ist ihm in dieser Zeit seine Cousine Dalya, ebenfalls Friseurin, die zu dieser Zeit noch in München arbeitet. Sie ist es auch, die ihm letztlich zum Traum vom eigenen Friseursalon verhilft, indem sie als Meisterin mit in das neue Geschäft in Cham einsteigt. Der Meisterbrief fehlt Salihi nämlich, um sich nach dem deutschen Gesetz im Friseurgewerbe selbstständig machen zu können.
Zwar hat Salihi schon im Irak als Friseur gearbeitet. Weil es dort aber keine Berufsschulen dafür gibt, ist er zumindest auf dem Papier in Deutschland kein Friseur. Durch Aushilfsjobs im Salon eines befreundeten Friseurs in der Heimat hat er sich jedoch über mehrere Jahre Techniken und Wissen angeeignet, mit denen er heute in seinem Chamer Salon bei den Kunden punkten kann.
So bietet er neben klassischen arabischen Frisurtechniken die traditionelle Bart- und Augenbrauenrasur an und ist zudem über die neuesten Frisurentrends im Bilde. „Die meisten meiner Kunden sind dadurch natürlich jünger“, erzählt er.
Geschäftsführung gemeinsam mit Cousine
Bislang hat Salihi das Kundenaufkommen in seinem Salon, dem er den Namen By Saly gegeben hat, alleine mit Dalya bewältigt. Sollte sich das Geschäft weiter gut entwickeln, spiele er mit dem Gedanken, zusätzlich jemanden einzustellen. Bislang hat sich das Duo die Arbeit aber gut aufgeteilt und harmoniert auch ansonsten bestens miteinander. „Ich kann nicht ohne sie, und sie kann nicht ohne mich“, sagt er scherzhaft. Dalya kümmert sich mehrheitlich um die Damenfrisuren, während sich Haswar den männlichen Kunden annimmt.
Unterstützung erfährt der 31-Jährige auch ansonsten von seinen Verwandten – soweit dies aufgrund der Entfernung möglich ist. Zumindest einige von ihnen leben in Bayern, darunter auch zwei seiner insgesamt zehn Geschwister. Sie hat es nach München verschlagen. Immer wenn er sie besucht, werde er gefragt, ob er nicht auch in die bayerische Landeshauptstadt ziehen und dort einen Salon betreiben möchte. Für Haswar Salihi kommt das aber nicht infrage. Auch wenn das Leben in einer größeren Stadt seine Reize hat, wäre es ihm dort auf Dauer zu hektisch.
Cham anstatt Großstadt
Hier in der Oberpfalz hat er sich hingegen in den vergangenen Jahren fest eingelebt. „In eine größere Stadt möchte ich gar nicht. Mein Herz liegt tatsächlich hier in Cham“, betont der Familienvater. Seine Tochter besucht hier inzwischen die dritte Klasse. Zudem hat seine Frau noch einen Sohn zur Welt gebracht: „Mein deutsches Kind“, sagt Haswar Salihi und lacht dabei. Mit ihnen möchte der Salon-Inhaber hierbleiben, um ihnen ein gutes Leben bieten zu können.
Auch für die Zukunft seines Geschäfts hat er einige Pläne im Kopf − was genau, das möchte er jetzt aber noch nicht verraten. Fest steht für ihn jedoch, dass er seinen Kindern einmal den Laden überlassen möchte. Bis dahin zieht aber noch einige Zeit ins Land...
