Sana-Beschäftigte im Landkreis Cham fordern mehr Lohn: Wie wertvoll ist die Pflege?

Das elfte Gebot hatten die Sana-Beschäftigten weit sichtbar ans Geländer neben dem Haupteingang gehängt: „Du sollst nicht bei der Pflege sparen!“
Zu Corona-Zeiten noch vielfach von Politik und Bevölkerung mit Beifall und Lob gewürdigt, sehen sich die Sana-Pflegekräfte heute als Sparopfer. Sie fordern in den Haustarifverhandlungen einen ordentlichen Nachschlag, um zumindest wieder näher an die Normalbezahlung im öffentlichen Dienst heranzukommen.
Mit solchen und ähnlich kreativen Plakaten und Bannern hatten sich mindestens 200 Sana-Beschäftigte am Mittwoch bewaffnet, um ihre Mittagspause protestierend auf den Gehwegen vor dem Haupteingang zu verbringen.
Viel Unmut war auf den oft handgemalten Plakaten zu lesen – von „Unverschämt“, „Respektlos!“ über „Schämt Euch!“ oder den Slogan „Ihr nutzt unser soziales Gewissen aus!“ bis zu „Kein Krankenhaus funktioniert ohne Pflegekräfte“ oder die anklagende Frage „Wir sind euch 3,5 % wert?“ Das, was da zu lesen sei, gebe die Stimmung durchaus wieder, sagte Betriebsratsvorsitzende Andrea Höpfl. Die Mitarbeiter seien bereit, für eine bessere Bezahlung zu kämpfen. Das, was da bislang angeboten worden sei, zeige keinerlei Wertschätzung für die Pflegekräfte.
Sana-Beschäftigte hätten mehr verdient
Sven Czekal von Verdi Regensburg forderte die Sana-Beschäftigten auf, laut zu sein, um der Geschäftsführung der Kliniken klar zu machen, dass die Beschäftigten die Nase voll hätten und eine faire Bezahlung einfordern würden. „Wir gehen für unsere Rechte auf die Straße“, so Andrea Höpfl. Er kenne normalerweise solche „aktiven Mittagspausen“ mit 20 oder 30 Leuten – „aber hier ist gleich die halbe Klinik da!“
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Die Sana-Beschäftigten hätten mehr verdient als das, was geboten werde. „Ihr könnt nichts für die Weltlage, dass Gas teurer ist und der Joghurt das Doppelte kostet – aber ihr müsst es mit ausbaden!“, so Czecal wie auch sein Kollege Heinz Neff über den Lautsprecher. Gute Arbeit müsse gut bezahlt werden, daher sei die 13,5 Prozent-Forderung mehr als berechtigt – zumal Cham nach den letzten Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst massiv nachhinke.
Er erläuterte auch, warum es nach der Mittagspause auch noch per Demo zum Landrat gehe, denn ein Viertel der Kliniken gehört noch dem Landkreis. „Der Landrat sollte sich für eure Interessen einsetzen!“ Schließlich gehe es auch um eine gute Versorgung der Landkreisbürger, denn wer Pflegekräfte schlecht bezahle, habe irgendwann keine mehr.
Auch wenn Sana für die Chamer Häuser zuletzt ein Minus ausweisen musste und die wirtschaftliche Lage für das magere Angebot anführen würde, seien sie doch in einem Konzern, der Millionen Gewinne einfahre. Vor dem Landratsamt machten etwa 100 Sana-Beschäftigte ihrem Unmut Luft und verkündeten lautstark ihre Forderungen. Der Landrat erntete Buhrufe, weil er auf einem anderen Termin in München war und auch keinen Vertreter geschickt hatte.
Er habe weder von Verdi noch von anderen Arbeitnehmervertretern eine Einladung zur Veranstaltung erhalten, erläuterte sein Pressesprecher später dazu. Der Landrat sei bei einem wichtigen Termin mit Bayerns Finanzminister sowie den Präsidenten und Geschäftsführern der kommunalen Spitzenverbände gewesen.
Dies ändere nichts an der Tatsache, dass Löffler den Tarifstreit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Verantwortung des Landkreises Cham, für eine flächendeckende und zukunftsfähige medizinische Versorgung für die Menschen in der Region zu sorgen, sei sich Löffler entgegen der Behauptungen von Herrn Czekal sehr wohl bewusst.
Forderungen und Angebote
Forderungen: Die Forderungen von Verdi und der Vertreter der Tarifkommission wollen ein Lohnplus von 13,5 Prozent für 630 Sana-Beschäftigte erreichen. Dazu soll es die vollen 3000 Euro an Inflationsausgleich geben. Besonders im Blick haben die Arbeitnehmervertreter die Beschäftigten der Schicht, die mindestens zehn Tage Zusatzurlaub erhalten sollten. Eine Treueprämie für Langzeitbeschäftigte und eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten ist noch gefordert.
Angebote: Die Sana-Vertreter boten bisher einen Inflationsausgleich von 1500 Euro, ein Plus bei der Wechselschichtzulage von 75 Euro ab Juli 2024 und eine Lohnsteigerung von 3,5 Prozent ab Januar 2025. Die nachhaltig gesunkene Auslastung des Krankenhauses auf der einen Seite und die massiven Kostensteigerungen auf der anderen Seite belasteten die wirtschaftliche Gesamtsituation der Sana Kliniken des Landkreises Cham sehr, so die Auskunft von Sana zur Lage.
