Zweite Vergewaltigung in Regensburg erfunden? Richterin schickt Frau (28) in Haft

Nach vorgetäuschtem Übergriff, der in ganz Deutschland für Schlagzeilen sorgte, hat eine heute 28-Jährige ihren Ex-Freund belastet. Die Behörden griffen diesmal durch – die wohnsitzlose Russin sitzt nun im Gefängnis und wartet auf ihren Prozess.
Im Januar rücken zwei mutmaßliche Vergewaltigungen am helllichten Tag die Stadt in den Fokus bundesweiter Berichterstattung. Beide Taten waren wohl erfunden. Im Fall der damals 27-Jährigen, die im Fürst-Anselm-Park von arabisch aussehenden Männern vergewaltigt worden sein wollte, drehte sich das Bild schnell. Als sie nun wieder eine Vergewaltigung anzeigte, die es nie gab, reichte es den Ermittlern. Die junge Frau sitzt jetzt in U-Haft. Wahren Opfern solcher Taten schadet so etwas immens.
Massive Probleme mit Intensivtätern, vorwiegend mit Migrationshintergrund, hatten Regensburg über Monate hinweg Schlagzeilen beschert, die keine Stadt braucht. Von Raubzügen, Drogen sowie Vergewaltigungen war die Rede – dass sich die beiden Sexualverbrechen vom Jahresanfang niemals bestätigten, ging eher unter. Dabei waren es genau die Vorfälle im Bahnhofsumfeld, die größte Verunsicherung auslösten und einem Elternbrief, der von den St. Marien-Schulen seit 17 Jahren verschickt wird, ungeahnte Aufmerksamkeit bescheren sollten. Bis zu AfD-Chefin Weidel, die dessen Inhalte zitierte.
Das war Anfang Februar, zu einer Zeit, als klar war, dass die erste der zwei angezeigten Vergewaltigungen nicht auf Tatsachen beruhte. Die Polizei ermittelte da bereits gegen die damals 27-Jährige. Nur gut zwei Wochen später folgte der Paukenschlag im zweiten Fall: Das Amtsgericht hob die Haftbefehle gegen zwei junge Tunesier wieder auf, die zunächst durch Aufnahmen von Überwachungskameras identifiziert worden waren. Anfang August stellte die Regensburger Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen dann ein. Weil das, was die vermeintlich Geschädigte aussagte, teils widersprüchlich, nicht glaubhaft und wenig detailliert war, so die Begründung.
Klare Parallelen zu einem zehn Jahre älterem Fall
Gegen die Frau, die an der Römermauer vergewaltigt worden sein will, wurde nie ermittelt. Anders als im Fall des vermeintlichen Opfers vom Obelisken im Fürst-Anselm-Park. Als sie am 2. September gegen Mittag bei der Polizeiinspektion Regensburg-Süd erschien, dürfte den Ermittlern früh klargewesen sein, wer da vor ihnen stand – und erneut eine Vergewaltigung anzeigte. Was die heute 28-Jährige der Polizei geschildert haben soll, erinnerte sehr stark an die „Akte Isarstraße“ – ein Fall, der 2014 für den größten Polizeieinsatz des Jahres sorgte. Damals hatte eine Auszubildende behauptet, vermeintlich von Männer im Auto verschleppt, vergewaltigt und nackt im Norden Regensburgs ausgesetzt worden zu sein. Sie wurde dafür später zu einer Bewährungsstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
Eine Strafe droht wohl auch der 28-Jährigen im jüngsten Fall. Als die Kripo die Bearbeitung ihrer neuen Anzeige übernahm, soll sie am 3. September die Vorwürfe gegen ihren Ex-Freund und einen unbekannten Mann wiederholt haben: Die hätten sie ins Auto gezerrt, sich die ganze Nacht teils gleichzeitig an ihr vergangen und sie dann freigelassen. Als die Ermittler die Frau mit den Ergebnissen erster Überprüfungen konfrontierten, soll die 28-Jährige dann eingeräumt haben, das alles erfunden war. Im Gegensatz zur Anzeige von Januar, die als Vortäuschen einer Straftat geahndet werden kann, erfüllte dieser neue Vorfall eine falsche Verdächtigung. Das sagte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Anfrage und bestätigte, dass die 28-Jährige in U-Haft sitzt. Laut MZ-Recherchen wegen Fluchtgefahr, da die gebürtige Russin keinen festen Wohnsitz hat.
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Fälle wie dieser, wo sich ein angezeigtes Sexualdelikt nachweislich als frei erfunden darstellt, „sind selten“, sagte Rauscher. Ermittler wüssten auch um diese Gefahr, weshalb „regelmäßig das Tat-Randgeschehen abgeklärt“ werde. So seien im Januar früh Zweifel an Aussagen der Frau aufgekommen. Nach MZ-Recherchen wurden damals zwei Verdächtige festgenommen, nach DNA-Abgleichen aber zerschlugen sich jedwede Verdachtsmomente. Die von der Frau nun bezichtigten Personen im neuen Fall wurden dagegen nicht behelligt.
Immenser Schaden für wahre Opfer solcher Taten
„Jede einzelne erfundene Vergewaltigung schadet nur den wirklichen Opfern sexueller Gewalt“, sagt Rauscher. Auch Opferanwältin Shirin Ameri kennt das nur zu gut: „Deren größte Angst ist es, dass ihnen nicht geglaubt wird, wenn sie eine Tat zur Anzeige bringen.“ Sowas schadet deren Glaubwürdigkeit, aber auch dem Ruf falsch Beschuldigter, weshalb die Justiz Fälle wie diesen „konsequent verfolgt“, so Rauscher. Dass diese Worte auch ernst gemeint sind, zeigt die aktuelle Festnahme der 28-Jährigen.
Mildernd könnten bei ihr womöglich persönliche Hintergründe wirken: Die 28-Jährige soll als alkohol- und drogenabhängig bekannt sein. Als sie nach Wochen, in denen sie von der Polizei per Haftbefehl gesucht wurde, ins Netz ging, soll sie weit über zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Strafverteidiger Philipp Janson, der die Frau vertritt, wollte auf Nachfrage weder dazu, noch zu den Vorwürfen Stellung nehmen. „Wir warten ab, bis die Akten vorliegen“, sagte er.
Fakt ist: Was die Frau fälschlicherweise anzeigte, löste ein riesiges Echo aus und sorgte für Verunsicherung. Vor allem an letzterem dürfte auch ihre Verhaftung kaum etwas ändern.