Vier Intensivtäter in Regensburg erneut in Haft – Rückfallquote „überraschend gering“

76 Mehrfach-Intensivtäter hat die Regensburger Staatsanwaltschaft auf dem Zettel – nun sitzen die ersten trotz Verurteilung schon zum zweiten Mal in U-Haft. So ordnete die Staatsanwaltschaft die Fälle ein.
24 Tage liegen zwischen einer Verurteilung und der erneuten Festnahme: Am 8. Juni ist ein jugendlicher Mehrfach-Intensivtäter zum zweiten Mal in U-Haft gegangen. Doch er ist nicht der erste – vier Tunesier, die Spezial-Staatsanwalt Konstantin Voges auf der Liste hat, sind seit einer ersten Verurteilung wieder rückfällig geworden. Die Quote der Wiederholungstäter ist bedauerlich, sagen die Regensburger Ankläger, aber auch überraschend gering. Eine Bilanz.
Die Männer, für die seit Mitte November vergangenen Jahres ein eigenes Referats bei der Regensburger Staatsanwaltschaft geschaffen wurde, sind im Durchschnitt zwischen 18 und 26 Jahren alt, größtenteils aus Tunesien und begehen oft kurz nach ihrer Einreise in Deutschland, binnen kürzester Zeit eine Vielzahl von Straftaten. Wie gravierend das Problem zuletzt tatsächlich war, ließ die Präsentation der Kriminalstatistik erahnen: Regensburg sei „von der Kriminalität überrollt worden", sagte die Polizei.
Alle 76 Intensivtäter sitzen aktuell in U-Haft
Mitte November wurde reagiert. Mit dem Spezialreferat bei der Staatsanwaltschaft sowie engerer Zusammenarbeit war eine schnellere Strafverfolgung das erklärte Ziel. Dafür stimmen sich Kripo, Schutz- und Bundespolizei sowie Behörden seither ab. So sollen Intensivtäter früher vor Gericht gebracht werden – taucht ein Name wiederholt auf, wird derjenige einer der Probanden, auf die Spezial-Staatsanwalt Voges ein besonderes Auge hat. Aktuell sind das exakt 76, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bestätigt, die alle in Untersuchungshaft sitzen.
Deren Fälle, die im Eiltempo zum Amts- oder Landgericht angeklagt werden, weisen viele Parallelen auf: Diebestouren in Einkaufsmärkten, vorrangig auf der Suche nach Elektronik oder Kleidung, Hausfriedensbrüche und Beleidigung, Antanz-Tricks in Nachtclubs und auf Regensburgs Straßen, um an Geldbeutel oder teure Handys zu kommen. Und immer wieder kommt es auch zu Gewalt – ob im Fürst-Anselm-Park, wo mit Flaschen aufeinander eingeschlagen wurde, oder in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge.
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Dafür standen viele der Täter auch vor Gericht. 40 Urteile bilanziert Rauscher, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, und bereitet die strafrechtlichen Folgen der Straftaten auf Nachfrage auch näher auf. Das Bild, das sich zeichnet, ist zweigeteilt: Die Hälfte der so genannten MIT (Mehrfach-Intensivtäter) hat von den Regensburger Richtern und Strafkammern Haft auf Bewährung bekommen. „Im Bereich von zehn Monaten bis zu einem Jahr und vier Monaten“, so Rauscher. Der andere Teil sei im Gefängnis geblieben – mit Urteilen zwischen acht Monaten und bis zu drei Jahren.
„Insgesamt befinden sich nun vier Beschuldigte zum zweiten Mal in Untersuchungshaft“, bestätigte Rauscher. Wieder gibt es auch hier Parallelen, denn „alle haben gemein, dass sie zu erheblichen Bewährungsstrafen verurteilt und bereits kurze Zeit nach ihrer Haftentlassung wieder straffällig geworden sind“. Alle vier sind Tunesier, fielen wegen einschlägiger Diebstähle erneut auf. Nur wenigen Wochen nach ihrem Prozess, mit dem bei Bewährungsstrafen die U-Haft sofort endete.
Spitzenreiter war ein Jugendlicher, der am 15. Mai entlassen und bereits am 8. Juni wieder festgenommen wurde. Wieder soll der junge Tunesier Elektroartikel im dreistelligen Eurobereich gestohlen haben. Erstmals kam ein MIT am 19. April das zweite Mal in Untersuchungshaft. Der letzte im Rückfall-Quartett machte vor wenigen Tagen Schlagzeilen: Der 27-Jährige hatte nach MZ-Recherchen zwei Landsleute bezichtigt, ihn beraubt zu haben. Die landeten daraufhin im Gefängnis, wurden aber wieder entlassen, als klar wurde, dass die Vorwürfe wohl erfunden waren. Nun steht der Mann im Verdacht, genau dieselbe Tat begangen zu haben und kam das zweite Mal in U-Haft.
Ankerzentrum-Chef: „Situation hat sich beruhigt“
Dennoch: Der Kampf gegen Mehrfach-Intensivtäter in Regensburg zeigt erste Wirkung. Das meinten zuletzt Geschäftsleute und der Leiter des Ankerzentrums, Karl Heinz Kreuzer. „Die Regensburger Situation hat sich etwas beruhigt“, sagte er im MZ-Interview, „die Maßnahmen von Polizei und Gerichten wirken.“ Die Frequenz, mit denen die meist aus Tunesien stammenden Männer (nur etwa fünf Prozent stammen aus Algerien, Iran, Tschechien und Syrien, aber auch Deutschland, so die Staatsanwaltschaft), bei Ermittlungsrichtern sitzen, hat spürbar abgenommen.
„Die Rückfallquote liegt aus unserer Sicht weit unter dem Durchschnitt vergleichbarer Fälle“, sagte Oberstaatsanwalt Rauscher. Er betonte zugleich: „Wir lassen nicht nach.“ Auch nach einer Entlassung auf Bewährung blieben die Intensivtäter auf dem Radar und würden „sehr eng beobachtet“.