LKA ermittelt nach Schüssen in Regensburg – Senior (75) hatte Sportwaffe versteckt

Von André Baumgarten · 25. Juni 2024 um 09:00

Der tatverdächtige Senior und die beiden Opfer aus Regensburg waren fast Nachbarn. So erlebten Anwohner den Polizei-Großeinsatz nach den Schüssen auf das junge Pärchen. Die Polizei hat mittlerweile drei weitere Vorfälle in den Blick genommen.

Nach den Schüssen am Ufer des Regens hat die Polizei einen Senior im Fokus. Der Mann soll mit einem Luftgewehr auf ein Pärchen geschossen haben – womöglich, weil sie ihm zu laut waren. Unbekannt waren dem 75-Jährigen der junge Mann und seine Freundin aber offenbar nicht. Sie wohnen ebenfalls in Reinhausen, nicht weit weg vom Verdächtigen. Das ergaben Recherchen der Mediengruppe bayern. Die Ermittler prüfen mittlerweile drei weitere Vorfälle. „Bei uns hat sich ein neuer Zeuge gemeldet“, bestätigte Polizeisprecher Thomas Hasler auf Anfrage.

Mindestens dreimal soll der Senior am späten Abend in der Oberen Regenstraße auf mehrere Menschen geschossen haben. Im Dunkeln muss er die 19 und 26 Jahre jungen Opfer anvisiert und abgedrückt haben. Getroffen wurde die junge Frau am Knöchel, ihr Freund sogar am Kopf. Womöglich zielte der 75-Jährige aus dem Nichts und drückte ab: „Ein vorangegangener Streit oder eine Auseinandersetzung sind uns nicht bekannt“, so Hasler. Die Ermittlungen zu den Hintergründen liefen allerdings noch, wie der Polizeihauptkommissar auf Anfrage betonte.

Nachbarn harrten über Stunden hinter Absperrungen aus

Anwohner schildern das Ganze so: Gegen 23 Uhr seien Rettungskräfte und ein riesiges Polizeiaufgebot in der Oberen Regenstraße im Norden der Stadt vorgefahren. „Es wurde alles komplett abgesperrt“, erzählt eine Augenzeugin. Selbst nicht betroffene Nachbarn hätten über Stunden hinter Absperrungen ausharren müssen und erst gegen 4 Uhr morgens zurück in ihre Häuser gedurft. „Es war für die Einsatzkräfte zunächst nicht abzuschätzen, ob noch Gefahr droht“, sagte Polizeisprecher Hasler zu Hintergründen des Einsatzes. „Dass weiter geschossen wird, war da noch nicht ausgeschlossen.“

Noch am Abend hatten bewaffnete Einsatzkräfte, wie berichtet, die Wohnung in einem nahen Mehrfamilienhaus gestürmt und durchsucht. Fündig waren sie zunächst nicht geworden – der Bewohner hatte ein Alibi vorweisen können, hieß es. Auch die zweite Durchsuchung am Freitag in der Früh brachte nicht sofort die erhoffte Klarheit: Der 75-Jährige soll das Luftgewehr der Marke Diana in seiner Wohnung nämlich versteckt haben. Polizeisprecher Hasler wollte dazu keine näheren Angaben machen, bestätigte jedoch, dass auch Munition beschlagnahmt wurde.

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Auch das Landeskriminalamt in München wird in dem Regensburger Fall tätig: Spezialisten des Kriminaltechnischen Instituts sollen die Sportwaffe untersuchen, wie Hasler bestätigte. Ob, wie bei einer scharfen Schusswaffe, auch hier zuordenbare Spuren gefunden werden, sei allerdings offen. Fakt ist: Schüsse aus Luftdruckwaffen sind nicht dazu geeignet, jemanden damit zu töten. Projektile modernerer Luftgewehre werden auf teils mehr als 300 Meter pro Sekunde beschleunigt. Fachleute sind sich einig – würden Weichteile getroffen, sind schwerste, wenn nicht lebensgefährliche Verletzungen aber möglich.

Der Besitz solcher Sportwaffen ist laut Polizei nicht strafbar, unterliegt aber selbstverständlich Regeln: Genutzt werden dürfen sie nur im Privatbereich – ohne Beschränkungen. Die Verantwortung, dass dabei niemand verletzt werden kann, liegt beim Besitzer. In der Öffentlichkeit sind Luftdruckwaffen jedoch tabu und dürfen nur mit Waffenschein offen getragen werden, so der Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg-Nord. Ausnahmen gelten für Sportschützen, die sie „natürlich mit gesonderter Sicherung“ zu Training oder Wettbewerben transportieren dürften.

Polizei bestätigt: Zeuge meldet noch unbekannte Vorfall

Am Tatort vor einer Bank am Regen in Reinhausen sind Tage nach dem Vorfall noch Markierungen der Spurensicherung zu sehen. Gegen den Verdächtigen wird wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Dass im Umfeld in jüngerer Vergangenheit mehrfach Schüsse fielen, ist laut Hasler Teil der Ermittlungen. Laut Recherchen der Mediengruppe Bayern geht es um zwei Vorfälle 2023. Zudem soll ein weiterer gemeldet worden sein. „Nach den Presseberichten hat sich ein Zeuge gemeldet“, bestätigte der Polizeisprecher. „Auch dazu ermitteln wir nun weiter.“

Auf die Opfer, hört man im Umfeld der Oberen Regenstraße, scheinen einige Nachbarn nicht gut zu sprechen zu sein. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede davon, sie seien zuletzt öfters aufgefallen. Auf vorsichtige Kritik wegen des Lärms seien vulgäre Beleidigungen gefallen, hieß es. Was die Tat des 75-Jährigen vom 18. Juni aber keineswegs rechtfertigen soll, da sind sich alle einig.

Ermittler sicherten Blutspuren und mehrere Geschosse (siehe rechts) direkt an der Hochwassermauer. Foto: Baumgarten