Anklage erhoben: Kommt Millionen-Klau bei BMW in Regensburg bald vor Gericht?

Aus dem BMW-Werk in Regensburg verschwanden Tausende Teile – bei Ermittlungen fiel dem Werksschutz bald ein 29-Jähriger auf, der seit Mai in U-Haft sitzt. Gegen den Mann wurde nun Anklage zum Landgericht erhoben. Die heiße Ware verschwand offenbar in Polen.
Hat ein einziger Mitarbeiter bei BMW den Automobilhersteller um Millionen erleichtert? Das wird einem 29-Jährigen vorgeworfen. Der junge Mann aus dem Landkreis Schwandorf soll in weniger als sechs Monaten bei den Schichten sündteure Ersatzteile mitgehen lassen haben – die sollen danach in Polen gelandet und verkauft worden sein. Auch die Lebensgefährtin des Angeklagten steht im Fokus.
Ab November 2023 hatte der 29-Jährige bei BMW in Regensburg angeheuert. Zunächst lief es wohl gut mit dem neuen Job. Ermittlungen des Werksschutzes brachten dann ein Verfahren ins Rollen, das Ermittler der Kripo nach Bruck in der Oberpfalz führte und den Verdächtigen schließlich Anfang Mai in Untersuchungshaft brachte. Mehr als 500 BMW-Ersatzteile, unter anderem Rückfahrkameras und auch Radarsensoren, wurden bei einer Razzia bei dem Mann sichergestellt.
Aufgekommen sein soll der Verdacht gegen den 29-Jährigen, nachdem bei BMW in Regensburg ganz erhebliche Fehlbestände festgestellt worden waren. Anhand von Videoaufnahmen soll der Werksschutz bald auf die Spur des Mitarbeiters gekommen sein. Das Unternehmen erstattete dann Anzeige. Der Mann soll allein bei einer Tat mehr als 1000 der Rückfahrkameras vom BMW-Werksgelände in der Herbert-Quandt-Allee geschmuggelt haben. Der Konzern wollte sich nicht zu Details äußern. Zu laufenden Verfahren nehme man grundsätzlich keine Stellung, teilte eine Sprecherin mit.
Hunderte Kilo Gold und die Russenmafia
Der Fall weckt Erinnerungen an eine mutmaßliche Diebesbande, die 2021 große Schlagzeilen machte: Elf Tatverdächtige sollen über Jahre im großen Stil bei Osram Opto Semiconductors in Regensburg zugeschlagen haben – und dort Jahr für Jahr mehr als 100 Kilo Gold und Platin entwendet haben. Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür aber am Ende nur ein einziger Mann. Der räumte ein, mit Hosentaschen voller Gold einfach aus dem Werk hinaus spaziert zu sein. Alle anderen Tatverdächtigen schwiegen sich aus. Fünfeinhalb Jahre Haft lautete das Urteil des in dem Fall zuständigen Landgerichts im Frühjahr 2022.
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Immer wieder war zuvor von Russenmafia die Rede. So nämlich soll das Gold im zweistelligen Millionenwert in Lastwägen auf direktem Weg nach Kaliningrad gebracht worden sein, versteckt in doppelten Ladeböden. Beweise gab und gibt es dafür keine – aufgetaucht ist allerdings bis heute kein einziges Gramm. Und: Wie ein Mitarbeiter vor Gericht sagte, ging der Goldklau weiter. Nur als die Ermittler der Kripo im Werk waren, sei der Schwund deutlich gesunken. 2020/21, also vor dem Prozessstart, waren erneut 86 Kilogramm weg.
Bei der Krones AG in Neutraubling machten 2023 sieben Männer vermeintlich das Geschäft ihres Lebens: Sie landeten vor Gericht, weil sie über 100 Tonnen Buntmetall in Lastwagen vom Werksgelände gefahren haben und dann verkauft haben sollen. Gegen drei Angeklagte wurde das Verfahren eingestellt, alle übrigen gestanden und machten ein Deal. So kamen sie mit Bewährungs- und Geldstrafen davon. Auch das war kein Einzelfall – „Fälle wie diese haben wir immer wieder“, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Gelegenheit mache oft Diebe.
Angeklagter soll Ware nach Osteuropa verkauft haben
Im nun angeklagten Fall bei BMW soll der 29-Jährige mit deutsch-polnischer Staatsbürgerschaft die heiße Ware nach Osteuropa verkauft habe – davon sind die Ermittler laut Recherchen der Mediengruppe Bayern fest überzeugt. Auf welchen dubiosen Kanälen die Beute im Millionenwert dort teils neue Besitzer fand, konnte wohl am Ende nicht vollständig geklärt werden. Die schlichte Menge an Diebesgut, die im Raum steht, ist unfassbar: Es soll um Teile im Wert von über zwei Millionen Euro gehen.
Neun Fälle von gewerbsmäßigem Diebstahl umfasst die Anklage gegen den jungen Mann. Wie Landgerichtssprecherin Ruth Koller auf Nachfrage bestätigte, liegt eine entsprechende Anklageschrift vor. Zuständig sei dafür die jüngst ins Leben gerufene zehnte Strafkammer. Termine für einen Prozess gebe es derzeit nicht, es sei noch nicht über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung entschieden.
Half seine Freundin dem 29-Jährigen bei der Tat?
Der Angeklagte ist außerdem nicht der Einzige, der sich wegen des Ersatzteile-Diebstahls bei BMW wohl bald vor Gericht verantworten muss. Wie Rauscher, der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, bestätigte, läuft auch gegen die Lebensgefährtin des Mannes ein Ermittlungsverfahren. Wegen Begünstigung – sie soll, unmittelbar bevor die Kripo zu einer Durchsuchung in Bruck (Lkr. Schwandorf) anrückte, die letztlich dennoch sichergestellten mehr als 500 Rückfahrkameras versteckt haben.
Der Frau drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Gefängnis oder Geldstrafe, ihrem Lebensgefährten dagegen sogar bis zu zehn Jahre Haft.