Seit langem ein Wunsch: In Schwandorf ist ein neues Ärztehaus an der Autobahn geplant

Zuletzt wurde das Gewerbegebiet Am Brunnfeld – beim Globus – vor zwei Jahren erweitert. Damals siedelte sich die VR Bank Regensburg-Schwandorf neben der McDonald’s-Filiale an. Bald könnte der Gewerbe- und Handelsstandort weiter wachsen: In direkter Nachbarschaft zur VR Bank ist ein Ärztehaus geplant.
Das Vorhaben wurde jetzt im Schwandorfer Bauausschuss vorgestellt. Die VR Bank hat den Antrag auf Bauvorbescheid eingereicht. Demnach ist ein Ärztehaus mit acht Praxen sowie einer Apotheke und einem Café vorgesehen. Entstehen soll ein mehrstöckiges Gebäude.
Damit das medizinische Zentrum an dem Standort entstehen kann, musste der Bauausschuss über eine Befreiung von der Art der baulichen Nutzung entscheiden. Bisher sind in dem Gebiet Handel und Gastronomie erlaubt.
Die Festsetzungen seien bereits 2009 getroffen worden. Seither hätten wirtschaftliche Aspekte den Einzelhandel stark verändert, begründete der Bauherr die beantragte Befreiung. Aus Sicht der Verwaltung sei die Abweichung städtebaulich vertretbar, da bereits mit der VR Bank die direkt angrenzende Fläche anders als ursprünglich vorgesehen genutzt werde. Dass es schon einzelhandelsfremde Dienstleistungen wie eine SB-Waschstation und eine Bankfiliale gebe, darauf verwies auch der Bauherr in seiner Begründung.
Früher gab es eine Apotheke im Globus
Für ein Ärztehaus bestehe in Schwandorf schon seit längerem ein hoher Bedarf, argumentierte der Bauherr. Nachdem mehrere Arztpraxen in Schwandorf geschlossen wurden, war eine Verbesserung der medizinischen Versorgung von den Stadträten wiederholt gefordert worden. Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) hatte in der Vergangenheit wiederholt versichert, sich dafür einsetzen zu wollen.
Des Weiteren sei eine Apotheke ein zwingend notwendiger Bestandteil eines Ärztehauses, so der Bauherr. Im Globus-Markt gab es früher mal eine Apotheke, die aber schon vor einigen Jahren geschlossen wurde. Es war nicht die einzige Apotheke, die in den vergangenen Jahren in Schwandorf ihren Betrieb eingestellt hatte. Zuletzt machten 2022 die Schwanen-Apotheke an der Wackersdorfer Straße sowie im Vorjahr die St. Wendelin Apotheke am Marktplatz dicht.
„Die Apotheke im Ärztehaus ist somit weder als Konkurrenz zu bereits bestehenden Betrieben im Bebauungsplangebiet noch zu innerstädtischen Sortimenten anzusehen“, hieß es vonseiten des Bauherrn.
Befreit werden wollte er nicht nur von der Art der baulichen Nutzung. Eine Ausnahme beantragte er ebenso für die Anordnung der Stellplätze. Sie sollen zum Großteil an der Grundstücksgrenze errichtet werden. Damit würden sie sich außerhalb der Baugrenze befinden. Deshalb war eine Befreiung erforderlich.
Mehr Parkplätze geplant als laut Satzung erforderlich
Nach der städtischen Stellplatzsatzung müsste der Bauherr insgesamt 65 Parkbuchten schaffen. Er will aber entgegen dieser Vorgabe 70 Parkplätze errichten. Auch dem musste der Bauausschuss zustimmen.
Bei vielen Bauvorhaben würden die Bauherren die vorgegebene Stellplatzanzahl unterschreiten und deshalb eine Befreiung beantragen, meinte Klaus Boxhorn vom Bauamt. Dass jemand mehr bauen wolle als er müsse, komme dagegen selten vor. Genauso wie die Unterschreitung müsse aber auch eine Überschreitung genehmigt werden. Die Verwaltung hatte sowohl bei der Anordnung wie auch bei der Anzahl keine Bedenken, eine Befreiung zu empfehlen. Bei der Anordnung orientierte sie sich erneut am direkt benachbarten Grundstück, bei dem ebenso Stellplätze außerhalb der ursprünglichen Baugrenzen zugelassen wurden.
Eine vierte Befreiung war bei der Höhe der baulichen Anlagen erforderlich. Die zulässige Höhe von 382 Meter über Normal-Null soll nur um 1,39 Meter überschritten werden. Als Grund für die Befreiung gab der Bauherr an, dass aufgrund der Arbeitsstättenverordnung und Hygienerichtlinien eine Raumhöhe von circa 2,70 Meter plus Haustechnik in einer abgehängten Decke angestrebt werde. Die daraus resultierende Gesamthöhe überschreite die Festsetzung. Auch in diesem Fall konnte die Verwaltung eine Befreiung empfehlen.
Die Mitglieder im Bauausschuss hatten ebenfalls keine Bedenken, die beantragten Ausnahmen zu genehmigen. Bei den Befreiungen müsse sie „nicht über einen großen Schatten springen“, erklärte die 3. Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller (Grüne). Sie begrüße die Ansiedlung eines Ärztehauses sehr. Ähnlich äußerte sich auch SPD-Stadtrat Alfred Braun. Auch wenn es am Stadtrand liege, stimme er dem Bau eines Ärztehauses zu, da dies schon lange gewollt sei, sagte CSU-Stadtrat Hans Sieß.
Dialysezentrum integrieren?
Acht Praxen einzurichten, fand FW-Stadtrat Karl-Heinz Saur sehr ambitioniert. Es sollte seiner Meinung versucht werden, das Dialysezentrum in dem neuen Ärztehaus anzusiedeln. Am bisherigen Standort an der Breite Straße sei die Parksituation sehr bescheiden.
Es gebe Gespräche mit dem Dialysezentrum, die aber noch nicht abgeschlossen seien, hieß es vonseiten des Bauherrn. Man verhandle mit mehreren Ärzten, aber wer letztlich einziehe, stehe momentan noch nicht fest. Ein Arzt hat allerdings schon Interesse signalisiert, sich im neuen Ärztehaus anzusiedeln: der Kardiologe Marvin Schwarz, dessen Praxis sich derzeit noch in der Aussiger Straße befindet. Er möchte sich erweitern, was am bisherigen Standort nicht möglich sei, erklärte Schwarz der MZ.
Da der Großteil seiner Patienten aus dem Umland, vor allem auch aus dem Städtedreieck und dem Chamer Raum, komme, wäre ein Umzug von Vorteil, da sie nicht mehr durch die Stadt fahren müssten. Er erwartet auch Synergieeffekte mit den anderen Medizinern, zum Beispiel wenn man gemeinsam teure Geräte nutzen könne, die sich ein einzelner Arzt kaum leisten könne. „Es ist eine große Chance für Schwandorf“, fand Schwarz.
Da das Ärztehaus an der Autobahnauffahrt entstehen soll, muss das Fernstraßenbundesamt beteiligt werden. Die Genehmigung wurde deshalb unter dem Vorbehalt erteilt, dass vonseiten dieser Behörde keine Einwände gegen das Vorhaben erhoben werden.