Schwandorfer Hausarzt schlägt Alarm

Von Hubert Heinzl · 22. März 2022 um 04:45

Schwandorf droht ein Engpass bei der medizinischen Versorgung. Erst fanden zwei langjährige Facharztpraxen in der Großen Kreisstadt keinen Nachfolger, jetzt deutet sich ein ähnlicher Trend auch noch bei den Allgemeinmedizinern an. „Schon jetzt haben Patienten, die neu nach Schwandorf kommen, mitunter Probleme, einen Hausarzt zu finden“, sagt Dr. Wolfgang Schuster, der seit 29 Jahren eine Praxis in Dachelhofen betreibt. Und in den nächsten Jahren dürfte sich die Situation noch zuspitzen.

Wolfgang Schuster (58) hat es da noch gut: Wenn er, möglicher Weise, in zehn Jahren in Ruhestand gehen will, steht sein Sohn Alexander bereit, den Praxisbetrieb zu übernehmen. Der Jungmediziner hat sein Medizinstudium absolviert und schließt gerade die fünfjährige praktische Ausbildung zum Allgemeinmediziner an. Doch andere Arztpraxen in Schwandorf fanden zuletzt keinen Nachfolger – dieHautarztpraxis Dr. Frankerletwa, oder die LungenärztinDr. Heike Kemeter. Auch bei den Hausärzten klappt der Übergang von einem Mediziner zum nächsten nicht immer, wiedas Beispiel Dres. Vogel/Pregleram Bahnhofplatz zeigt.

Drei Schwandorfer Hausärzte wollen aufhören

Die Folgen: Patienten mit Atemwegserkrankungen müssen jetzt nach Amberg fahren, Menschen mit anderen Beschwerden teilweise Monate auf einen Facharzttermin in Schwandorf warten. „Und ich kenne Patienten, die immer noch händeringend nach einem neuen Hausarzt suchen“, sagt Schuster. In ein, zwei Jahren könne die Situation sogar noch dramatischer werden, denn drei Kollegen in der Stadt wollten den Beruf als Allgemeinarzt an den Nagel hängen. „Und ob es bei allen auch einen Nachfolger gibt, ist eher fraglich“, so der Mediziner.

„In einem solchen Fall würde es, glaube ich, sehr eng werden“, sagt Hausärztin Karin Klier, die stellvertretende Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Schwandorf. Für sie steht fest, dass dem Mangel an Medizinern mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen ist. „In den alten Strukturen können wir nicht weiter machen“, sagt sie. Gemeinschaftspraxen oder Medizinische Versorgungszentren mit Angestelltenstatus und der Möglichkeit zur Teilzeitarbeit sieht sie als Zukunftsmodell.

Die Zusatzaufgaben werden immer mehr

Wolfgang Schuster ist skeptisch, denn die Attraktivität des Hausarztberufs hat in seinen Augen in den vergangenen Jahren massiv gelitten. Ausufernde Verwaltungsvorschriften, anstrengende Bereitschaftsdienste in zwei der größten Flächenlandkreise in Bayern, Schwandorf und Cham, technische Probleme bei der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – die Liste der Grausamkeiten ist lang. Dazu kommt seit mehr als zwei Jahren die Dauerbelastung durch Corona – mit zusätzlichen Impfungen und einem Testangebot, das vor allem in Schusters Praxis enorm nachgefragt wird. „Im Schnitt kommen täglich zwischen 15 und 25 Patienten mit einem positiven Schnelltest, den wir dann überprüfen“, erzählt der Hausarzt. Und ganz selbstverständlich nehmen die Leute den Beratungsdient per Telefon in Anspruch: „Zeitweise ist eine Mitarbeiterin permanent damit beschäftigt, den Patienten Auskünfte zu Corona zu erteilen.“

Der zunehmende Stress zwischen Anmeldung, Wartezimmer und Untersuchungsraum bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Personal. Weil der Dachelhofer Allgemeinarzt in den vergangenen Wochen drei Arzthelferinnen verloren hat, muss er ab dem Monatsende „zum ersten Mal seit 29 Jahren“ die Sprechstunden am Samstag und Dienstagnachmittag einstellen. Auch in anderen Hausarztpraxen wird per Aushang Personal gesucht. „Es wird immer schwieriger, Medizinische Fachangestellte zu gewinnen. Der Beruf ist auch immer anspruchsvoller geworden“, bestätigt Karin Klier.

Wackersdorf und Neunburg gehen schon neue Wege

Im Landkreis gibt es inzwischen verschiedene Versuche, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Gemeinde Wackersdorf beispielsweise investiert über sechs Millionen Euroin ein Ärztehaus, um die Hausarztsitze zu sichern.In Neunburg vorm Waldwurde ein Medizinisches Versorgungszentrum mit zwei Fachärzten für Chirurgie, einem Internisten und einer Allgemeinärztin etabliert.Die Ärzte im Städtedreieckwiederum versuchen, junge Mediziner mit einem Weiterbildungsverbund in die Region zu locken.

Und Schwandorf? „Dass Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig, Das Problem ist ja nicht erst seit heute bekannt“, sagt CSU-Fraktionssprecher Andreas Wopperer, dessen Stadtratskollegen sich bei der jüngsten Klausur mit dem Schwandorfer Ärzteschwund befasst haben. Im Gespräch sind finanzielle Investitionsanreize durch die Stadt, durch freiwillige Leistungen in jeweils fünfstelliger Höhe für angehende Hausärzte. Rechtlich wäre das möglich, sagt Wopperer. Bei den Fachärzten könnte er sich grundsätzlich auch eine Lösung zusammen mit dem Krankenhaus St. Barbara vorstellen.