Stadträte stimmen gegen futuristischen Neubau an der Naab – Klagt jetzt der Investor?

Matthias Simmel hatte eigentlich mit einer Zustimmung gerechnet. Im Vorfeld habe der Schwandorfer Investor für seinen geplanten Neubau an der Naab nur positive Reaktionen erhalten. Doch der Bauausschuss lehnte das Vorhaben am Mittwoch ab. Simmel ist entsprechend verärgert.
Seine Enttäuschung ist groß, daraus macht Matthias Simmel keinen Hehl: Man habe ihn in der Sitzung vorgeführt, findet der Schwandorfer Investor. Am Mittwoch hatte der städtische Bauausschuss seinen futuristisch anmutenden Neubau an der Fronberger Straße mit sieben zu vier Stimmen abgelehnt. Er könne verstehen, wenn es Kritik an dem Projekt gebe, aber darüber hätte man mit ihm im Vorfeld sprechen können. Zeit wäre genug gewesen, steht für Simmel fest. Stattdessen habe man ihn „ins offene Messer laufen lassen“.
CSU: Mehrfamilienhaus ist viel zu groß
Wortführer der Kritiker im Bauausschuss war CSU-Stadtrat Hans Sieß. Dass das Gebäude modern gestaltet ist, sei in Ordnung, so der CSU-Mann, aber bei der Größe laufe es aus dem Ruder. Von der Dimension her sei es alles andere, als das, was an diese Stelle gehöre, fand Sieß. Der Neubau füge sich überhaupt nicht in die benachbarte Wohnbebauung ein, erklärte er. Von der CSU gebe es deshalb ein klares Nein, kündigte er in der Diskussion an.
Von den Christsozialen habe es diesbezüglich keine Reaktionen vor der Sitzung gegeben, ärgert sich Simmel, der am Mittwoch selbst unter den Zuhörern saß. Dabei habe den Ausschussmitgliedern der Beschlussvorschlag schon einige Tage vorgelegen. Da hätte man noch mal reden können, meint der Investor. Er sei keiner, der blocke. In den Vorgesprächen habe er der Stadtverwaltung auch das Angebot unterbreitet, den Neubau 40Zentimeter niedriger zu machen. Das sei in der Diskussion gar nicht erwähnt worden, ist Simmel verwundert.
Stadt war in Planung eingebunden
Er habe sehr oft mit der Stadt gesprochen, sie auch immer in die Planung eingebunden, aber im Ausschuss habe dann eine Mitarbeiterin der Bauverwaltung gegen das Vorhaben argumentiert. Auch da hätte er sich gewünscht, dass man offen miteinander spricht. Stattdessen seien fast zehn Wochen seit der Einreichung des Antrages auf Baugenehmigung vergangenen, ohne dass etwas passiert sei, kritisiert der Investor. Er hätte in dieser Zeit noch was anpassen können.
Simmel orientiert sich bei der Höhe seines geplanten Nebaus am Rathaus. Albina Harito, Sachgebietsleiterin Stadtplanung, hatte im Ausschuss jedoch darauf hingewiesen, dass das Rathaus als Vergleichsobjekt nicht herangezogen werden dürfe, da es sich um ein öffentliches Gebäude mit einer anderen Nutzung handle. Das geplante Mehrfamilienhaus könne nur mit der Wohnbebauung in der unmittelbaren Umgebung verglichen werden. Und da gebe es bisher nur ein- oder zweigeschossige Gebäude. Simmels vierstöckiger Neubau mit einem Kellergeschoss würde zwölf Meter hoch sein und damit das Rathaus um einige Zentimeter überragen, erklärte Harito.
Es wäre ein Präzedenzfall
Es würde auch ein Präzedenzfall geschaffen, der sich auf die anderen Grundstücke zwischen Fronberger Straße und Naab auswirke. Auch dort könnten dann die alten Gebäude abgerissen und größere Neubauten errichten werden. Diese könnten dann nicht abgelehnt werden, wenn man das geplante Mehrfamilienhaus Fronberger Straße 5 genehmigen würde, wurde von der Bauverwaltung angemerkt. Diese Entwicklung sei dann nicht mehr einzudämmen.
Simmels Projekt ist dabei keineswegs ein Einzelfall. Auch an anderen Schwandorfer Standorten hatte der Bauausschuss die Errichtung von großen Mehrfamilienhäusern kritisch gesehen, wie sich in nachfolgenden Beschlussvorlagen zeigte. So sollten an der Lerchenstraße im Ortsteil Fronberg zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohneinheiten entstehen. Im Februar hatte sich der Ausschuss mit diesem Vorhaben beschäftigt und es abgelehnt. In der Folge hatte der Bauherr das Projekt umgeplant und am Mittwoch lag es erneut zur Entscheidung vor. Während eines der beiden Gebäude ähnlich groß sein soll wie beim ersten Entwurf, wurde das zweite Objekt auf drei Wohneinheiten abgespeckt. Es füge sich nun in die vorhandene Bebauung ein, lautete denn auch die Einschätzung der Bauverwaltung. Das Vorhaben wurde diesmal einstimmig abgenickt.
Schon längere Diskussion um Projekt an der Steinberger Straße
Ferner wird seit drei Jahren über die Errichtung eines Mehrfamilienhauses in der Steinberger Straße 32a diskutiert. Anfangs wurden noch 16Wohneinheiten beantragt, was abgelehnt wurde, weil sich der Bau nicht in die Umgebung einfüge. Nach mehreren Reduzierungen sollen nun noch sechs Wohneinheiten entstehen. Die Grundfläche sei zwar immer noch zu groß, aber die Stadtplanung sehe die Einfügekriterien gerade noch erfüllt, hieß es in der Begründung der Vorlage. Bei zwei Gegenstimmen wurde auch diesem Vorhaben mehrheitlich das Okay erteilt.
Matthias Simmel will bei seinem Neubau an der Fronberger Straße prüfen, ob auch er sich verkleinern lasse. Eine Reduzierung auf die Hälfte sei aber nicht wirtschaftlich. Außerdem könne nicht nur geförderter Wohnraum in Schwandorf geschaffen werden, findet der Investor. Es müsse auch etwas für Familien gemacht werden, die Wohnungen in der Größe eines Eigenheims haben wollten. Die Höhe um die bereits vorgeschlagenen 40 Zentimeter zu reduzieren oder ein komplettes Stockwerk wegzunehmen – wie von den Kritikern angeregt –, soll aber genau geprüft werden.
Gleichzeitig soll geprüft werden, kündigt Simmel an, ob gegen den Ablehnungsbescheid Rechtsmittel eingelegt werden können. Es sei ein tolles Projekt und für die Schwandorfer positiv, steht für ihn fest. Das hätten ihn nach der Ausschusssitzung bereits eine Reihe Bürger so mitgeteilt.

