Am Schwandorfer Marktplatz gibt’s eine Apotheke weniger: St. Wendelin Apotheke ist zu

Das Apothekensterben hält an, wie die Zahlen des Apothekerverbandes zeigen. Gab es Ende 2022 noch 18.068 Apotheken in Deutschland, waren es Ende Juni 17.830. Davon schlossen 51 Apotheken in Bayern. Der negative Trend setzt sich auch im Landkreis Schwandorf fort.
Ende August machte die Sinderberger’sche Apotheke in Nabburg dicht, Mitte September folgte die Barbara-Apotheke in Maxhütte-Haidhof und Anfang Oktober die St.Wendelin Apotheke in Schwandorf. Immer wieder bleiben Passanten vor der Apotheke am Schwandorfer Marktplatz stehen und sind verwundert, dass sie nicht geöffnet ist. Aushänge am Eingang und den Schaufenstern informieren über die Schließung. Als Grund wird Personalmangel angegeben.
Neue Apotheker zu finden, sei eine schwierige Aufgabe
Apotheker Viktor Hammer, der neben der St. Wendelin Apotheke die City-Apotheke im Ärztehaus an der Adenauerbrücke betreibt, begründet den Schritt: Eine Vollzeit-Apothekerin habe Schwandorf und sein Team verlassen. Eine weitere Apothekerin könne aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten. Neue Apotheker zu finden, sei eine schwierige Aufgabe. Gleichzeitig sei in der Apothekenbetriebsordnung geregelt, dass immer ein Apotheker oder eine Apothekerin anwesend sein müssten.
Um dies zu gewährleisten, könnten Apotheken beantragen, tageweise zu schließen oder nur halbtags zu öffnen. Bei der St. Wendelin Apotheke war dies zuletzt auch der Fall. Allerdings sei das nur 42 Tage im Jahr möglich. Diese Anzahl wurde in der St. Wendelin Apotheke Ende September erreicht, erklärt Viktor Hammer. Deshalb sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als die Apotheke ganz zu schließen.
Die Kunden könnten sich nun an die City-Apotheke wenden, meint er. Viele würden dies tun. In der Haupt-Apotheke fänden die Kunden auch bekannte Ansprechpartner: Die vier verbliebenen Mitarbeiter der St. Wendelin Apotheke habe er in das Team der City-Apotheke übernommen, sagt Hammer. Mit ihren 25 Vollzeit- und Teilzeitmitarbeitern gehört die City-Apotheke zu den größten Apotheken in Schwandorf.
In der City-Apotheke würden ebenso Produkte aus dem speziellen Sortiment der St.Wendelin Apotheke – Homöopathie, Spagyrik, Hildegard-Medizin – angeboten. Es handele sich dabei teilweise um sehr beratungsintensive Angebote, meint Hammer. Um sie bereitstellen zu können, soll die Zahl der Kassenplätze von vier auf sechs erhöht werden.
Räume der Apotheke sollen weiterhin genutzt werden – allerdings als Lager
Die Räume der St. Wendelin Apotheke will er trotz der Schließung behalten. Sie sollen anderweitig genutzt werden – so beispielsweise als Lager. Die City-Apotheke habe rund 30.000 Medikamentenpackungen auf Lager. Auch die Nutzung als Besprechungsraum oder Raum für Telepharmazie kann sich Viktor Hammer gut vorstellen. Es werde sich auf jeden Fall um Dienstleistungen im Hintergrund handeln, keinen Publikumsverkehr, macht der Apotheker deutlich.
Im Hinterkopf verfolgt der Schwandorfer Apotheker mit der Beibehaltung der Räume am Marktplatz noch einen anderen, längerfristigen Plan: Seine beiden Kinder studieren momentan Pharmazie und könnten dort später eine eigene Apotheke betreiben. Zumindest wolle er ihnen diese Möglichkeit offen lassen, meint Hammer. Ein bisschen dauern würde dies aber noch: Seine Kinder studieren noch mindestens zwei bis drei Jahre.
Die nächste Generation kommt
Dass die Nachfolge innerhalb der eigenen Familie erfolgen könnte, ist für den Schwandorfer Apotheker ein Glücksfall. Die meisten Kollegen würden keinen Nachfolger finden. Dies könnte dazu führen, dass in den nächsten Jahren noch weitere Apotheken in Schwandorf schließen müssen, befürchtet Hammer. Er rechnet damit, dass es in fünf Jahren nur noch drei oder vier Apotheken in Schwandorf geben wird.
Ein Grund ist neben dem Mangel an Nachwuchs und Fachkräften sicher auch der wirtschaftliche Druck. Apotheker würden sich deshalb vor allem von ihren Filialen trennen – so wie in Maxhütte-Haidhof.
Die St. Wendelin Apotheke war die erste Apotheke, die Viktor Hammer 1990 eröffnete. Bis 2016 war sie am Wendelinplatz zu finden, danach zog sie an den Marktplatz. Dort gab es schon mal eine längere Schließung von gut einem Jahr, blickt Hammer zurück. 2020 wurde sie wiedereröffnet.
Weiteres Problem: Keine Parkplätze vor der Tür
Ursprünglich sollte auf dem alten Tonwarenfabrikgelände ein Ärztehaus entstehen, in dem Viktor Hammer auch eine Apotheke eröffnen wollte. Doch aus den Bauplänen wurde nichts. Stattdessen errichtete ein anderer Investor unweit der Adenauerbrücke ein Ärztehaus, in dem es seit 2018 die City-Apotheke gibt. Sie habe sich innerhalb eines Jahres zur größeren der beiden Apotheken entwickelt. Viktor Hammer schreibt das dem Standort zu. Für eine Apotheke sei es von Vorteil, in einem Einkaufszentrum, einem Ärztehaus oder einem Wohngebiet zu sein. Für die City-Apotheke würden alle drei Punkte mehr oder weniger zutreffen, meint Hammer.
Für die St. Wendelin Apotheke sei die Parkplatzsituation ein Problem gewesen. „Für diese Art von Dienstleistungen ist das ein großes Manko“, findet der Apotheker.