Deshalb gibt es im Stadtgebiet von Maxhütte-Haidhof nur noch eine Apotheke

Von Norbert Wanner · 27. September 2023 um 12:52

Der 13.September war der letzte Tag für die Barbara-Apotheke – und auch der letzte Tag mit zwei Apotheken im Stadtgebiet. Verantwortlich für diese Entscheidung ist Michael Schmalzbauer, bis zu diesem Tag Inhaber der Engel- und der Barbara-Apotheke. Ein Entschluss, der „nach langer Abwägung fiel und aus meiner Sicht das Vernünftigste für alle Beteiligten war“, wie er selbst es formuliert.

Folgt man den Worten Schmalzbauers waren es nicht in erster Linie wirtschaftliche Gründe, die zur Schließung führten, wie gern kolportiert wird. Die Übernahme im Februar 2021, mitten in der Corona-Pandemie, sei mit der Überlegung erfolgt, „die Versorgung für die Bevölkerung zu sichern“. Zum Verkauf hatte die Barbara-Apotheke gestanden, weil der Vorbesitzer aus Altersgründen kürzertreten wollte.

Personaldecke blieb trotz Verstärkung dünn

Aus Sicht von Schmalzbauer eine gute Gelegenheit, da damals „mit einer Apotheke allein der Kundenansturm nicht mehr zu bewältigen war“. Neben dem normalen Geschäft hatten die Apotheken wegen Corona die Verteilung der FFP-2-Masken zu übernehmen. Schnell habe sich das Miteinander der beiden Apotheken eingespielt.

Allerdings ein Problem, das aus vielen Branchen zu hören ist, kennt auch Schmalzbauer. Durch Veränderungen beim Personal mit Übernahme der Barbara-Apotheke sei die Gewinnung neuer Mitarbeiter notwendig gewesen. Bei Apotheken heiße das, dass in jeder Apotheke ein ausgebildeter Apotheker „in jeder Minute der Öffnungszeit anwesend sein muss“. Man habe Stellenanzeigen geschaltet, doch trotz Verstärkung blieb die Personaldecke „sehr dünn“. Im Sommer vergangenen Jahres sei die Situation so angespannt gewesen, dass „mich Mitarbeiter um Abhilfe baten“.

Dazu stellte sich heraus, dass der bauliche Zustand der Ladenräume eine baldige Sanierung wünschenswert erschienen ließe. Da allerdings ein Kauf des Gebäudes nicht möglich gewesen wäre, habe er darauf keinen Einfluss gehabt. So sei es zur Überlegung gekommen, das vorhandene Personal der Barbara-Apotheke zu übernehmen und die Kapazität der Engel-Apotheke, die Schmalzbauer als Eigentümer gehört, zu erweitern.

Zusätzliche Kapazität geschaffen

Im Verlauf der vergangenen Monate entstanden dort so ein zusätzlicher Kassenarbeitsplatz, eine Beratungskabine und das Ladenlokal wurde barrierefrei gemacht. Mit dieser zusätzlichen Kapazität könne man die Schließung der Barbara-Apotheke verantworten. Das größte Manko, die Parkplatzsituation, spricht Schmalzbauer offen an. Bei großem Kundenansturm könne es schon einmal knapp werden. Jedoch seien Gespräche mit Nachbarn über zusätzliche Parkbuchten gescheitert, und auch die Stadt habe bei einer Kreisstraße keinen Spielraum.

Auch wenn sich Schmalzbauer durch die Umbaumaßnahmen und den Personalstand derzeit gut aufgestellt sieht, fürchtet er doch eine unsichere Zukunft für Apotheken: „Wir haben dieses Jahr nicht umsonst gestreikt.“

Sieht die Politik tatenlos zu?

Für ihn steht die Existenz der „inhabergeführten Apotheke“, infrage. Er könne nicht erkennen, dass die Politik die notwendigen Schritte unternehme, um dieses Modell zu verteidigen.

Beispiel: die Vergütungssenkung für Apotheken seit dem 1. Februar 2023. Begründet werde dies unter anderem damit, dass Apotheken durch die Zusatzleistungen während der Pandemie sehr gut verdient hätten. Nur das werde niemand dazu bewegen, eine neue Apotheke zu eröffnen oder eine bestehende zu übernehmen.

Nicht nur der Arzt im ländlichen Raum, auch die Apotheke auf dem Land ist laut Schmalzbauer jetzt schon seltener geworden. In den letzten Jahren sei die Zahl der Apotheken in Bayern von 3300 auf rund 2800 gesunken. Dazu kämen Herausforderungen, die die Arbeit zunehmend unerfreulicher machten. So demonstrierte Schmalzbauer live, dass zwar eine Injektionslösung für die Tiermedizin mit dem Antibiotikum Amoxicillin kurzfristig bestellbar wäre, aber kein Saft für Kleinkinder. „Der vermutliche Grund: Das Medikament für Tiere ist doppelt so teuer.“