34.000 Euro im Teddy – Tipp aus der JVA führt Kripo zu Teil der Millionenbeute von Cham

Verurteilte Influencerin (28) prahlt im Gefängnis in Regensburg, wo sie das Geld versteckt hat. Ihre Zellengenossin weiht die Ermittler ein. In einem Plüschtier stellen die Beamten den ersten Rest der Beute sicher – bei der dritten Durchsuchung des Hauses.
Dreieinhalb Jahre hat das Landgericht einen Regensburger für den Überfall auf einen Geldtransporter in Cham ins Gefängnis geschickt. Von dem Millionen-Coup fehlten damals rund 130.000 Euro, die der 56-Jährige haben sollte. Das hatten die Komplizinnen, seine Ex (52) und deren Influencer-Tochter, bis zuletzt behauptet. Glauben schenkte ihnen das Gericht nicht. Wohl zu Recht: Nach dem Tipp einer Zellengenossin der 28-Jährigen ist nun ein weiterer Teil der Tatbeute aufgetaucht – versteckt in einem Plüsch-Teddybären.
Überfall auf Geldtransporter in Cham war fingiert
Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Am 17. April 2023 meldete das namhafte Sicherheitsunternehmen die Tat auf dem Parkplatz eines Chamer Einkaufszentrums. Der gepanzerte Geldtransporter sei überfallen worden – mehr als eine Million Euro verschwanden. Mit einem Großaufgebot fahndete die Polizei samt Hubschrauber und Suchhunden nach den vermeintlichen Tätern. Neun Tage später kam heraus, dass alles fingiert war.
Der Fahrer des Geldtransporters aus Regensburg und zwei Frauen aus dem Landkreis Straubing-Bogen wurden verhaftet. Im Haus von Mutter und Tochter fand die Regensburger Kripo am 26. April in zahllosen Verstecken knapp 90.000 Euro. Schon im August erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen des Trio, das sich während der Ermittlungen gegenseitig schwer belastet hatte. Vor Gericht mussten sich der 56-Jährige, seine fünf Jahre jüngere Ex-Lebensgefährtin und deren 28-jährige Tochter wegen Diebstahls mit Waffen verantworten.
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Im Prozess am Landgericht, der im Oktober startete, ging es um enttäuschte Liebe, Lügen und eine richtig große Lücke im Plan – denn wohin mit dem vielen Geld, das die junge Influencerin mit gut einer Viertelmillion Follower auf Instagram in einer schwarzen Sporttasche wegtrug? Das hatte sie das Trio nicht überlegt. Letztlich landeten rund 820.000 Euro in pinken Koffern bei einem Bürgermeister, der diese zur Polizei brachte. Der niederbayerische Kommunalpolitiker war, das zeigte sich im Prozess, aber nur einer von vielen. Chats belegen, dass die 52-Jährige offenbar gleichzeitig Beziehungen mit acht Männern unterhielt.
Das erfuhr der Fahrer des Geldtransporters erst viel später. Monatelang hätten sie ihn ausgehorcht, argumentierten seine Strafverteidiger Helmut Mörtl und Prabhlin Sidhu. Mehr noch: Der 56-Jährige habe die Mutter zu sündteuren Wellnessurlauben eingeladen, ihr Geld gegeben und wohl auch drei Schönheits-OPs der Tochter bezahlt. „Ich habe ihr blind vertraut“, sagte der Mann schluchzend über die Pseudo-Lebensgefährtin. Deren Version, sie wäre gezwungen worden, glaubte die siebte Strafkammer am Landgericht nicht. Die Richter glaubten auch nicht, das der Angeklagte den fehlenden Teil der Beute von gut 130.000 Euro haben müsse.
Zellengenossin der Influencerin packte später aus
Zumindest für einen Teil ist das nun bewiesen. Wie das kam, ist bemerkenswert – wie alles an diesem Fall. Ans Licht kam das Ganze durch Zufall und eine Zellengenossin. Bei der hatte die 28-Jährige damit geprahlt, dass die Ermittler trotz zwei Hausdurchsuchungen – einmal sogar mit speziellen Spürhunden – nicht alles gefunden hätten. „Die Zeugin war bereit, dass auch der Kripo zu erzählen“, sagte Strafverteidiger Mörtl der MZ. Das Haus, in dem die Influencerin mit der Mutter lebte, wurde erneut durchsucht. „Dabei fanden die Beamten im Schlafzimmer weitere knapp 34.000 Euro, versteckt in einem Teddybär“, wie Co-Anwältin Sidhu erklärte.
Das Urteil des Landgerichts sehen die beiden Regensburger Anwälte bestätigt. Die Richter hatten die Einziehung von Taterträgen nur den beiden Frauen auferlegt. „Damit schenkten sie unserem Mandanten Glauben, dass er nichts vom Verbleib der restlichen Beute wusste.“ Der endgültige Beweis sei damit erbracht. Wenngleich noch immer rund 90.000 Euro aus dem Millionen-Coup fehlen. Für den 56-jährigen Regensburger und seine ebenfalls zu dreieinhalb Jahren verurteilte Pseudo-Freundin ändert das am Ende nichts. Deren Urteile sind bereits rechtskräftig.
Die Ermittler der Kripo konnten die Hintergründe der Tat bald rekonstruieren: Beim Überfall auf Geldtransport packte Regensburger (55) die Million in eine Sporttasche
Anders im Fall der Influencerin. Sie war gegen ihre Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft in Revision gegangen. Das Gericht hatte klare Milderungen in Aussicht gestellt, wenn verraten wird, wo das Geld ist. Doch die 28-Jährige schwor bis zuletzt, nichts davon zu wissen. Nach dem 34.000-Euro-Fund im Teddy dürften ihre Chancen auf Bewährung oder gar Strafmilderung gen Null gesunken sein. Sie wird ihre Haftstrafe eher voll absitzen müssen.

