Ermittlungen laufen: Weitere Details zum Geldtransporter-Überfall in Cham

Von Julian Alexander Fischer · 22. April 2023 um 05:00

Der Schock nach dem Überfall auf einen Geldtransporter in Cham war groß. Dabei passieren solche Vorfälle immer häufiger, die Anzahl ist in diesem Jahr stark angestiegen. Im Chamer Fall werden weitere Details zur Gesamtsituation bekannt.

Es war deutschlandweit bereits der siebteÜberfall auf einen Geldtransporterin 2023 – mehr als im gesamten vorigen Jahr. Vier bis sechs solcher Vorfälle seien normal, in manchen Jahren habe es gar keinen gegeben, erklärt Andreas Paulick, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste.

Seine Vermutung für den starken Anstieg: Die kriminelle Bargeldbeschaffung verlagert sich. Wurden in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Banktresore gesprengt, liegt der Fokus mittlerweile zu sehr auf diesem Bereich. Die Kriminellen müssten sich also neue Wege suchen, zum Beispiel Geldtransporter.

Anstieg bei Geldtransporter-Überfällen

Daher arbeite man seit einigen Monaten bereits intensiv mit der Polizei zusammen, um Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, so Paulick. Das hessische Landeskriminalamt mit einem Schwerpunkt auf Geld- und Bankenschutz sei dabei federführend. Allerdings betont Paulick auch: „Bei den Überfällen handelt es sich nur um einen Promille-Bereich der Fahrten.“ 2500 Fahrzeuge würden nämlich pro Jahr 2,5 Millionen Geldtransporte durchführen.

Wenn es wie in Cham aber doch zu einer Bedrohung kommt, rät Paulick: „Man sollte deeskalierend wirken. Konfliktminimierung ist das oberste Gebot. Deswegen ist auch noch nie ein Fahrer zu Schaden gekommen.“ Zudem seien alle Mitglieder jedes Transports bewaffnet. Dazu gebe es mehrmals jährlich Schießtrainings und mindest halbjährlich Weiterbildungen zum Umgang mit Überfallsituationen. Warum der Fahrer des Geldtransporters in Cham trotz der Vorbereitung 15 bis 30 Minuten brauchte, um die Polizei zu alarmieren, kann sich Paulick nur auf zwei Weisen erklären: technische Störungen oder eine Schockstarre.

Fahrer unter Schock

Tatsächlich bestätigt Markus Feldmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, auf Nachfrage: „Der Fahrer stand nach der Tat unter Schock, weshalb er am nächsten Tag erneut vernommen werden musste.“ Nach Informationen unserer Zeitung musste er wohl wegen Panikattacken ins Krankenhaus, was Feldmeier weder dementieren noch bestätigen wollte.

Die Polizei wartet derweil noch immer auf den entscheidenden Hinweis, der sie auf die Spur der Geldtransporter-Räuber von Janahof bringt. Dennoch gibt es neue Erkenntnisse zum Tatgeschehen vom Montag. Während zunächst von einer sechs- bis siebenstelligen Summe die Rede war, ist nun klar: Die Beute beträgt tatsächlich über eine Million Euro. „Ich gehe davon aus, dass es größere Scheine waren“, sagt Feldmeier. So würde die Summe von einer Million Euro bei kleineren Scheinen bis zu 40 Kilogramm wiegen und bei einer Flucht zu Fuß ein erhebliches Gewicht darstellen. Nach Angaben von Feldmeier ist die Beute jedoch in eine Tasche geräumt und weggetragen worden. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass die Räuber mit einem Trolli über den Parkplatz rannten.

Zudem hat die ungewöhnlich hohe Summe wohl nichts mit dem verkaufsoffenen Sonntag vom Vortrag des Überfalls zu tun. Vielmehr soll wohl ein Kunde der Transportroute eine besonders hohe Menge Bargeld beauftragt haben.

Die Ermittlungen der Kripo laufen weiter auf Hochtouren. Ob es auch Videoaufnahmen gibt, die den Vorfall und die Täter zeigen, lässt Feldmeier aus ermittlungstaktischen Gründen offen: „Wenn es Bildmaterial gibt, werten wir es aus.“