Überfall auf Geldtransport: Regensburger (55) packte die Million in eine Sporttasche

Von André Baumgarten, Johannes Schiedermeier · 13. August 2023 um 11:00

Ein Regensburger (55) soll den Überfall auf den Geldtransporter in Cham geplant haben. Eine Komplizin belastet den Mann schwer; der behauptet das Gegenteil. Wie der Coup mit Millionen-Beute gelang, wird immer klarer – eine Spurensuche.

Mehr als eine Million Euro sind im April beim Überfall auf einen Geldtransporter in Cham verschwunden. Eine heiße Spur führt damals früh in den Stadtteil Weichs. Ermittler sind überzeugt, dass ein 55-Jähriger aus Regensburg mit zwei Komplizinnen dafür verantwortlich ist. Nach der Anklage kommen immer mehr Details ans Licht: Der Überfall war wohl minutiös geplant. Eine 28-Jährige soll die Millionen-Beute in einer Sporttasche einfach weggetragen haben – zum Fluchtwagen, an dessen Steuer ihre Mutter (51) gesessen haben soll. Zu einem Detail aber herrscht das große Schweigen: Wo ist ein fehlender Teil der Millionen-Beute versteckt?

Seit 2015 Mitarbeiter im Sicherheitsunternehmen

Noch während die Polizei am 17. April in Cham alle Geschütze auffuhr, kamen erste Zweifel an den Angaben des Geldtransporter-Fahrers auf. Das sollte sich bald bestätigen – nur neun Tage nach dem Überfall wurde der 55-Jährige aus Regensburg festgenommen. Er war als Mitarbeiter bei dem namhaften Sicherheitsunternehmen angestellt. Seit Frühjahr 2015, also mehr als acht Jahre soll der Mann für die in Regensburg ansässige Firma gearbeitet haben.

Was damals nur die Ermittler der Regensburger Kripo wussten: Am Tag des Überfalls hatte die Polizei bereits einen Teil der Beute sichergestellt. Sie fanden etwas weniger als 90 000 Euro in einem Wohnhaus im Landkreis Straubing-Bogen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft nach einem MZ-Bericht auch offiziell. Dort wohnten die zwei Frauen, 28 und 51 Jahre alt, die am 26. April auch verhaftet wurden.

Wie der Überfall abgelaufen sein soll, rekonstruierte die eigens gegründete Ermittlungsgruppe „Regental“ so: Um 9.28 Uhr haben zwei der drei Insassen den Geldtransporter verlassen. Während sie in den Großmarkt gehen, bleibt der Fahrer im gepanzerten Fahrzeug zurück. Doch kaum waren die Kollegen außer Sichtweite, öffnete er seiner jüngeren Komplizin die Tür. So zeigen das offenbar Videoaufnahmen, die Überwachungskameras machten.

Und das hatte einen Grund: Um in den Tresorraum des Transporters zu kommen, sind zwei Personen nötig. Sonst wird sofort Alarm ausgelöst. Im Inneren soll der 55-Jährige dann blitzschnell mehr als eine Million Euro in eine Sporttasche gepackt haben. Um 9.31 Uhr verließ die 28-Jährige damit das Fahrzeug. Zu Fuß soll sie einige Hundert Meter gelaufen sein, wo laut den Ermittlungen bereits ihre Mutter wartete.

Haus in Regensburg-Weichs akribisch durchsucht

Der Treffpunkt soll an einer Brücke nahe der B 85 gewesen sein. Um 9.40 Uhr soll die 51-Jährige dann mit ihrer Tochter in einem 3er BMW weggefahren sein. Vermutlich fuhren sie zu ihrem Haus im Landkreis Straubing. Zu der Adresse fuhr später auch die Kriminalpolizei und durchsuchte – wie im Regensburger Stadtteil Weichs – Raum für Raum. Allerdings ohne großen Erfolg: Vom größten Teil der Millionen-Beute fehlt wochenlang jede Spur.

Erst Ende Mai kommt der Fall wieder ins Rollen, als ein Zeuge sich bei der Polizei meldet und angibt, einen Koffer voller Geld zu besitzen. Den soll die 51-Jährige bei ihm zur Verwahrung abgegeben haben. Als Ermittler den versperrten Koffer öffnen, finden sie darin rund 820 000 Euro. Das heißt: Bis heute fehlen etwa 130 000 Euro. Die Tat sollen alle drei Beschuldigten unterdessen gestanden haben. Zum Verbleib des Geldes jedoch schweigen sie.

Lesen Sie zu dem Fall auch: Nach Chamer Millionen-Coup – Trio angeklagt für Geldtransporter-Raub

Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum der Regensburger und seine Komplizinnen weiter in U-Haft sitzen – es wird noch immer Verdunklungsgefahr angenommen. Ob alle drei gemeinsam den Plan für ihren Millionen-Coup geschmiedet hatten, wird womöglich erst der Prozess ans Licht bringen: Der Fahrer des Geldtransporters und die 51-jährige mutmaßliche Mittäterin schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher nun.

Die Staatsanwaltschaft hat das Trio wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen angeklagt. Denn der 55-Jährige, der aus dem westlichen Landkreis Regensburg stammt, war bewaffnet – er trug dienstlich einen Revolver Kaliber 38, als er seinen Arbeitgeber um mehr als eine Million Euro erleichtert haben soll. Daher müssen sich auch die zwei mutmaßlichen Mittäterinnen für den verschärften Tatbestand vorantworten. Dem Trio drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Prozesstermin steht noch nicht fest

Wie Landgerichtssprecherin Ruth Koller auf Nachfrage bestätigte, ist die Anklageschrift eingegangen. „Einen Beschluss über die Zulassung zur Hauptverhandlung wurde bislang noch nicht gefasst.“ Zuständig sei die siebte Strafkammer des Regensburger Landgerichts.

Rund 820 000 Euro aus der Millionen-Beute wurden Wochen nach dem Überfall auf den Geldtransporter in einem Koffer beschlagnahmt. Foto: Polizei