Nach Chamer Millionen-Coup im April: Trio angeklagt für Geldtransporter-Raub

Von André Baumgarten, Johannes Schiedermeier · 9. August 2023 um 05:00

Die Polizei hatte bei dem Überfall auf den Geldtransporter am 17. April in Cham alle Geschütze aufgefahren und doch schnell Zweifel an den Schilderungen des Transporterfahrers. Da hatte sie wohl einen guten Riecher. Denn die Staatsanwaltschaft hat den Mann samt zwei weiteren Komplizinnen nun des gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen angeklagt.

Der verschärfende Umstand kommt daher, weil der Fahrer zum Tatzeitpunkt einen Revolver Kaliber 38 getragen hatte. Dafür droht allen bei einer Verurteilung Gefängnis bis zu zehn Jahren.

Landgerichtssprecherin Ruth Koller hat auf Anfrage unserer Zeitung den Eingang der Anklageschrift bestätigt. Einen Beschluss über die Zulassung einer Hauptverhandlung habe die zuständige 7. Strafkammer jedoch noch nicht gefasst.

Überfall war eine Räuberpistole

Der Vorfall hatte Cham am morgen des 17. Aprils aufgescheucht: Überfall auf einen Geldtransporter beim Kaufland – so ging es wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Ein Großaufgebot der Polizei war unterwegs. Fahndung, Spurensicherung. Tätersuche mit Hunden und Hubschrauber. Recht schnell aber kamen einige Zweifel auf. So hatte der Fahrer erst eine halbe Stunde nach der angeblichen Tat die Polizei informiert. Seine beiden Kollegen waren während des angeblichen Überfalls im Kaufland-Gebäude. Der Fahrer beschrieb der Polizei zwei Täter mit dunklen Sweatshirts und übergezogenen Kapuzen, die geflohen seien. Trotz des voll belegten Parkplatzes hatte die keiner gesehen. Ungeklärt blieb auch, warum der Fahrer ausgestiegen war, was erst den Überfall auf das ansonsten unzugängliche und gepanzerte Fahrzeug ermöglicht hatte.

Videoaufnahmen haben wohl zur Aufklärung beigetragen

Neben Widersprüchen bei den Vernehmungen haben wohl auch Videoaufnahmen vom Tatort zur Aufklärung mit beigetragen. Zu Installation der Kameras hatten sich die Geschäftsleute nach Ausschreitungen bei Poser-Treffen verpflichtet. Nur so lässt sich auch erklären, dass die Staatsanwaltschaft dem Fahrer vorwirft, dass er – kaum dass seine Kollegen außer Sichtweite waren – der 28-Jährigen die Fahrertüre geöffnet habe.

Die Staatsanwaltschaft hat nun neben dem Fahrer des Geldtransporters eine 51-jährige Frau und deren 28-jährige Tochter angeklagt. Der Vorwurf: Die 28-Jährige sei zum Geldtransporter gegangen, habe sich dort innerhalb kürzester Zeit einen Millionenbetrag aushändigen lassen. Den habe sie dann zu Fuß in Richtung Altenmarkt gebracht, wo an der Überführung der B85 ihre Mutter im schwarzen 3er BMW wartete. Die Sporttasche sei dann in das Haus der Beschuldigten im Landkreis Straubing-Bogen gebracht worden, so die Staatsanwaltschaft. Am Abend des Tattages konnte die Polizei dort aber nur einen kleinen Teil des Geldes sicherstellen. Nach Informationen unserer Zeitung waren das rund 90.000 Euro.

130.000 Euro bleiben bisher verschwunden

Vom Rest des Geldes fehlte anfangs jede Spur. Dann meldete sich ein Zeuge bei der Kripo und sagte aus, dass ihm die 51-Jährige einen Koffer in Verwahrung gegeben habe. Darin fanden sich 820.000 Euro. Bis heute gibt es keine Spur von den noch fehlenden 130.000 Euro, die das Team des Geldtransporters auf ihrer Tour durch Cham nach dem verkaufsoffenen Sonntag eingesammelt hatte.

U-Haft für alle

Das dürfte ein Grund sein, warum alle drei Beschuldigten bis heute in U-Haft sitzen: Verdunkelungsgefahr. Der 55-jährige Fahrer stammt aus dem Bereich Regensburg und sitzt in der JVA Weiden. Die 51-jährige Mutter aus dem Landkreis Straubing-Bogen sitzt in der JVA Nürnberg, ihre 28-jährige Tochter in der JVA Regensburg.

Nach Informationen unserer Zeitung haben alle drei die Tat weitgehend gestanden. Der 55-Jährige und die 51-Jährige schieben sich jedoch die Hauptschuld gegenseitig zu. Allerdings sollen sie den Tatplan gemeinsam geschmiedet haben. Wo das fehlende Geld geblieben ist, haben die Beteiligten bisher nicht verraten.

Mit Suchhunden ging die Polizei die angebliche Fluchtstrecke der Täter ab.