Schuldzuweisungen beim Prozessauftakt: Geschah der Millionenraub aus Liebe?

Von André Baumgarten · 20. Oktober 2023 um 15:34

Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter in Cham hat in Regensburg der Prozess gegen die drei Angeklagten begonnen. Mehr als eine Million Euro sollen sie am 17. April gestohlen haben. Dafür stehen eine 52-Jährige, ihre Tochter sowie der Fahrer eines Sicherheitsdienstes vor Gericht. Sie haben die Tat alle gestanden.

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Doch der 55-Jährige belastete seine mutmaßlichen Komplizinnen schwer. Die Mutter solle ihn benutzt haben, um an die Beute zu kommen. Er hab nur aus Liebe zu der 52-Jährigen mitgemacht. „Ich habe ihr blind vertraut – ich war verliebt.“

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio gemeinschaftlichen Diebstahl mit Waffen vor. Als die Kollegen des 55-Jährigen an jenem Montag in Cham den Geldtransporter verlassen hatten, soll der Angeklagte der 28-Jährigen die Tür geöffnet und die Millionenbeute in eine Sporttasche gepackt haben. Danach soll die junge Frau zum Fluchtwagen gegangen sein, in dem ihre Mutter wartete. Der war laut Anklage einige Hundert Meter entfernt geparkt. Mit etwas Verzögerung wurde dann die Polizei alarmiert und es lief ein beispielloser Großeinsatz samt Suche per Polizeihubschrauber an.

Doch es kamen früh Zweifel an den Angaben des 55-Jährigen auf. Ein Verdacht, der sich bald bestätigte – nur neun Tage nach dem Coup am helllichten Tag wurde der Regensburger festgenommen. Auch die beiden Frauen wurden verhaftet. Im Haus von Mutter und Tochter im Landkreis Straubing-Bogen waren noch am Tattag knapp 90.000 Euro sichergestellt worden. Später tauchten weitere rund 820.000 Euro in einem Koffer auf – den hatte ein Zeuge Wochen später abgeliefert.

Zum Prozessauftakt räumten alle drei Angeklagten ihre Tatbeteiligung ein. Die Mutter ließ ihren Anwalt erklären, dass der Regensburger sie zur Tat gezwungen habe. Strafverteidiger Martin Ondrasik erklärte für die Influencerin aus Niederbayern, dass sie nur Helferin gewesen sei. Sie habe getan, was ihr der Mitangeklagte am Tag vor dem Überfall am Telefon gesagt habe. Ausführlich ließen Strafverteidiger Helmut Mörtl und Prabhlin Sidhu den 55-Jährige dagegen über die Hintergründe reden. Er will benutzt worden sein, für Wellness-Urlaube der Mutter und sogar Schönheits-OPs der 28-Jährigen gezahlt haben. Drahtzieher sei die 52-Jährige gewesen, so dessen Angaben.

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Großes Schweigen herrscht jedoch zu dem Detail, das die Ermittler nicht klären konnten: Wo ist ein nie gefundener Teil der Millionen-Beute versteckt? Etwa 130.000 Euro fehlen bis heute. Am Nachmittag wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Weil sie den Coup laut der Staatsanwaltschaft akribisch geplant haben soll, drohen allen Angeklagten bis zu zehn Jahre Gefängnis. Nach einem Rechtsgespräch wurde zu Prozessauftakt klar, dass die Anklage nicht unter fünf Jahren Gefängnis für angemessen hält.

Der 55-jährige Mann aus Regensburg auf der Anklagebank wird im Prozess von den Strafverteidigern Helmut Mörtl (re.) und Prabhlin Sidhu (li.) vertreten.“