Millionen-Coup in Cham: Chats der Angeklagten bieten intime Einblicke

Von André Baumgarten · 27. Oktober 2023 um 19:00

Pikante Details zur Beziehung eines Regensburgers und seiner Ex-Freundin bringt der zweite Prozesstag zum Geldtransporter-Überfall in Cham an Licht. Es geht um Nacktbilder, viel Geld und Schönheits-OPs.

Als Ermittler Ende April das Haus einer 52-Jährigen durchsuchen, fallen ihnen bündelweise Geldscheine entgegen – wohl Teile der Millionenbeute, die die Frau zusammen mit einem Regensburger und ihrer Tochter bei einem Coup neun Tage zuvor gemacht haben soll. Das wurde im Prozess um den Geldtransporter-Überfall in Cham nun bekannt. Die Verteidiger des Mannes, der den gepanzerten Wagen fuhr, überraschten das Gericht am Freitag mit einem Antrag, den 55-Jährigen psychiatrisch untersuchen zu lassen. Das könnte Auswirkungen auf das Strafmaß haben.

Psychiatrischer Gutachter wurde beauftragt

Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstags wies Strafverteidiger Helmut Mörtl auf einen Arbeitsunfall seines Mandanten hin. Ein Bruder des Mannes hatte den Anwalt auf Wesensveränderungen hingewiesen. Sogar das Fernsehen habe sich seinerzeit für den Fall interessierte, „weil das so eine schwere Kopfverletzung war“, erklärte der Angeklagte dazu selbst.

Kurzfristig gelang es der siebten Strafkammer, einen psychiatrischen Sachverständigen zu organisieren, der am kommenden Freitag sein Gutachten abgeben soll. Danach sollen wohl auch die Plädoyers in dem Fall gehalten werden. Das kündigte das Landgericht am Ende des Sitzungstages noch an.

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Das Trio ist wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen angeklagt. Sie sollen am 17. April in Cham etwas mehr als eine Million Euro aus einem Geldtransporter gestohlen haben. Zur Frage, wer die Fäden für den letztlich geradezu dilettantischen Coup zog, weisen sich der 55-Jährige und seine Freundin gegenseitig die Schuld zu. Er gab an, aus Liebe zu der 52-Jährigen mitgemacht zu haben: „Ich habe ihr blind vertraut.“

Die mitangeklagte Frau aus dem Landkreis Straubing-Bogen ließ dagegen verlauten, sie sei von dem Regensburger dazu gezwungen worden. Ihre 28-jährige Tochter , die als Influencerin Top-Wellnesshotels bewarb, will nur das Ganze getan haben, was der Mitangeklagte von ihr verlangt habe. So sagte es Strafverteidiger Martin Ondrasik.

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Die widersprüchlichen Angaben der Mutter standen auch am zweiten Prozesstag im Fokus. In Aussagen bei der Kripo habe die „immer wieder neue Ausreden gefunden“, den Regensburger immer wieder belastet und dann alles revidiert. Auch von einer Vergewaltigung war dabei die Rede – als sie dazu vernommen werden sollte, verweigerte sie die Aussage. So schilderten es Ermittler vor Gericht. Chats zwischen ihr und dem Mitangeklagten, und auch mit ihrer Tochter, brachten dazu keinerlei Indizien zutage. Besser gesagt, im Gegenteil: Um den Tag des angeblichen Übergriffs habe sich nichts verändert, erklärte ein Beamter.

Fündig wurde die Kripo allerdings nur auf dem Handy des Mannes – seine mutmaßlichen Komplizinnen hatten ihre Geräte um den Tag des Millionen-Coups gelöscht. Daher wurden Liebesbekundungen zwischen dem einstigen Paar aktenkundig. „Wenn es um Geld ging, zahlte er“, sagte ein Ermittler, sie habe sich für Screenshots der Überweisungen mit Nacktfotos bedankt. Doch die Chats zeigten auch: Der Regensburger, der sogar für drei Schönheits-OPs der Tochter bezahlte, war nicht der einzige Mann im Leben der 52-Jährigen.

Fällt am 3. November Urteil oder später?

Für die rechtliche Würdigung, die die siebte Strafkammer des Landgerichts zu treffen hat, spielt das jedoch keine große Rolle. Am 3. November soll nach derzeitiger Planung plädiert werden. Ob am selben Tag auch das Urteil zum Geldtransporter-Überfall von Cham fällt, steht noch nicht fest. Womöglich muss dafür ein weiterer Prozesstag angesetzt werden.

Strafverteidiger Helmut Mörtl (re. ) und Prabhlin Sidhu (li.) überraschten am Freitag mit einem Antrag. Foto: Baumgarten
Der Geldtransporter-Fahrer aus Regensburg und seine mitangeklagte Ex-Freundin (3.v.li.) schieben sich gegenseitig die Hauptschuld an dem Millionen-Coup vom 17. April zu. Foto: Baumgarten