Neunburgs Polizei nahm 2025 mehr Unfälle auf – So viele Verkehrstote wie lange nicht

Es ist eine mehr als traurige Bilanz: Im Jahr 2025 ereigneten sich im Dienstbereich der Neunburger Polizei vier tödliche Verkehrsunfälle. So viele Verkehrstote hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben. Auch die Gesamtzahl der Unfälle ging nach oben.
■ Unfallzahlen auf höchstem Stand seit Langem: Neunburgs Polizei musste im vergangenen Jahr mehr Unfälle aufnehmen. Ereigneten sich 2024 noch 569 Verkehrsunfälle, stieg deren Zahl 2025 auf 594 an. Das ist ein Plus von vier Prozent, wie Markus Schlegel, Verkehrssachbearbeiter der PI Neunburg, kürzlich die Bürgermeister aus dem Dienstbereich informierte. Ein so hoher Wert wie im Vorjahr wurde seit Langem nicht mehr erreicht. Die höchsten Unfallzahlen der jüngeren Vergangenheit gab es im Jahr 2023 mit 574 und im Jahr 2018 mit 572 Verkehrsunfällen.
Die Steigerung findet sich in erster Linie in den Kleinunfällen wieder, die sich um 20 Verkehrsunfälle erhöhten. Zu den „kleineren“ Unfällen gehören auch die Kollisionen mit Wild. Da hielt sich die Zahl mit 319 gegenüber 320 im Jahr 2024 die Waage.
■ Unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Gemeinden: Während im gesamten PI-Dienstbereich die Unfallzahlen nach oben gingen, zeigen sich in den sechs Gemeinden unterschiedliche Entwicklungen. Am besten kam Schwarzhofen davon, wo es mit 45 Unfällen zehn weniger als im Jahr zuvor gab. Schwarzhofen ist aber auch die einzige Gemeinde mit einem Rückgang. In Neukirchen-Balbini blieb die Unfallzahl stabil bei 32, in Dieterskirchen und Thanstein ging die Zahl leicht um zwei Unfälle nach oben. Die höchsten Anstiege verzeichneten Neunburg, wo es 323 statt 305 Unfälle gab, sowie Bodenwöhr mit einem Plus von ebenfalls 18 Unfällen – 105 gegenüber 87 im Jahr 2024. Laut Schlegel geht die Erhöhung in Bodenwöhr vor allem auf eine gestiegene Zahl an Wildunfällen zurück. Die seien auch durch die Sperrung der B85 und die dadurch notwendigen Umleitungen hervorgerufen worden.
■ Vier Verkehrstote in einem Jahr sind ein trauriger Rekord: Bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden war 2025 ein leichter Anstieg von 46 auf 52 verletzte Personen zu verzeichnen. Traurig ist dabei vor allem die Zahl der Verkehrstoten, die 2025 bei vier lag. So viele tödliche Unfälle gab es seit Jahren nicht mehr. Laut der Verkehrsstatistik der PI Neunburg lag die Zahl seit 2018 immer zwischen Null und zwei Verkehrstoten.
2025 hatte dagegen schon tödlich begonnen: Anfang Januar war ein 32-jähriger Syrer auf der B85 nach der Kuppe am Mappenberg von der Fahrbahn abgekommen und gegen eine Baumgruppe geprallt. Im August kam dann ein Ducati-Fahrer auf der Kreisstraße SAD47 bei Dieterskirchen ums Leben. Auch er war von der Straße abgekommen und im Feld gelandet. Besonders traurig war der Tod eines 22-Jährigen, der bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Staatsstraße 2398 bei Wutzelskühn getötet wurde. Ebenfalls bei einem Unfall verstorben ist eine 78-Jährige auf der Verbindungsstraße am Eixendorfer See, kurz nach dem Hochwasserspeicher.
Aus polizeilicher Sicht könne die Sicherheit an den Unfallstellen kaum verbessert werden. Bei Wutzelskühn hatte die Polizei jedoch eine Geschwindigkeitsbeschränkung und ein Überholverbot in der langgezogenen, unübersichtlichen Linkskurve angeregt. Beides sei geprüft, aber von der Verkehrsbehörde des Landkreises Schwandorf abgelehnt worden, so Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt. Aus Sicht der Kreisbehörde handele es sich bei dem tödlichen Unfall um einen Einzelfall, der ein Überholverbot und eine Tempo-Beschränkung nicht rechtfertigen würde.
■ Es gibt nach wie vor keinen Unfallschwerpunkt: Einen Unfallschwerpunkt gab es im Neunburger Raum auch im Jahr 2025 nicht. Zwar hatte sich auf einzelnen Strecken die Zahl der Unfälle erhöht – so auf der B85 zwischen Neuenschwand und Bruck (27 statt 13 Unfällen), der Kreisstraße SAD18 zwischen Altenschwand und Fuhrn (33 statt 22) und der SAD48 zwischen Neunburg, Thanstein und der Bundesstraße 22 (18 statt acht) –, aber eine kritische Stelle hat sich nicht herauskristallisiert.
In den vergangenen Jahren hatte die Polizei vor allem die sogenannte Norma-Kreuzung im Neunburger Industriegebiet im Blick. Diese Stelle war zwar auch kein Unfallschwerpunkt, dennoch gab es immer wieder Kollisionen, die zum Handeln zwingen. Schon seit Längerem soll deshalb diese Kreuzung zu einem Kreisverkehr umgebaut werden. Ende Juni, spätestens Anfang Juli soll es nun endlich losgehen, bestätigte Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) auf Nachfrage.
■ Ungenügender Sicherheitsabstand bleibt die Unfallursache Nummer 1: Bereits 2022 und 2024 rangierte der ungenügende Sicherheitsabstand auf Platz 1 der Hauptunfallursachen. Daran hat sich auch 2025 nichts geändert. Bei der zweithäufigsten Ursache – Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren – gab es ebenfalls keine Änderung gegenüber 2024. Das Nichtbeachten der Vorfahrt rückte dagegen von Platz 4 auf den dritten Rang nach vorn.
■ Mehr Raser wurden von der Polizei erwischt: Das Handlasergerät wurde durch Beamte der PI Neunburg bei 122 Messungen (2024: 111) insgesamt 141 Stunden (2024: 136 Stunden) eingesetzt. Es kam zu 159 erfassten Beanstandungen (2024: 146). In diesem Zuge mussten 20 Fahrverbote (2024: fünf) ausgesprochen werden. Außerorts lag die höchste Überschreitung bei 204 km/h anstatt der erlaubten 100 km/h auf der B85 bei Bodenwöhr in Fahrtrichtung Cham. Diesen Fahrer erwartete ein Bußgeld von 1400 Euro, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei.
Fast doppelt so schnell wie erlaubt war auch ein Autofahrer auf der Staatsstraße 2398 in Erzhäuser unterwegs: 91 km/h statt der erlaubten 50 km/h. Er musste 260 Euro Bußgeld zahlen, einen Monat auf seinen Führerschein verzichten und erhielt ebenfalls zwei Punkte in Flensburg.
Weitere Daten aus der Verkehrsstatistik
• Unfälle durch Alkohol: Im Vorjahr nahm die Polizei Neunburg vier Unfälle auf, bei denen die Unfallursache übermäßiger Alkoholkonsum war. Das waren zwei Unfälle weniger als im Jahr 2024. 26 alkoholisierte Fahrzeugführer mussten aufgrund einer folgenlosen Trunkenheitsfahrt ihren Führerschein abgeben (2024: 56).
• Unfallverursacher: Die durch junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) verursachten Unfälle beliefen sich 2025 auf 20 (2024: 16). Durch Senioren wurden 24 Unfälle verursacht (2024: 17).
• Fahrradunfälle: Zehn Unfälle ereigneten sich im PI-Bereich, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren (2024: neun). Sieben Radfahrer wurden leicht verletzt, drei schwerer.
• Fußgängerunfälle: 2025 ereigneten sich zwei Verkehrsunfälle mit einem Fußgänger (2024: vier), die dabei einmal leicht und einmal schwerer verletzt wurden.
• Unfallfluchten: Der PI Neunburg wurden 2025 insgesamt 50 Verkehrsunfallfluchten angezeigt. Im Vorjahr waren es 65. Dies entspricht einem Minus von 23 Prozent. 18 Unfallfluchten konnten geklärt werden.