Mit 21 Jahren schon Stadtrat: Elias Schütz will jungen Neunburgern eine Stimme geben

Von Jan Lange · 8. Juni 2026 um 17:00

In der Kommunalpolitik wird auch über Themen abgestimmt, die die Jugend betreffen ohne die betroffenen Generationen. Junge Menschen sind in den Stadt- und Gemeinderäte kaum vertreten. Die Wahl im März hat in Neunburg (Landkreis Schwandorf) einiges verändert: Im Stadtrat ist nun der 21-jährige Elias Schütz vertreten. Für seine Generation will er das eine oder andere erreichen.

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Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) kann sich nicht erinnern, dass ein gewählter Stadtrat jemals jünger gewesen sei als Elias Schütz. 2008 war Peter Schießl gewählt worden – mit damals 24 Jahren. Er schied 2017 aus dem Gremium aus. Für ihn rückte Thomas Albang (CSU) in den Stadtrat nach, der bis zur Kommunalwahl 2026 der jüngste Stadtrat war. Mit seinen 39 Jahren ist Albang fast doppelt so alt wie Schütz.

Dass er als 21-Jähriger gleich bei seiner ersten Kandidatur für die CSU gewählt werden würde, hatte Elias Schütz bis zuletzt nicht geglaubt. Die Auszählung der Stimmen hatte der Kröblitzer am 8. März mit einigen anderen Kandidaten im Büro des Bürgermeisters verfolgt. Bald war klar: 1629 Stimmen reichen für den Einzug in den Stadtrat. Zwischen ihm und dem ersten CSU-Kandidaten, der es nicht in den Stadtrat geschafft hatte, lagen fast 100 Stimmen dazwischen.

Zum städtischen Jugendbeauftragten gewählt

Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates im Mai wurde Schütz zum städtischen Jugendbeauftragten gewählt. Außerdem wird er im Gesundheits- und im Werkausschuss mitarbeiten. Dass er sich als Stadtbeauftragter um die Interessen der Jugend kümmern werde, sei schnell klar gewesen. Denn wer könnte die jüngeren Generationen besser vertreten als der jüngste Stadtrat. Die Besetzung der Ausschüsse sei ein Vorschlag des Fraktionsvorsitzenden gewesen, berichtet Schütz. Er sei zufrieden damit und finde es für den Anfang gar nicht so schlecht, dass er nicht gleich in den Bauausschuss gewählt wurde.

Mit den Themen Gesundheit und Stadtwerke (Werkausschuss) hatte er bisher wenig zu tun, aber er müsse sich eh in alles reinarbeiten, meint der 21-Jährige. Nach dem Abitur am Gymnasium in Oberviechtach, begann er vor drei Jahren in Weiden Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Die Praktikas während des dualen Studiums absolviert er beim Neunburger Automatisierungsunternehmen FEE. Ob er auch nach dem Studium weiter dort täig sein wird, sei derzeit noch offen. Schütz ist aktuell im sechsten Semester. Er rechnet damit, im Februar 2027 das Studium zu beenden.

Ich will mich einbringen, um etwas zu verändern.Elias Schütz (21) aus dem Neunburger Ortsteil Kröblitz

Bis dahin wird er sich erstmal in die Stadtratsarbeit stürzen. Dass vor Kurzem Neunburgs Grünen die Gründung eines Jugendparlaments gefordert haben, findet Schütz gut. Auch er habe sich im Wahlkampf für ein solches Gremium stark gemacht. Bedenken, dass dadurch Doppelstrukturen geschaffen würden, weil es schon die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Jugend gebe, sind aus seiner Sicht unberechtigt. Denn die Arge sei die Vertretung der Vereine mit Jugendarbeit. Dort sitzen die Jugendverantwortlichen, aber nicht die Jugendlichen selbst – anders als in einem Jugendparlament. Man müsse Beides unter einem Hut zusammenfassen, findet Schütz.

Auch einen Ort zu schaffen, wo sich Jugendliche treffen könnten, sei ein Ziel. Seit Corona habe sich dabei viel verändert. Angebote wurden geschlossen und nach dem Ende der Pandemie nicht wieder eröffnet. Spezielle Veranstaltungen für die Jugend wie beispielsweise die Beachparty habe es auch nicht mehr gegeben. Neunburgs Jugend habe das Gefühl, dass es wenig Angebote für ihre Generation gebe, weiß Elias Schütz.

Schon seit einigen Jahren politisch engagiert

Der 21-Jährige ist sich bewusst, dass das Thema in den vergangenen Jahren bei den Stadträten nicht erste Priorität hatte. Die Jugendlichen würden sich daher nicht immer zu 100 Prozent verstanden fühlen, findet der Kröblitzer. Das werde in der Einschätzung deutlich, dass im Stadtrat doch nur „lauter alte Leute hocken“ würden. Mit seiner Wahl hat sich das nun ein bisschen geändert. Von seinen Fraktionskollegen oder den anderen Stadträten sei er wegen seines Alters bisher nicht belächelt worden. Das liegt vielleicht auch daran, weil er sich bereits seit einigen Jahren politisch engagiert.

Eine Diskussion innerhalb der Familie hatte den Anstoß gegeben. Man könnte sich doch auch einbringen, war eine Aussage, die ihm im Kopf hängenblieb. Ein paar Monate später fand während des Bundestagswahlkampfes 2021 in Neunburg eine Wanderung mit der damaligen CSU-Kandidatin Martina Englhardt-Kopf statt. Elias Schütz war dabei und kam so zur CSU und zur Jungen Union, deren Ortsvorsitzender er seit vorigem Jahr ist. Sein Freundeskreis sei zuerst überrascht gewesen über sein Parteiengagement, weil das politische Interesse unter seinen Kumpels nicht so groß gewesen sei. Heute werde bei gemeinsamen Treffen schon mal gescherzt, dass auch die CSU da sei.

Ehrenamtlich aktiv ist der 21-Jährige nicht nur auf politischer Ebene. So ist er Oberministrant in Neunburg und beim Schützenverein aktiv, wo er die Aufgabe des Schriftführers übernommen hat. Darüber hinaus gehört er als Beisitzer auch der Vorstandschaft des Bundes Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ), der Kolpingfamilie und der Arge Jugend an. Die Arbeit als Stadtrat sei nun „eine Stufe höher“. Denn während er in den Vereinen 50 bis 100 Mitglieder vertrete, seien es als Stadtrat mehr als 8000 Neunburger.