Ex-Kaufhof in Regensburg: Fans des Gebäudes wollen neuer Stadt-Regierung Druck machen

Die Wahl ist rum, die neue Stadtregierung steht – höchste Zeit für die Initiative zum Erhalt des Regensburger Kaufhof-Gebäudes, wieder mit Nachdruck für ihr Vorhaben zu werben.
In der Koalitionsvereinbarung der neuen Stadtregierung ist der leerstehende Koloss am Neupfarrplatz gleich an zwei Stellen erwähnt. Die Vision einer vielfältig gemischten Nutzung mit Einzelhandel, Büro, Freizeit, Kultur und gemeinnützigen Dienstleistungen wird da formuliert, verbunden mit dem Versprechen: „Die Entwicklung des ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäudes ist uns wichtig und wird aktiv und fordernd durch die Stadt begleitet.“
Für die Initiative „Unser Stadtraum – Zukunft Neupfarrplatz“ bedeutet das einen wichtigen Etappensieg, denn ihre Forderung nach Erhalt und zukunftsfähiger Neunutzung ist nun dauerhaft und ganz in ihrem Sinne auf der politischen Bühne angekommen. Fast ausschließlich haben im neuen Rathaus-Bündnis Parteien und Gruppierungen zusammengefunden, deren Vertreter bereits vor der Wahl große Sympathie für den Kaufhauskomplex geäußert hatten. Bei einer großen Diskussionsveranstaltung mit OB-Kandidaten im Februar hatte einzig Michael Schien von den Freien Wählern über das Gebäude gelästert – doch diese Einzelmeinung scheint der Koalitionsvertrag jetzt „eingefangen“ zu haben.
„Zeigen, was das Ding alles kann“
An besagten Abend im Leeren Beutel denken die Mitglieder der Initiative „Unser Stadtraum – Zukunft Neupfarrplatz“ bis heute gern zurück. Vor allem deshalb, weil der Saal mit mehr als 300 Besuchern zum Bersten gefüllt war. „Das hat gezeigt, dass es der Stadtgesellschaft nicht egal ist, was mit dem Kaufhof passiert“, meinte beim jüngsten Treffen am Montagabend Bernd Rohloff vom Architekturkreis Regensburg. Johannes Zettel, der Sprecher der Initiative, ergänzte: „Das hat auch die Stadtpolitik wahrgenommen.“
Nach der wahlbedingten Pause gilt es nun, das heiße Eisen weiter zu schmieden. Deshalb wird es am Samstag von 10 bis 14 Uhr an der Alten Wache einen Infostand geben. Hier, direkt am historischen Teil des Komplexes, wollen die Liebhaber des Kaufhof-Gebäudes über ihre Gründe für den Erhalt, die Möglichkeiten einer Belebung und die damit verbundenen Chancen für den Neupfarrplatz und die gesamte Altstadt informieren. „Wir wollen zeigen, was das Ding alles kann. Der Baukörper ist da, und es gibt tolle Nachnutzungen für ihn“, so Rohloff.
Wenn die Leute dann sagen ,Haut weg den Scheiß', müssen wir auch damit leben.Ulrich Dotter, Architekt
Gleichzeitig soll ein Meinungsbild der Passanten abgefragt werden. „Wenn die Leute dann sagen ,Haut weg den Scheiß, müssen wir auch damit leben“, erwartet Architekt Ulrich Dotter eine durchaus offene Diskussion. Doch entscheidend sei, im Gespräch zu bleiben: „Wir haben das Thema gesetzt, jetzt müssen wir es weiter voran treiben.“
Dabei gehe es um langfristige Perspektiven genauso wie um kurzfristige Maßnahmen. „Es muss auch schnell etwas passieren“, meinte Dotter im Hinblick auf den sich verschlechternden Zustand der Immobilie. Albert Zacher von den Altstadtfreunden griff dies auf und verwies auf die maroden Schutznetze an der Fassade: „Das ist mittlerweile der größte Taubenschlag der Stadt, das wird ein Problem.“
Die „Chefsache“ wird genau beobachtet werden
Den städtischen Planungsreferenten wähnt die Initiative an ihrer Seite: „Ich glaube, dass wir bei Florian Plajer offene Türen einrennen“, schätzte Dotter, der jedoch auch die Grenzen der Kaufhof-Fans kennt: Für eine Einflussnahme auf die Eigentümer habe man den Hintern zu weit unten, sagte er am Montag.
In dieser Hinsicht ruhen die Hoffnungen auf dem neuen Oberbürgermeister Thomas Burger. Die Stadt müsse beim Kaufhof „die Hand draufbekommen“, hat dieser vor wie nach der Wahl gesagt und entsprechende Erwartungen geweckt.
„Er hat zugesichert, dass er das Thema zur Chefsache macht. Daran werden wir ihn messen“, betonte auch Zettel. Die Initiative hoffe, diesen Prozess begleiten zu können. Im Austausch mit dem Stadtoberhaupt sei man jedenfalls.
Weitere Aktivitäten sind geplant
• Anlieger-Info: Was halten Geschäftsleute im Umkreis von der Initiative für das Kaufhof-Gebäude und welche Ideen haben sie selbst? Um diese Fragen geht es bei einem Treffen für geladene Gäste am nächsten Dienstag im Akuso-Forum am Haidplatz/Rote-Hahnen-Gasse.
• Lange Tafel: Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Lange Tafel der Baukultur“ will der Architekturkreis am Freitag, 19. Juni, eine eben solche am Kaufhof-Komplex aufbauen. In Picknick-Atmosphäre sollen Pläne und Visionen für das Gebäude diskutiert werden.