Das erwartet die Wirtschaft vom neuen Regensburger Oberbürgermeister

Die Unternehmen pochen auf offene Kommunikation, die Nordspange und einen Plan – Thomas Burger will Tempo machen in Regensburg. Schließlich kommt der 55-Jährige aus der Industrie.
Eine Großstadt wie Regensburg stellt Weichen für die Wirtschaft: Durch Entscheidungen zur Verkehrsinfrastruktur, zur effizienten Verwaltung, zur Gewerbesteuer oder zu Ansiedlungsflächen. Gegenwärtig verdienen rund 133 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ihren Lebensunterhalt in der Domstadt. Doch die Arbeitslosenquote hat Ende März 5,3 Prozent erreicht. Eine Reihe von Unternehmen spart Jobs ein. Wie geht es weiter? Was hat der künftige Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger (SPD) vor?
Die Erwartungen der Wirtschaft sind hoch. „Wir brauchen wieder eine Idee, wohin sich Regensburg in den nächsten 30 bis 40 Jahren entwickeln will“, fordert Christian Volkmer, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim. Er pocht genau wie sein Kollege Dr. Georg Haber von der Handwerkskammer auf die Nordspange (Ausbau der Nordgaustraße und Bau der Sallerner Regenbrücke). Auch eine Lösung für den leerstehenden Kaufhof, eine enge Kooperation zwischen Stadt und Umland, etwa bei Betriebsansiedlung oder Verkehr, sind ihm wichtig.
Noch arbeitet Thomas Burger als Manager in der Automobilindustrie: bei der Schaeffler AG. Er kennt die Wirtschaft von innen. Der Physiker ist als Manager für Product Cybersecurity in der Elektromobilität verantwortlich, also für den Schutz von Anlagen und Daten vor Angreifern.
Kommt eine schnellere Digitalisierung im Rathaus?
Der künftige OB verweist beim Interview auf seine wirtschaftliche Expertise. „Ich weiß, was Projektmanagement ist, ich kenne Change Management, die Veränderung einer Organisation.“ Mit der Digitalisierung von Arbeitswelten ist der 55-Jährige ebenfalls vertraut. „Die Industrie und die Stadtverwaltung sind größere Systeme. Da gibt es ähnliche Herausforderungen“, sagt er. „Ich habe einen anderen Hintergrund von außen und kann in Verantwortung die Dinge schneller umsetzen – und schlanker organisieren.“
Mit Burgers Hintergrund verbindet IHK-Präsident Christian Volkmer Hoffnungen. „In Konzernen und einem wirtschaftlichen Umfeld ist man es stärker gewöhnt, unterschiedliche Parteien zu gemeinsamen Zielen mitzunehmen.“ In der Wirtschaft bewege man sich stets in einem kompetitiven Umfeld. „Das kann durchaus neue, erfolgreiche Ansätze mit sich bringen“, erwartet Volkmer.
Wegen der rascheren Digitalisierung des Rathauses – intern und beim Bürgerservice – will sich Thomas Burger demnächst mit den Verantwortlichen zusammensetzen.
Burger wünscht sich persönlichen Austausch
Ihm schwebt eine Regensburg-App vor, die einen Mängelmelder und alle bedeutenden Serviceinformationen für die Stadtbewohner bietet: Wo sind Parkplätze frei? Wo liegt das Bürgerbüro? Wo werde ich Recyclingmüll los? „Wir haben viele Informationen auf der Website, die Menschen finden sie aber nicht“, erlebt Burger.
Den beschlossenen Wirtschaftsbeirat möchte er umgehend auf den Weg bringen. Burger ist überhaupt ein Fan des persönlichen Austausches. „Da kann man das eine oder andere schneller erreichen, sich gegenseitig voranbringen.“ Zum Energiepark Ost etwa, der Solarenergie für Aumovio, Schaeffler und Siemens produzieren soll, werde er sich regelmäßig mit den Energieversorgern austauschen. Dass sich die Wirtschaft eine offene Kommunikation wünscht, bestätigt Manager Michael Thurner vom Software-Unternehmen Vector am TechCampus: „Oder wie man in Bayern sagt: Durchs Reden kemman d’Leit zam.“
Burger betont, dass nicht nur Jobs gestrichen werden, sondern auch viele neue entstehen, zum Beispiel bei der Maschinenfabrik Reinhausen und in der Kreativbranche. „Es ist nicht so, dass am Standort alles nach unten geht.“ Das Kreativareal im Stadtlagerhaus will er vorantreiben. Burger hat vor, Firmen-Netzwerke zu fördern. Ziel: Der Wechsel von Fachleuten aus Krisen-Unternehmen in Boombranchen. Mit einem Expat-Center soll Regensburg zugleich für gesuchte internationale Fachleute noch attraktiver werden.
Begegnungsort, Gastro und Handel im Kaufhof
Für die Themen Verkehr und Ansiedlung fordert er: „Wir müssen mehr in der Region denken – etwa interkommunale Gewerbegebiete schaffen.“ Der künftige OB spricht sich für den Bau der Nordspange aus. Christian Volkmer von der IHK hofft indes, dass die Zukunft der Nordspange nicht den Koalitionsverhandlungen zum Opfer fällt. Georg Haber von der Handwerkskammer ergänzt: Mit den zahlreichen Kunden und Handwerkern, die täglich nach Regensburg kommen, spiele auch eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur eine zentrale Rolle. „Eine zukunftsgerichtete kommunale Verkehrspolitik muss Erreichbarkeit sichern und Staus vermeiden.“
Thomas Burger will das Bussystem auf ein neues Niveau heben – mit höherer Taktung und eigener Spur – und das Radfahren mit Hauptradrouten beschleunigen. In der Altstadt hat er vor, die „intelligente Verkehrsberuhigung“ fortzuführen und Plätze weiter umzubauen, um das Zentrum attraktiver zu machen. Burger verspricht, dass er sich um den leerstehenden Kaufhof kümmern wird. „Wir müssen die Hand als Zwischenerwerb draufbekommen und dann Gespräche mit möglichen Investoren führen.“ Er stellt sich eine gemischte Nutzung mit einer Bibliothek der Zukunft als Begegnungsort, Co-Working, Gastro, Einzelhandel und Fahrradparkhaus im Untergeschoss vor. „Ich weiß von Leuten, die gerne investieren würden.“