Eltern an der Regensburger Kreuzschule schlagen Alarm – Sozialbetreuung gibt es nur im „Notfall“

Nur im „Notfall“ Sozialbetreuung für Kinder mit schweren Problemen? Der Elternbeirat der Regensburger Kreuzschule schreibt Brandbrief an die Stadt: „Unverständlich und besorgniserregend“.
Die Kreuzschule liegt zwar im Regensburger Westen, einem Viertel, das traditionell mit weniger Problemen kämpft als der Stadtosten oder -norden. Doch zum Sprengel zählen auch Teile der Altstadt mit den Frauenhäusern, dem Kinderschutzhaus und zwei Heimen für Kinder und Jugendliche. Schüler mit diesem Hintergrund sind oft psychisch stark belastet, müssen noch häufiger mit Scheidungssituationen klarkommen als andere oder haben sogar Gewalt erlitten.
Schulleiterin Beate Müller stellt auch ganz grundsätzlich fest: „Die Anzahl der Kinder, die schon mit Problemen in die Schule kommen, wird immer größer. Sie kommen aus Trennungsfamilien, aus Migrantenfamilien, die sich erst finden müssen.“ Die Zahl der Alleinerziehenden nimmt zu.
Viele Grundschüler sind so verhaltensauffällig, dass sie aus dem Unterricht genommen werden müssen. „Diese Kinder müssen gestärkt werden“, fordert Müller.
Droht der Grundschule jetzt monatelange Hängepartie?
Das aber können die Lehrkräfte neben dem Unterricht nicht leisten. Deshalb brauchen die Schulen Sozialpädagogen. Bis Mitte März war eine langjährige Fachkraft an der Kreuzschule mit rund 500 Kindern tätig, doch sie ist in den Ruhestand gewechselt. Wann eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger kommt, steht in den Sternen.

Der Elternbeirat reagiert mit einem Offenen Brief vom 18. März an die Stadt. Er würdigt zunächst die Arbeit der langjährigen Sozialpädagogin. Und kritisiert dann scharf: „Umso unverständlicher und besorgniserregender ist es für uns, dass die Stellenausschreibung für ihre Nachfolge erst Ende des Monats vor ihrem Renteneintritt veröffentlicht wurde (26. Februar 2026).“ Sozialpädagogische Arbeit lebe von Vertrauen, Kontinuität und gewachsenen Beziehungen – zu Kindern, Lehrkräften und Familien. Eine solche Stelle in einem derart kurzen Vorlauf zu besetzen, mache eine inhaltliche und persönliche Übergabe unmöglich, bedauert der Beirat. Wichtige Informationen über einzelne Kinder und laufende Beratungsprozesse könnten nicht weitergegeben werden. „Das schadet den betroffenen Kindern.“ Die Elternvertretung bemängelt, dass statt einer echten Lösung eine Vertretung kommen soll, „die ausschließlich in ausgesprochenen Notfallsituationen kontaktiert werden kann“.
Das hat nach Urteil der Eltern nichts mit einer kontinuierlichen Begleitung zu tun, sondern sei „absolutes Minimum“. Sie fordern Auskunft über die fachliche Qualifikation, die gerade in Krisensituationen wichtig sei. Außerdem pocht der Elternbeirat auf zwei Kräfte für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS). Ab einer Größe von 400 Kindern bestehe ein Anspruch darauf. „Die JaS ist superwichtig für das Gefüge an der Schule. Es gibt Konflikte wie überall im Leben. Es ist unabdingbar, dass sich jemand um das Zwischenmenschliche kümmert“, sagt Elternbeirat Moritz Hunger. Ohne sozialpädagogische Betreuung laufe es darauf hinaus, dass die Bedürfnisse mancher Kinder gar nicht mehr erfüllt werden können. Die bisherige Fachkraft war an der Kreuzschule „stark beansprucht“.
Schulleiterin Beate Müller nennt Beispiele: Nach Trennungen müssten die Kinder emotional betreut werden, „weil es ein Wahnsinnseinschnitt ist“. Andere Grundschüler sind verhaltensauffällig und müssen aus der Klasse genommen werden.
Sozialtraining für Gruppen, die Streitereien haben
Die Schulsozialpädagogin arbeitet mit ihnen. Auch holt sie Gruppen, die Streitereien haben, in einen Nebenraum und macht Sozialtrainings mit den Schülern.
Zuständig für die Anstellung der Fachkraft ist das Amt für Jugend und Familie, das zum Direktorium von Noch-Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein gehört.
Bildungsreferentin Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer war selbst Schulleiterin. An 27 Regensburger Schulen gibt es JaS, schreibt sie in ihrer Stellungnahme an die Mediengruppe Bayern. „Die eingesetzten Pädagoginnen und Pädagogen sind äußerst wichtig, um vor allem Schülerinnen und Schüler bei Konflikten, sozialen Schwierigkeiten oder persönlichen Krisen direkt vor Ort zu beraten und zu unterstützen.“
Kellner-Mayrhofer versichert, sie habe sich über das Anliegen des Elternbeirats mit dem Amt für Jugend und Familie ausgetauscht. „Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah ein positives Ergebnis erzielen, damit unsere Kinder und Jugendlichen auch weiterhin die Unterstützung bekommen, die sie für ihren Weg so dringend benötigen.“