Regensburger Stammtisch spielt schon seit 25 Jahren

In einer Ecke des Cafés Bellissima in Regensburg sitzen sieben Damen um zwei Tische. Sie spielen Kartenspiele - und das nun schon seit 25 Jahren. Der Stammtisch trifft sich seit 2001 jeden Freitag in verschiedenen Lokalen. Gemeinsam haben sie schon viele Runden gespielt und dabei viel erlebt.
Es ist warm und hell im Café Bellissima im Gartencenter Haubensak. Es riecht nach Mittagessen und Kaffee. Zwischen vereinzelten Stimmen hört man immer wieder ein undefinierbares Rattern. In einer Ecke des Cafés stehen zwei Tische eng zusammen. Sieben Frauen spielen dort in zwei Runden Karten – die einen Rommé, die anderen Canasta.
Das Rattern stammt von einem Gerät, das Spielkarten mischt. So gewöhnlich die Kartenrunde erscheint, man könnte schon behaupten, sie sei eine Regensburger Institution. Seit 2001 spielen die Frauen in dieser Runde jeden Freitag Karten.
Gleiche Runde, verschiedene Lokale
Dabei haben sie schon etliche Lokale in ihr Ritual miteinbezogen. Angefangen im Wiener Haus 2001, über das Alte Tor, dem Keplerbau, der inzwischen abgerissen wurde, dem Antoniushaus, dem Sport Club und nun dem Café im Haubensak. Die Runde bleibt im Kern dieselbe, die Lokale mussten sie immer wieder wechseln. Seit Januar sind sie nun im Belissima. Zu Beginn, im Jahr 2001, waren es noch 37 Teilnehmer, die sich freitags zum Karten spielen zusammenfanden – heute sind es nur noch acht. „Der schäbige Rest“, wie es Bertha Simka lachend bezeichnet.
Dennoch finden sie sich jeden Freitag in gewohnter Runde wieder zusammen und spielen von zwölf bis fünf Canasta oder Rommé. Die Stimmung sei immer gut, es sei schön, dass man sich immer noch gut verstehe.„Wir können nicht streiten, weil wir immer auf unsere Karten schauen müssen“, scherzt Marianne Lang. Vertieft in ihr Spiel legen die Frauen schnell die Karten übereinander – in routinierten Bewegungen teilt Pauline Löffler die Karten aus. Dadurch, dass die Runde von 37 Teilnehmern in den vergangenen 25 Jahren auf acht geschrumpft ist, seien auch einige Schicksalsschläge dabei gewesen, so Marianne Lang. Von Todesfällen, Umzügen ins Altersheim oder Einzelschicksale sei vieles dabei gewesen, so die 95-Jährige.
Marianne Lang ist die Älteste der Runde, die jüngste Mitspielerin ist 73 Jahre alt. Der Stammtisch feierte auch schon einige Geburtstage zusammen. Das Geburtstagskind bringe dann immer Kaffee und Kuchen für den Stammtisch mit. Dann wird wieder weitergespielt, wie jeden Freitag.
Dabei gehe es den Spielerinnen auf keinen Fall ums Gewinnen, sondern nur ums Vergnügen. Der Gewinner bekäme nicht mal einen Händedruck, scherzen die Frauen.
Trotz schwieriger Anreise jeden Freitag vor Ort
Das laute Rattern des Mischgeräts unterbricht immer wieder das Gespräch, im Hintergrund hört man spielende Kinder. Über die Jahre sei in der Runde schon einiges passiert, etliche Enkelkinder seien in den vergangenen 25 Jahren geboren worden.
Die Stammtischmitglieder kommen alle mit dem Auto oder Bus freitags ins Café. Für Rita Röhr sei die Anreise aus Nittenau aufgrund von Streiks oder anderen Hindernissen jedes Mal eine Odyssee, doch irgendwie schaffe sie es doch immer.
Konzentriert widmen sich die Frauen weiter ihren Kartenspielen. „Jetzt wird’s brenzlig“, ruft eine Mitspielerin. Auf den Freitag freuen sie sich die ganze Woche über, da sind sich die Frauen des Stammtisches einig.