Regensburger Psychotherapeuten wehren sich gegen Honorarkürzung

„4,5 Prozent weniger sind 0,0 Prozent Respekt“ – Schilder mit dieser Aufschrift sah man öfter am Freitagnachmittag in Regensburg. Rund 150 Menschen versammelten sich am Neupfarrplatz zu einer Demonstration gegen die geplanten Honorarkürzungen für ambulante Psychotherapeuten. Diese sollen ab April 4,5 Prozent weniger Geld erhalten.
„Für uns Psychotherapeuten ist das ein Schlag ins Gesicht“, sagte Dr. Petya Schuhmann bei ihrer Rede bei der Demonstration. „Wir versuchen unser Bestes, möglichst vielen Patienten zu helfen.“ In Bezug auf ein jahrelanges Studium und eine teure Ausbildung sei die Honorarkürzung eine Abwertung ihres Berufs.
Auch Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Stefanie Dechant „reicht es“, betonte sie mehrfach. Sie berichtete aus ihrem Berufsalltag. Jedes vierte Kind sei psychisch stark belastet. An dieser Stelle zu sparen, sei das Gegenteil von dem, was nun notwendig wäre. „Die Antwort sollte heißen: mehr Therapieplätze!“
Honorarkürzung zum Nachteil von gesetzlich Versicherten
Bekanntlich sei es schon jetzt schwierig, bei psychischen Problemen einen Therapieplatz zu erhalten, sagte eine Vertreterin des Frauenkollektivs Regensburg, das die Demonstration organisierte. Nach dem neuen Beschluss könne es nun für gesetzlich versicherte Patienten noch schwieriger sein, eine passende Therapie zu finden. Die Honorarkürzung reihe sich ein in weitere Kürzungen im sozialen Bereich. Besonders Frauen seien davon betroffen, da diese häufiger unter psychischen Krankheiten litten und der Beruf der Psychotherapeuten frauendominiert sei.
Eine Gruppe von Psychotherapeuten aus Ingolstadt sei extra angereist, um ihre Kollegen in Regensburg zu unterstützen. Die Honorarkürzung empfinden sie als „Unverschämtheit“ und „respektlos“ gegenüber ihrer Arbeit. „Es ist nicht nur ein Schlag in unser Gesicht, sondern auch in das unserer Patienten“, sagte einer von ihnen zur MZ.
„Wir fordern eine Rücknahme der Honorarkürzung. Mehr Geld für Menschen, weniger Geld für Maschinen“, machte Psychotherapeutin Schuhmann deutlich.